Zentralanatolien: Feentürme in Göreme

Unter der Erde in Derinkuyu

Welterbe Kappadokien – 3.000 Kirchen in Tuffstein gegraben.

Göreme, Kappadokien, Türkei

Der Name Kappadokien geht wohl zurück auf einen altpersischen oder hethitischen Ursprung, man weiß es nicht genau. Die größte Stadt inmitten dieses einzigartigen Weltkulturerbes heißt Göreme. Man fährt von Antalya oder Istanbul oder jeder anderen größeren Stadt der Türkei meist mit dem Bus, längere Strecken über Nacht, alle führen über Konya, Kirsehir oder Kayseri.

Längere Busfahrten sind meistens so terminiert, dass man im Morgenrauen sein Ziel erreicht, und wenn man die seltsamen Tufftürme der für Kappadokien so berühmten Feenkamine – wie sie genannt werden – als Schattenrisse aus dem ersten Morgenlicht schemenhaft auftauchen sieht, erst einzelne, dann viele nebeneinander, und der Bus durch eine Ansammlung hindurchfährt und sie riesenhaft, dreißig und mehr Meter hoch ganz nah am Busfenster vorbeiziehen, glaubt man, halbschlafen noch, die Märchen der Kindheit sind doch noch wahr geworden, oder man selbst wieder zu einem Kind, das träumt, es lebte unter Riesen in einem ferne Land der Phantasie.

Derinkuyu, Kappadokien, Türkei

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Wenn man dann wach geworden ist und im grellen Tageslicht Zentralantoliens die Landschaft überblickt, dann bleibt von dieser unwirklichen Stimmung auch weiterhin noch etwas zurück. Und das verläßt einen erst, wenn man die Heimreise schon längst wieder angetreten hat.

Denn diese Landschaft ist ganz und gar unwirklich; jedenfalls für uns und wenn man sie das erstemal bereist.

Erdverschiebungen und vor allem Erosion haben die Feentürme geschaffen; oben sieht man die meist dunkleren, härteren, vulkanischen Tuffe. Menschen haben über Jahrtausende viele der Tuffformationen zu Wohnzwecken und für Kirchen ausgehöhlt, die oftmals bis in die höchsten Spitzen der Tuffkegel reichen, in manchen sind für Touristen heute Hotels und Restaurants eingerichtet.

Auch wenn die Stadt Göreme heute von wahren Scharen von Touristen an vielen Tagen des Jahres heimgesucht wird, lohnt sich ein Besuch. Empfehlenswert auf jeden Fall ist, Sie bleiben mehr als einen Tag und erkunden das nicht gerade kleine Tal zu Fuß, endecken wunderschöne, ruhige Seitentäler, Kirchen im Tuffstein mit beeindruckenden Decken- und Wandmalereien von christlicher Hand, Wohngebäude usw.

Göreme, Kappadokien, TürkeiKappadokien, TürkeiDie frühesten Spuren von Siedlern datieren aus der Zeit um 6500 v.Chr, besiedelt wurde das Gebiet aber wahrscheinlich schon um etwa 8000–7500 v.Chr.

Seine fruchtbaren Böden ließen die Hethiter bereits 1600 v.Chr. hier dauerhaft Ackerbau treiben, dann kamen die Phryger und die Lyder, im späten 7. Jh. v.Chr. die Meder, die alsbald von den Persern abgelöst wurden.

Bis dahin waren demnach fast eintausend Jahre vergangen, als Alexander auf einem seiner Feldzüge hier vorbei kam und kurz danach Kappadokien an die Makedonen fiel.

Nach Alexander wurde Kappadokien in die Diadochenkriege miteinbezogen, es folgten Jahrhunderte der Auseinandersetzungen. Kappadokien wurde zwischenzeitlich ein unabhängiges Königreich, bis zur vernichtende Niederlage, die Antiochos III. gegen die Römer erlitten hatte, und sich Machtverhältnisse in Kleinasien zu den Römern und ihrem Bundesgenossen Pergamon verlagerte.

