Mittelmeer-Region: Belek und Aspendos

Golfen in geschichtsträchtiger Umgebung

Von Belek aus an die Anfänge unserer Kultur.

Natürlich ist die Gegend um Belek ein wahres El Dorado für Golferinnen und Golfer. Fast alles, was die Türkei an Golfplätzen zu bieten hat, ist hier in kurzer Distanz versammelt. Dazu kommen noch einige Top-Hotels und ein nicht selten ideales Klima für perfekte Golfrunden schon im Januar, wenn in Deutschland Schnee und Eis regieren.

Und deshalb ist es auch nur all zu verständlich, wenn sich halb Nord-Europa in den Wintermonaten, so es sich nicht gerade in Südafrika befindet, nach Antalya aufmacht. Oft nur für ein paar Tage und ein paar Runden Golf, aber was man dabei alles nicht sieht, nicht erlebt ist eine Menge. Und dabei sind die Entfernungen von Belek aus zu wahren Schätzen der greichischen Kultur – um nur die zu nennen – wirklich gering. Perge z. Bsp. ist einen Katzensprung weit entfernt und Termessos zwei.


Perge – ein tiefer, archäologischer Schnitt durch unsere Seele

Perge, Türkei

Perge, TürkeiPerge, TürkeiPerge (griechisch Πέργη, hethitisch Parcha/Parha) zeigt Siedlungsspuren schon aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. und wurde schon vor 1.200 v. Chr. als bedeutende, hethitische Siedlung erwähnt. Mit Side – wir kommen später dahin – ist es die bedeutendste Stadt im antiken Pamphylien, also mehr oder weniger der Region um Antalya und der westlichen Taurusregion.

In Perge geboren und gestorben ist der Mathematiker Apollonios von Perge, der viele von uns mit seinen Berechnungen von Kegelschnitten im Mathe-Unterricht zu schierer Verzweiflung getrieben hat. Um so mehr sollten Sie sich zur Kompensation dieses Ungemachs in die alte Stadt aufmachen.

Hier finden Sie archäologische Reste, die bis in die Zeit vor dem 7. Jh. v. Chr. zurückgehen.  Beeindruckende Reliefs und Friese am Theater aus dem 2. Jh. n. Chr. und neben dem Stadion, das mit seinem Platz für 12.000 Besucher zu den größten seiner Zeit und bis heute zu den beeindruckensten gehört.

Im Jahre 334 n.Ch. schloss die damals persische Stadt Perge, ebenso wie die etwas weiter nördlich gelegene Stadt Side, mit Alexander dem Großen einen Friedensvertrag, wodurch sie Krieg und Zerstörung umgingen. So erlebte die Stadt die hellenistische, römische und byzantinische Epoche und hinterließ aus allen uns zahlreiche Bauten als Dokumente ihrer reichen Geschichte. Darstellungen von Götterszenen, Tieropfern und einer reichen Spiele- und Fest-Ikonografie, zahlreiche Statuen und religiöse Symbole.

Perge, TürkeiDas Theater, immerhin ausgebaut für 15.000 Besucher und neben dem in Aphrodisias das wohl bedeutendste seiner Zeit, zeigt wunderschöne Friese und Reliefs mit Kentauren und dem Kampf der Giganten zum karthatischen Vergnügnen der Besucher. Und vielleicht werden Sie hier auch noch die Kegelschnitt-Ängste und Mathe-Taumata wieder los; ein Versuch ist es wert.

Große Teile des beeindruckenden Bühnengebäudes sind noch in voller Höhe erhalten. 52 Meter lang und einst wie das Theater von dem unweit entfernt liegenden Aspendos vollständig mit Mamor dekoriert, stellt es auf verschiedenen Reliefs, teils sehr gut restauriert, die Lebensgeschichte von Dionysos, dem Schutzherrn des Theaters, dar.

Eine Besonderheit, die Anlass zu fantasievollen Spekulationen gab, ist, dass, anders als etwa in Aspendos, im Theater von Perge der Zuschauerbereich klar abgetrennt ist vom Bereich der Künstler. So mutmaßt man, dass hier ein Schauplatz blutiger Gladiatoren- und Kämpfe mit Wildtieren bestand.

Das Stadion, das sich gleich unterhalb des Theaters befindet, ist architektonisch älteren u-förmigen Stadien nachempfunden, bietet aber mit seinen fünfzig Gewölbekonstruktionen mächtige Innenräume, in denen zur Zeit der römischen Kaiser zahlreiche Händler Platz für ihre Geschäfte fanden.
Perge, TürkeiWaren solche Handelsplätze im antiken Griechenland anfangs noch dirket an den Tempeln angesiedelt, spricht deren Nähe zu Pferderennen, Tierhatzen und blutigen Kampfspielen schon für sich selbst vom Wandel des Handels, weg von Binnenmärkten, Techne und Kleinstproduktion sowie partiellem Außenhandel zu den römischen Formen und Ausprägungen eines Merkantilismus.
Was allein an Wildtieren und Sklaven für die römische Entertainment-Industrie allwöchentlich draufging, konnte mit überregionalen Gelegenheits-Trades nicht mehr ausreichend befriedigt werden. Unser modernes Logistik-Wesen hat in den „Kolosseen“ des Römischen Reiches mit Sicherheit eine ihrer bedeutendsten Quellen

