Düsseldorf – mal anders Teil 4: Vom Killen und Pitschen

Wie kommt das Kölsch in die Stadt?

Kappeshamm – Killepitsch – Kölsch – weitere bedeutende Ks in der Stadt mit dem D

Kappeshamm, Düsseldorf

Kappeshamm, DüsseldorfEs gibt noch ein paar weitere Ks, die große Bedeutung für die Stadt mit dem D im Logo hat.

Da wäre der Stadtteil Hamm, den aber hier in Düsseldorf nur jeder Kappeshamm nennt, wegen der endlosen Felder, auf denen Kohl – wieder ein K – in allen Sorten wächst; manchmal riecht man es auch.

Und Spargel, der von dort besonders gut ist und mit seinen berühmten Stengeln aus Walbeck fast mithalten kann.
In Hamm macht der Rhein einen großen Bogen, man sagt, wegen der Gerüche, und dort verbindet eine Straßen- und eine Eisenbahnbrücke die Stadt mit Neuss und damit mit der anderen Rheinseite, wo auch Köln liegt, die von den Düsseldorfern nur Schälsik genannt wird, was so viel bedeutet wie wenn ein Bayer von Preussen redet.


…wenn se ons nit kille dann dommer eene pitsche…

Killepitsch, DüsseldorfKillepitsch, DüsseldorfUngefähr so soll sich das Gespräch zwischen zwei Düsseldorfern, Busch und Müller-Schlösser, in einem Bunker im zweiten Weltkrieg abgespielt haben und da beide nicht gekilled worden sind, wurde der typisch Düsseldofer, bitter-süße Kräuterlikör gebraut und mit so viel Leidenschaft vertrieben, dass heute ein brandneues, großes Haus im neuen Medienhafen an der Grenze zu Kappeshamm weithin sichtbar vom Erfolg der ehemals winzigen Probierstube Et Kabüffke im Haus Goldener Helm in der Flinger Straße Zeichen setzt.

Das Kabüffken gibt es immer noch unweit der bekannten Düsseldorfer Brauerei Zum Uerige.

Wer den Likör kaufen möchte, das geht in ausgesuchten Kneipen und in einigen, regionalen Einzelhandelsgeschäften, oder am besten in den USA und Japan, wohin – neben vierzehn anderen Ländern – ein Großteil der Produktion heute exportiert wird.
Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite Killepitsch.


Weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekanntes Kabarett aus dem Kom(m)ödchen

Kommödchen DüsseldorfMitten in der Düsseldorfer Altstadt, quasi unterhalb der Kunsthalle am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz befindet sich Das Kom(m)ödchen, ein Haus und Programm, das weit über Düsseldorf hinaus bekannt ist, ja, das Düsseldorf selbst weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht hat, auf dessen Bühne so mancher Kabarettist seine Ausbildung und Karriere begann. Das Kom(m)ödchen wurde 1947 als politisch-literarisches Kabarett von Kay und Lore Lorentz gegründet, von Kay eine zeitlang allein geführt, als Lore Lorentz als Solistin unterwegs war und heute vom Sohn Kay Sebastian Lorentz mit großem Erfolg weitergeführt wird.

Nach wie vor ist die Nachfrage nach Karten so groß, dass ohne Vorbestellung kaum einmal eine ergattert werden kann.

Bekannte Mitglieder des Ensembles waren unter anderem Ernst Hilbich, Heinz von Cleve, Thomas Freitag, Harald Schmidt, Hugo Egon Balder, Jochen Busse, Volker Pispers, Mariele Millowitsch und Frank Lüdecke.
Weitere Informationen finden Sie direkt auf der Webseite Kom(m)ödchen.


Die größte Kirmes am Rhein, wo?

Kirmes, Düsseldorf Natürlich in Düsseldorf. Wir sind ja schon im Kapitel Königsallee auf einige Gründe eingegangen, warum für Düsseldorf eher die Superlative als die Diminuative zählen. Höher, schöner – vor allem schöner – weiter, nicht immer klappt es mit dem Anspruch, der sogar einmal so weit ging, dass die kleine Stadt (das Dorf) am Rhein doch glatt die Olympischen Spiele hat ausrichten wollen.