Marcus Antonius schließlich setzte 36 v.Chr. Archelaos als neuen König über Kappadokien ein. Unter Mithridates kehrten Jahre der Stabilität und des Wohlstand zurück, bis Kaiser Tiberius dem eigenständigen Königreich 18 n.Chr. ein Ende bereitete und es als kaiserliche Provinz ins Reich integrierte. Die Stadt Eusebia, heute Kaisery, wurde unter dem neuen Namen Caesarea Hauptstadt der neuen römischen Provinz.

Kappadokien, TürkeiCaesarea erlangte früh schon enorme Bedeutung für das junge Christentum. In der Geschichte des Christentums waren die in Caesarea lebenden und wirkenden sog. drei kappadokischen Kirchenväter bekannt, die wesentlich dazu beitrugen, dass Kappadokien eines der wichtigsten frühchristlichen Zentren wurde.

Auf sie gehen die sog. Trinitaren zurück, jene Christen, die an die Lehre der Dreifaltigkeit glauben, die christliche Trinitätslehre also, die sich entwickelte im 4. Jahrhundert n. Chr. vor und nach den berühmten Konzilen von Nicäa, 325, und dem dann entscheidenden Konzil von Konstantinopel, 381, das von Theodosius berufen und unter der Führung Gregors von Nazianz und Gregors von Nyssa, des Bruders Basilius‘ von Caesarea, einem der drei kappadokischen Kirchenväter, eine Neufassung des nicänischen Glaubensbekenntnisses erarbeitet wurde.

Bei dem sog. „arianischen Streit“ ginge es nicht nur um die Frage, ob der in Jesus Christus inkarnierte Logos göttlich, gottähnlich oder anders als Gott, nämlich geschöpflich sei. Es ging auch um politische Fragen, an denen weite Bevölkerungsschichten in Kapopadokien, in Rom bis hin nach Mailand Anteil hatten und letztlich höchste Staats- und Kirchenämter, Päpste und Metropoliten nur noch an Trinitaren vergeben wurden.

Einen Unterschied machten die Goten und Vandalen. Während der Arianismus unter den germanischen Völkern, die während der arianischen Vorherrschaft christianisiert wurden, noch einige Jahrhunderte fortbestand, wurde der Entscheid von Konstantinopel in der orthodoxen Kirche und in der katholischen Kirche nie wieder in Frage gestellt. Schließlich mit dem Übertritt des fränkischen Königs Chlodwig I. zum römisch-katholischen Glauben begann der Siegeszug des Trinitarismus auch in der germanischen Welt.

Bis zum Jahre 1071 blieb Kappadokien unter byzantinischer Herrschaft. Mehr als 3.000 Kirchen, die dort bis heute entdeckt wurden, zeugen von der bedeutsamen christlichen Vergangenheit, die noch bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts reichte. Die letzten griechisch-orthodoxen Christen verließen die Region im Rahmen des großen Bevölkerungsaustausches zwischen der Türkei und Griechenland im Zeitraum 1922 bis 1924.

Derinkuyu, Kappadokien, Türkei

Derinkuyu, Kappadokien, Türkei

Screenshot: krackersworld.com
Bis zu acht unterirdische Stockwerke hatte die Stadt Derinkuyu.

Ebenso bedeutsam wie das Christentum war die Lage Kappadokiens an der berühmten Seidenstraße. Die dort lebenden Menschen wurden oft und von unterschiedlichen Aggressoren überfallen, weshalb sie das weiche Tuffgestein aushöhlten, um sich darin teilweise für mehrere Monate zu verstecken.

Es entstanden ganze unterirdische Städte mit Frischwasserzuläufen, Kirchen, medizinischen Operationssälen, Vorratsspeichern, Versammlungsräumen, Kerkern, Nekropolen etc., die von Archäologen seit den 1960er Jahren freigelegt wurden und heute besucht werden können.

Die bekanntesten sind Derinkuyu und Kaymaklı. Weitere unterirdische Städte in der Region sind Ürgüp und Avanos .