Östlich des Stadttors, das eine spätrömische Architektur mit hellenistischem Ursprung zeigt, liegt die Agora. Das Stadttor mit den beiden Rundtürmen der hellenistischen Toranlage, die teilweise noch stehen und was für ein Stadttor aus vorrömischer Zeit sehr, sehr selten ist, war ursprünglich zum Großteil mit Marmor bedeckt. In der hellenistischen Antike standen hier noch diverse Götterstatuen, heute teilweise im Museum in Antalya zu besichtigen.

Gleich hinter der Toranlage befindet sich ein hufeisenförmiger Hof, dahinter die Agora, ein vollkommen von Säulen umgebener Versammlungsplatz von 75 x 75 Meter, politischer Mittelpunkt der Stadt. Hier wurde gehandelt, diskutiert und natürlich auch gespielt, wovon ein gut erhaltener antiker Spielstein berichtet. In helenistischer Zeit stand in der Mitte des Platzes ein der Tyche, der Göttin des Schicksals, des Glücks und des Zufalls geweihter Rundbau, was eindrucksvoll belegt, wie essentiell und universell man in der Antike zu denken in der Lage war.

Von der hellenistischen Toranlage führt die Hauptstraße der Stadt, eine 20 m breite Prachtstraße mit einem 2 Meter breiten, offenem Wasserkanal in der Mitte, zum Nymphaion, einer monumentalen Brunnenanlage. Unzählige Säulen, die wieder an ihrem ursprünglichen Platz aufgestellt werden konnten, säumen den Weg.

Besonders bemerkenswert sind vier der Säulen, die mit Reliefs versehen sind. Diese zeigen Apollon, Artemis Pergaia, Tyche und einen der beiden, angeblichen Stadtgründer, den Seher Kalchas (warum der andere, Mopsos, hier nicht mehr zu finden ist, ist unklar).
Im Nymphäum ist gut erhalten der ruhende Flussgott Kestros in einer Nische zu bestaunen. Direkt unter dem liegenden Gott strömte einst das Wasser in den Kanal. Rechts und links befinden sich zwei weitere Nischen mit Frauenstatuen. Westlich vom hellenistischen Tor sieht man noch die Reste einer beeindruckenden Thermenanlage, an der laut Inschriften über vier Jahrhunderte lang gebaut wurde.

Perge, TürkeiSpätrömische Emanzipation der Frau.

Im 2. Jh.n.Chr. lebte in Perge eine überaus wohlhabende Frau aus Anatolien, Plancia Magna, Tochter des römischen Senators Prokonsul Marcus Plancius Varus und der herodianischen Prinzessin Julia.

Ihre Mutter war eine Hohe-Priesterin und diente im Tempel der antiken griechischen Göttin Artemis, der wichtigsten Göttin in Perge.
Artemis, Tochter des Zeus und der Leto und die Zwillingsschwester des Apollon, war  die Göttin der Jagd, des Waldes, des Mondes und die Hüterin der Frauen und Kinder. Als eine der zwölf großen olympischen Götter zählt sie zu den wichtigsten Gottheiten der griechischen Mythologie.

In der Regierungszeit von Kaiser Hadrian 117-138, unternahm Plancia Magna große Umbauprojekte in Perge, errichtete eine Reihe von Statuen, die verschiedene Mitglieder der kaiserlichen Familie in Perge zeigten, verschönerte aufwendig die hellenistischen Tore zu dem prächtigsten Bauwerk der Stadt.

Plancia, Perge, Türkei

Statue of Plancia Magna, Perge. Roman Period, 2nd century A.D. Antalya Museum.

Perge, TürkeiSie gilt als Mitbegründerin von Perge und zusammen mit ihrem Bruder und den mütterlichen Verwandten gehörte sie zu den letzten bekannten Nachkommen der Herodes-Dynastie.
Sehenswert ihr Grabmal ganz im Südosten von Perge.

Was die historischen Einordnungen der vielen Bauwerke der Stadt zudem noch weiter erschwert ist, dass Perge sehr früh schon das Christentum kennen lernte, das auch seine Spuren hinterlassen hat.

Die Apostel Paulus und Barnabas besuchten auf ihrer ersten Missionsreise die Stadt, wonach eine größere christliche Gemeinde sich bildete.

In frühbyzantinischer Zeit allein wurden drei große Basiliken erbaut, bis dann im 7.Jh.n.Chr. die Stadt unter Arabischen und Sarazenischen Einfällen litt und die Einwohner ins sicherere Antalya zogen.

Etwa auf halben Weg von der Agora zum Nymphäum können an der westlichen Seite der Prachtstraße noch spärliche Überreste einer Basilika besichtigt werden.

Zur Zeit der Seldschuken war die Stadt Perge eine nur noch kleine und unbedeutende Siedlung in der Türkei.

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