Köln – panta rhein

Kunst und Kultur am Rhein

Loreley

Alles kam im Fluss.

loreley

Die Loreley aus heutiger Sicht

Für die Deutschen ist der Rhein Identität. Nicht primär die Berge und Lederhosen, nicht Bayreuth, nicht Sylt, nicht nur Berlin, nicht die Montagsdemos in Leipzig.
Auch nicht allein Goethe, Schiller, Kant und Hegel – Marx und Engels leider schon gar nicht.
Aber auch die Musik: Beethoven, ja, der Deutsche liebt auch die Österreicher wie den Mozart, den Stauss, und Mahler, Bruckner und vor allem Wagner mit seinen Rheintöchtern und dem Siegfried – zumindest scheiden sich an Wagner die Geister – die Loreley und das Rheingau mit seinem Riesling und den Mythen; Deutschland ist am Fluss gebaut und Köln liegt am Rhein.
Der Rhein ist das Zentrum Deutschlands und daran ändert sich nichts, wenn man auch jahrzehntelang behauptet, Deutschland, das ist Preussen. Politisch ja, aber nicht geistig nicht und schon gar nicht seelisch.

Mag sein, dass Berlin die zur Zeit angesagteste Haupstadt in Europa ist, der kulturelle Hotspot für Mode, Design, U-Musik, IT-Startups und wer weiß nicht für welche Zeitgeist-Parties. Aber am Rhein spielt nach wie vor die Musik. Am Rhein schlägt das kulturelle Herz Deutschlands – sorry liebe Bayern. Und an Rhein und Ruhr schlug auch das ökonomische Herz Deutschlands. Was wäre denn Deutschland, ohne das Ruhrgebiet? Ohne das Ruhrgebiet, so brutal das auch klingt, hätte Hitler seinen „Kampf“ nie führen können; ohne Krupp, ohne Thyssen, ohne Stahl und ohne Kohle. Und die Alliierten aus dem Westen mussten über den Rhein nach Berlin.

Römisch-Germanisches Museum, KölnWallraf-Richartz Museum, KölnWas die Römner mitbrachten, findet man in der sehr schönen Sammlung des Römisch-Germanischen Museums, teilweise auch draußen auf der Domplatte vor dem Museum.

Das heutige Köln ist ohne den Einfluss der Römer gar nicht zu denken, immerhin teilt die über zweitausend-jährige Geschichte der Stadt ihren kulturellen Ursprung und ihre erste Entfaltung mit den Römern, mit denen bereits die Ubier regen Handel trieben.

Aber wer weiß, dass Köln zu den über zweihundert Städten gehörte, die der Hanse angehörten?

Und dass Köln zu einer der neun Städte gehörte, neben Lübeck, Hamburg, Bremen, Braunschweig, Danzig, Hildesheim, Osnabrück und Rostock, die beim letzten Hansetag 1669 in Lübeck dabei waren? Es war auch die Hanse, die Köln als wichtigen Handelsstandort im Heiligen Römischen Reich neben ihrer günstigen Lage am Rhein mit der Querung bedeutender West-Ost-Handelsstraßen und dem Sitz weltlicher sowie kirchlicher Macht werden ließ.

Die Wikinger sahen Köln zweimal, einmal im Sommer 882 n.Chr. unter Gottfried, der Köln, Bonn und Andernach beraubte und verwüstete, und ein zweitesmal im Herbst 883. Gottfried und seine Mannen ließen bei ihren Räubzügen allerdings weniger Kunst und Kulturgüter zurück, außer brennende Kirchen und Klöster nahmen sie gleich alles mit.

Wallraf-Richartz Museum, KölnWallraf-Richartz Museum, KölnBereits im Mittelalter wurde Köln neben seiner Bedeutung als kirchliches zu einem wichtigen künstlerischen und edukativen Zentrum in Europa.

Herausragend und unbedingt sehenswert ist das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. Es ist eine der großen klassischen Gemäldegalerien Deutschlands, gleichzeitig das älteste Museum der Stadt und zeigt die weltweit umfangreichste Sammlung mittelalterlicher Malerei, insbesondere der sog. Kölner Malerschule, sowie eine repräsentative Auswahl an Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Die Fondation Corboud zeigt die umfangreichste Sammlung impressionistischer und neoimpressionistischer Kunst in Deutschland und macht damit das Wallraf-Richartz zu einem der bedeutensten Museen, weit über Köln hinaus. Wenn Sie also Kunst aus dem 13. bis hin zum 20. Jh., Dürer, Rubens, Rembrand, Jordaens und Boucher sehen möchten, oder Renoir, Manet, Max Liebermann oder Vincent, dann sind Sie im Wallraf-Richartz richtig. Aber längst noch nicht durch. Denn in der angegliederten Fondation Corboud warten zahlreiche Werke des französischen und internationalen Impressionismus und Spätimpressionismus von Manet, Coubet, Signac u.v.a.m. auf Ihren Besuch.

