Oman – Rundreise Teil 4

Der Abschluss

12. Zurück nach Muscat (02.12.)

Am Morgen im Resort stellen wir fest, dass noch nach uns viele Gäste gekommen sind. Einige Familien haben in Zelten übernachtet, offenbar lieben sie die Kälte oder sie haben gute Schlafsäcke. Aber alle warten auf das Frühstück im Restaurant, um sich aufzuwärmen.

Wir machen uns recht früh auf den Weg, denn es soll über eine Strecke gehen, für die wir laut Reiseveranstalter den ganzen Tag brauchen werden. Zunächst geht es noch einmal über die Piste nach Al Hamra, von dort aus Richtung Al Hotta Cave bis zum Abzweig nach Al Alamayn. Bis zum Pass hinauf führt eine noch ausgebaute Straße. Von der Höhe hat man einen wunderbaren Blick in beide Täler.

Franzosen aus der Haute Savoie berichten uns, dass die Abfahrt zwar manchmal sehr steil, aber durchführbar ist. Nach den ersten Kurven haben wir zunächst einmal keine Sicht, die Scheiben beschlagen vollständig. Es dauert ein bisschen, bis wir wieder die ausgewaschene Piste genau sehen können. Schwierig sind vor allem die Bodenwellen, die einem die Sicht auf den weiteren Straßenverlauf versperren.

Nakhal Fort, OmanZum Glück haben wir keine Fahrzeuge vor uns. Es kommen uns nur welche entgegen. An einer besonders schmalen Stelle kommen wir nur zentimeterweise vorwärts – es gibt keine Seitenbegrenzung und wir stehen ganz nahe am Abgrund. Dann wieder bieten sich unglaubliche Ausblicke in palmenbestandene Wadis. Staunen und hohe Konzentration wechseln sich ab. Zum Schluss geht es direkt durch das Wadi Bani Awf – vorbei an schönen Palmenhainen. Irgendwann stoßen wir wieder auf die asphaltierte Straße, die uns zu unserem ersten wirklichen Halt in Nakhl führt.

In einem kleinen Coffee-shop trinken wir heiße Rosenwasser- und Kaffeemilch, das löscht den Durst und beruhigt die Nerven. In Nakhl soll es auch heiße Quellen geben, die wir natürlich besuchen wollen. Die Fahrt führt durch ein palmenbestandenes Wohnviertel mit prächtigen Villen. Unsere Vorfreude auf ein Bad in den heißen Quellen wird schnell durch den hohen Besucherandrang und das Verkehrschaos, das sich vor uns ausbreitet, getrübt. Einem Zusammenstoß mit einem Betonpfeiler können wir gerade noch entgehen. Also kehren wir schnell auf die Hauptstraße zurück und fahren Richtung Barka.

An einer Tankstelle nutzen wir die Gelegenheit, das Auto waschen zu lassen. Überall hat sich der Sand abgelagert und eingenistet. Die Autowäscher leisten gründliche Arbeit – eine Waschanlage könnte das gar nicht schaffen –, das Auto blitzt wie zu Beginn unserer Reise. Der Ort Barka ist zwar nicht besonders hübsch, aber wir finden ein gutes Restaurant – Frühlingsrollen, gebratene Nudeln und ganz frische Obstsäfte sind gerade das Richtige nach dieser Fahrt.

In Muscat finden wir den Weg ins Hotel ohne Probleme; dort scheint man uns schon zu erwarten. Den Nachmittagsschlaf haben wir uns wahrlich verdient – besonders Reinhard, der Pistenfahrer. Auf unserem Abendspaziergang schauen wir uns die großen Einkaufszentren in der Umgebung unseres Hotels an; viele Familien tätigen ihre Einkäufe oder machen Picknick auf den breiten Rasenflächen direkt neben der hell beleuchteten Autobahn.

13. Letzter Ausflug in Muscat (03.12.)

Souqu in Muttrah - OmanNach geruhsamem Frühstück besuchen wir den Souq in Matrah; Tücher, Kleider, Schmuck, Parfum, ätherische Öle, Holzarbeiten werden in den entsprechenden Ladengassen angeboten. Wir kaufen Tücher und eine kleine Duftlampe. Im Tuchladen haben wir ein interessantes Gespräch mit einem Inder, der schon seit über zwanzig Jahren im Oman wohnt. Er berichtet, dass er nach einer schwierigen Zeit der Anpassung endlich seinen Platz in der omanischen Gesellschaft gefunden hat. Er bestätigt uns, dass im Oman keine offene Diskussion über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse existiert und dass die Omanis gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen die Spitze der hierarchisch strukturierten Gesellschaftspyramide bilden.