Die hätten damals das Gelände um das Lörriker Freibad zubetoniert mit Wohnungssilos für die Olypioniken, die dann wohl nach dem Spielen zu leerstehenden Bauruinen verkommen wären; manchmal spinnen die echt, die Düsseldorfer.

Die Gabe zur Spinnerei hat Düsseldorf nach Meinung vieler leider nicht zur Metropole des Rheinischen Karnevals werden lassen. Da müssen die Düsseldorfer schweren Herzens und mit durchaus einigem Groll dem rheinischen Nachbarn von der Schälsik den Vortritt lassen. Da geht kein Weg daran vorbei, dieses K, der Karneval am Rhein ist Kölner Domäne.

Aber die Kirmes, und zwar die größte am Rhein, die findet nicht am Dom statt, sondern auf den Rheinwiesen in Oberkassel, was den Oberkasselern mächtig auf den Zeiger geht, da für zehn Tage kein unkontrolliertes Reinkommen zu Haus und Garage möglich ist, wenn über eine halbe Million Kirmesbesucher aus ganz NRW anreisen.

Traditionell findet am letzten Freitag der Kirmes ein Feuerwerk statt, das allein eine Million Besucher in die Stadt lockt.


Das vorerst letzte K gilt der anderen Schönheit am Rhein: Köln?

Eigelstein, Düsseldorf
DüsseldorfSeht sie euch an, die da sitzen. Verräter! Schlimmer als die Besatzung der Stadt durch den lütten Kaiser aus Frankreich. Das war vor einigen Jahren noch undenkbar: Kölsch in der Altbierstadt Düsseldorf.

Auf die alte Rivalität zwischen diesen beiden Städten, die beiden hohe, aber mit Sicherheit der kleineren mehr noch an Aufmerksamkeit eingebracht hat, ging es um den KFC und Fortuna, die Haie und die DEG und ganz zuvörderst zwischen Kölsch und Alt war Verlass.

Es gab immer eine Grenze, eine rote Linie, die niemals überschritten werden durfte und das war bierernst. Wer es wagte, in Köln ein Alt zu bestellen riskierte seine körperliche Unversehrtheit und umgekehrt. Und nun?

EigenStein, Düsseldorf

Webseite EigelStein

Im Juni 2005 flog die Ordnung der Welt den Düsseldorfern um die Ohren. Da eröffnete der erste Kölsch-Brauerei-Ausschank aus der Domstadt im neuen Medienhafen und noch viel schlimmer, die Düsseldorfer gingen hin und kippten das labberige Gebräu der Katholiken von der Schälsik sich hinter die Binde.
Nach Selbstauskunft – aber wer glaubt schon einem Kölner – sollen es im Schnitt über 300.000 Gäste pro Jahr gewesen sein. Und das können ja nicht alle Imis aus dem Pott gewesen sein. Das hieße, jeder zweite Düsseldorfer mag die Pisse; unvorstellbar.

Tja, ‚The Times They are a Changing‘, aber doch nicht gleich so. Das kommt davon, die Jugend hat keinen Charakter mehr, diese globalisierten Jedermänner, die sich mit allen Ausländern verstehen, machen am Ende nicht mal Halt vor’m letzten Tabu und begehen zu Hundertausenden ein Sakrileg am Glas nach dem anderen, vergehen sich am letzten identitätsstiftenden Lebenssaft und tauschen ihr dickes, dunkles Düsseldorfer Blut aus mit dem durchsichtigen, faden Nierenspüler aus der Domstadt; brrrhh!

Kölsch

Bäh!

Wo ich jetzt schon an diesem Tiefstpunkt angekommen ist, habe ich keine Lust mehr auf ein weiteres K, vorerst. Also Schluss für heute, ich brauch jetzt mal ein Bier.

Unvorstellbar, dass ich am Ende auch da im EigelStein sitze und mir die spülwasserfarbene Limo von denen auch noch schmekt; einfach unvorstellbar.

Wer will, zur Abschreckung bzw. Abhärtung, der kann von mir aus mal auf die Webseite EigelStein schauen; wenn es unbedingt sein muss.

So wird in Düsseldorf Alt Bier getrunken und nicht anders, wo kämen wir denn da hin?

Alt

Booah!

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