Sydney: The Rocks and Harbour Bridge

Im alten Hafenviertel.

Heute Zentrum der Kreativen, Reichen und Schönen der Stadt.

The Rocks, SydneyThe Rocks, SydneyWarum zieht es die Kreativen, die Modedesigner, Werber, die Galeristen, die Schönen und die Reichen, ob in New York, ob in Sydney oder sonstwo eigentlich immer in die Viertel, die einmal als Hafenviertel, Viertel der Gewalt, der Prostituion, von Drogen und Obdachlosigkeit verschrieen waren? Warum, he? Schon mal darüber nachgedacht?

Früher war The Rocks einmal das alte Hafenviertel von Sydney. Lagerhalle an Lagerhalle reihte sich in dunklen, verwinkelten Gassen, wo nur Hafenarbeiter, Soldaten und Seefahrer sich aufhielten aneinander. Die Kneipen, Bars bzw. Pubs, die man heute hier antrifft, gehören zu den ältesten der Stadt, kein Wunder. In ihnen wurde so mancher Frust in früher Zeit besoffen, Frust wegen Armut, mieser Bezahlung, Schinderei, Krankheit und trostlose Ausweglosigkeit. Manch einer überlebte die Ursachen, ein anderer die Folgen nicht, manch einer ging mit blutender Wunde zu Boden. Heute hat das Viertel nichts mehr vom Leben der alten Larrikins (Rowdys).

Heute finden Sie dort italienische Restaurant, deutsche Brauhaus-Kultur mit regionalem Biersorten-Ausschank und Oom Pha Pha Band. Wenn weniger als fünfzig Kilo Chinesin vor einem ausgemachten Eisbein und einer Maß Bier sitzt und sich anschickt, dies alles in ihrem winzigen Körper mit entzücktem Gesicht verschwinden zu lassen, dann ist man hinreichend verwundert, aber die Chinesen und ihre weiblichen Begleiterinnen lieben die bayerische Küche und Musik. Dazu singen verkleidete OZs, sie mit blonder Perücke und mit langen Zöpfen, er mit Krachlederner: Jo mia san mi’m radl doh…und mimen Schuhplattler-Bewegungen. Und die Jungs aus den schicken Agenturen; Werbung, Design, Architektur, Recht und Finanzen, die alle hier ihr neues zuhause gefunden haben, gröhlen fröhlich mit, dann fragt man sich, was wohl damals passiert wäre, hätten die so etwas früher im Hafenviertel aufgeführt? Die wären wohl auch mit blutender Wunde zu Boden gegangen.

Die historischen Terrassen mit ihren Arbeiterhütten an der Playfair Street, an der in Reihe die neuen Bildungsbürger von down under wohnen, lassen nichts mehr von dieser Zeit spüren. Im Gegenteil; elegante Boutiquen mit dem ultimativen Chick für die Abercombie Kids und Galerien, in denen Sie in Dauer-Vernissagen die Arbeiten von australischen Künstlern sowie die leeren Gesichter und Small Talks der Besucher bewundern oder ein exklusives Andenken in einem Kunsthandwerk-Shop erstehen können – wie überall in solchen Cartiers auf der Welt. Auf den beliebten, hoch frequentierten Samstagsmärkten kaufen Sie eleganten, handgefertigten Schmuck oder köstliche Zutaten für ein Bushtucker. Anschließend lassen Sie sich in einem der Esoterik-Buchläden die Karten lesen und etwas über den Ursprung des Lebens und der australischen Seele erzählen, oder gehen in einer Patisserie oder einem Café mit Hof im Kolonialstil zu Mittag essen. „Boah Boah!“


Bilder von The Rocks, Sydney, sehen Sie hier.


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