Sultanat OmanIn Qurum, am Meer gelegen, finden wir zwar schnell einen Parkplatz, aber auf unserem Spaziergang auf der Strandpromenade streben wir vergeblich nach Schatten, so dass wir gezwungen sind, in einem der Strandrestaurants Zuflucht vor der Sonne zu suchen. Wir sind doch erstaunt, hier einer großen Gruppe von Frauen – unverschleiert und Wasserpfeife rauchend – zu begegnen.

Schnell wird uns klar, dass es sich um Frauen aus der Oberschicht handelt. Sie können sich ein solches Leben und vor allem westliche Kleidung und westliches Verhalten leisten. Die Rückkehr zu unserem Hotel ist mal wieder schwierig, da wir die falsche Autobahnabfahrt gewählt haben. Auf irgendwelchen Schleichwegen finden wir dann doch zurück. Am Abend essen wir in einem libanesischen Restaurant – sehr schöner Rahmen, aber leider zu reichhaltig.

14. Die Abreise (04.12.)

Beim Frühstück lassen wir uns viel Zeit, auch beim Kofferpacken – unser Flug geht ja erst um 16.00 … wirklich? Reinhard drängelt schon ein bisschen, aber es ist noch genug Zeit. Schließlich suche ich doch schon mal die Flugtickets zusammen und stelle fest, dass wir schon um 14.00 Uhr fliegen!! Zunächst bewahren wir noch Ruhe, aber als wir wieder auf den Autobahnen herum sausen, um den richtigen Weg zum Flughafen zu finden, wird es doch dramatisch.

Falsche bzw. fehlende Ausschilderung führt uns zunächst zum neuen Flughafen, der noch gar nicht eröffnet ist. Die Hinweise eines Wachpostens führen uns auch in die Irre. Bis wir endlich entdecken, wo die Flugzeuge starten. Ohne Hinweisschild erreichen wir endlich den Flughafen. Aber der Weg zur Abgabe des Autos ist unser nächstes Problem.

Nach einigem Hin und Her kommen wir endlich zum Schalter der Autovermietung. Hier geht es zum Glück sehr flink, so dass wir endlich mit unseren Koffern den Abfertigungsschalter finden. Offenbar sind wir doch noch so rechtzeitig, so dass man uns bessere Plätze mit Beinfreiheit anbietet. Schließlich fliegen wir mit einer Stunde Verspätung ab. Die Sicht von oben ist noch lange Zeit recht gut, so dass der Unterschied zwischen dem Oman und Dubai deutlich zu erkennen ist: Bewässerungsanlagen, Plantagen, Wohnviertel in Dubai – Wüste im Oman. Wir können hier noch einmal erahnen, welches Ziel der Oman verfolgt.

Frankfurt/M. erreichen wir natürlich zu spät, es gibt keinen direkten Zug mehr nach Berlin. Über den Umweg nach Dortmund erreichen wir den Nachtzug, der nach Prag bzw. Warschau fährt. Die Rückreise bleibt also spannend bis zum Schluss. Der Hauptbahnhof in Dortmund ist in dieser Nacht eine Oase der Fußballfans; Sitzgelegenheiten oder Warteräume sucht man vergeblich; zumindest finden wir einen netten Kiosk, wo wir heißen Kakao und Crêpes bekommen. Ankunft im winterwarmen Berlin um ca. vier Uhr morgens.

Sultanat Oman15. Mein zusammenfassender Rückblick in Stichpunkten

Der Oman ist eine Gesellschaft zwischen technischem und architektonischem Aufbruch und Bewahrung der Traditionen. Selten begegnet man Frauen auf der Straße und im öffentlichen Leben (hauptsächlich im schwarzen Gewand und mit Kopftuch bekleidet), Männer in weißem Kaftan mit Turban oder dem orientalischen Fez beherrschen „das Bild“.

Angesichts der vielen neugebauten Moscheen und den abendlichen religiösen Fernsehsendungen erscheint der Islam allgegenwärtig. Kinder genießen einen großen Freiraum. Wir können uns das nur so erklären, dass sie sich im Erwachsenenalter vollständig anpassen müssen. Wenigstens in der Kindheit sollen sie ein ungezügeltes Leben führen können. Die Mütter haben jedoch ständig damit zu tun, den Kindern und ihren Männern alles recht zu machen.

Der Aufbau der Infrastruktur und die Entwicklung des Tourismus wird vor allem von zugewanderten Arbeitskräften – Indern, Pakistanis, Bangladeshis, Singalesen, Philippinen – geleistet. Die Omanis sind vorwiegend in der Verwaltung und im Bankensektor tätig.

Man erlebt spannende Landschaften: wunderbare Strände, Fels- und Berglandschaften, die unendliche Weite der Wüsten.

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