Befestigt durch tonnenschwere Rollsteine und bewehrt mit engen Gängen, die nur eine Person nach der anderen durchließen, konnten die Bewohner die Angriffe meist erfolgreich abwehren. Ihre Lage war geheim und sogar für Christen zur Zeit ihrer ärgsten Verfolgung und Bedrohung durch Seldschuken und anderen Agressoren eine der wenigen sicheren Zufluchtsstätten im vorderen Orient.

Man vermutet, dass über 50 solcher Städte hier existieren, 36 davon wurden bereits ausgegraben, aber nur einige wenige sind für Besucher zugänglich, wobei Derinkuyu die bislang größte zugängliche Anlage ist. Ihr Alter ist umstritten. Manche sehen die Hethiter vor über 4.000 Jahren als ihre Erbauer und einiges spricht dafür. Sicher ist, dass sie von den Christen zwischen dem 6. und dem 10. Jh. n. Chr. zu ihrer heutigen Form und Dimension ausgebaut wurden. Die Schätzungen über die Zahl der Bewohner gehen bis zu 50.000, was aber ein wenig optimistisch und gut für den Tourismus sein dürfte. Vieles spricht dafür, dass Derinkuyu durch einen neun Kilometer langen Tunnel mit der unterirdischen Stadt im Nachbarort Kaymaklı verbunden war.

Allein diese beiden Städte zählen über 15.000 bis zu 85 Meter tiefe Schächte zur Luftzirkulation, die übringens auch heute noch funktioniert, und gleichzeitig zur Frischwasserzufuhr angelegt wurden. Ohne auch nur von der Existenz dieser Städte zu ahnen, schöpfte die Bevölkerung Derinkuyus ihr Wasser bis zur Entdeckung der Städte in den 60ger Jahren des letzten Jahrhunderts aus diesen Brunnen. Daher leitet sich auch der Name des Ortes ab, denn derin kuyu bedeutet im Türkischen „tiefer Brunnen oder Schacht“.

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Ein Kommentar
  1. Rici sagt:

    Kappadokien- Das einmalige Urlaubsziel

    Vor mehreren Millionen von Jahren gab es eine Erosion, die eine faszinierende Ortschaft hat in Erscheinung treten lassen. Kappadokien wird jene inzwischen benannt und hat verschiedene Provinzen zu bieten. Die Provinzen heißen Nevsehir, Aksaray, Kirsehir, Nigde wie noch Kayseri. Den Touristen bekannt ist vor allem der Ort Göreme, denn an dieser Stelle gibt es Felsformationen, die einfach unglaublich anzusehen sind. Die aus Tuffsteinfelsen gehauenen Höhlen- und Felsenkirchen muss man einfach gesehen haben. Ebendiese wurden sogar im Jahre 1985 zum Weltkulturerbe ernannt, natürlicherweise von der UNESCO. Es ist auf keinen Fall erstaunlich, dass Göreme das Zentrum von Kappadokien ist.

    Kappadokien wird auch gerne als Stadt der Pferde betitelt, weil die Urlauber auf dem Rücken der Tiere Göreme erkunden können. Demgegenüber auch, da Kappadokien übersetzt in der Tat Land der schönen Pferde bedeutet. Da gibt es eine Menge zu sehen, so die unterirdischen Städte Derinkuyu und Kaymakli, die bis zu 10 Etagen in die Tiefe gehen. Diese wurden in den 60er Jahren von Archäologen aufgespürt.

    Wer Naturwunder mag, muss Kappadokien besuchen. Die bizarren Felsformen werden begeistern können, ebenso wie die eingehauenen Höhlen und Wohnungen oder Kirchen wie noch Klöster. Die Töpferstadt Avanos wird die Reisenden ebenso begeistern wie auch die Stadt Ürgüp.

    Bevor man den Urlaub bucht, kann man sich mit Freude über andere türkische Urlaubsorte auf http://www.nevsehir-kappadokien.de informieren. So weiß man, wo exakt der Urlaub unvergesslich werden wird.

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