Gerhard Richter hat sein Atelier und seinen Wohnsitz in Köln. Große und fantastische Ausstellungen richtete für ihn das Museum Ludwig aus, das immer wieder mit spektakulären Ausstellung der Kunst des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts wie 2015 von Siegmar Polke auf sich aufmerksam macht. Neben Richter gehören zu den eigenen Sammlungsbeständen Werke von John Baldessari, Andy Warhol, Cindy Sherman oder Sherrie Levine, die minimalistischen Skulpturen von Carl Andre sowie Werke von Pablo Picasso, Lucio Fontana und Joseph Beuys. Und hier hat das Museum auch sein klares Profil zwischen europäischer Moderne, amerikanischer Spätmoderne und Minimalismus. Und auch nicht schlecht ist das Cafe im Ludwig, im Sommer mit schönen Plätzen auf der Terrasse draußen mit Blick auf die Deutzer Brücke; genial.
Wer sich mit der großen Landschaft der Museen in Köln weiter beschäftigen möchte, findet hier einen sehr guten Überblick Webseite Museen Köln.

Cklaudius Holzmann, Fotografie

Theater in Köln.

TanzBis ins Mittelalter hinein reicht die Geschichte des Kölner Theaters. Im heutigen Köln zählen wir rund 70 professionelle freie und private Theater als Tourneetheater, oder solche mit eigenen Spielstätten, die bekanntesten sind sicherlich das Schauspielhaus und die Oper Köln.

Einen sehr guten Überblick über die reiche Theaterszene finden Sie auf der Webseite Theaterszene Köln.

Legendär das Senftöpfchen, das seit 1953 Kabarett und Chanson darbietet. Nicht weniger populär das Hänneschen, Stockpuppen-Theater mit Geschichten aus dem fiktiven Knollendorf in Kölscher Mundart. Das Millowitsch auf der Aachener Straße, ohne den Willy, ist aber nicht mehr das, was es einmal war: Kölns wohl eigenwilligste Schwankbühne.

Die Musikszene in Köln

Karlheinz Stockhausen

Alfred Schlee mit Pierre BoulezDas ist große Tradition in der Stadt am Rhein. Hier wurde im 19.Jhd. Max Bruch geboren. Von hier aus ging der Siegeszug der Operette durch Jacques Offenbach, einflussreicher deutsch-französischer Komponist und Cellist (u. a. „Orpheus in der Unterwelt“ 1858, „Blaubart“ 1866) um die Welt wie auch die moderne Musik hundert Jahre später in Köln einen ihrer Ausgangspunkte fand.

Schon in den frühen 1950er Jahren war Köln ein Zentrum moderner elektronischer Musik. Das Studio für elektronische Musik war als erstes seiner Art weltweit von internationalem Rang und Bühne für z. Bsp. Karlheinz Stockhausen, der das Studio dann auch seit 1963 leitete und unter dessen genius loci solch bahnbrechnende Musiker und Komponisten wie beispielsweise Pierre Boulez, Mauricio Kagel, Pierre Henry und Pierre Schaeffer arbeiteten.

Mehr Informationen hierzu finden Sie auf der Webseite Encyclospace.

Mit ca. 1800 Studenten und 440 Lehrkräften ist die Hochschule für Musik und Tanz Köln die größte Musikhochschule Europas.
Dies zeigt allein schon, wie wichtig Musik in dieser Stadt genommen wird. Umfangreiche, städtische Förderprogramme gibt es für alte, moderne, zeitgenössische, experimentelle Musik und Klangkunst, die belegen: Köln will eine der europäischen Haupstädte für Musik sein bzw. werden.

Dies wird noch unterstrichen durch die zahlreichen Förderprogramme der Stadt sowie z. Bsp. der Kölner Musiknacht, die jedes Jahr im September mit mehr als 100 Konzerten an 25 über den Innenstadtbereich verteilten Orten stattfindet.

ON – Neue Musik Köln ist das Netzwerk für zeitgenössische Musik in Köln. Mittlerweile ein Zusammenschluss von über 30 Institutionen, Akteurinnen und Akteuren zwischen den Polen zeitgenössisch komponierter Musik, elektronisch-experimentellen Klängen, Klangkunst und Spielarten der improvisierten Musik.
Weitere Informationen zu ON finden Sie auf der Webseite ON.

reiheM – Konzertreihe für Gegenwartsmusik, Elektronik und neue Medien. Mehr dazu auf der „target=“_blank“>Webseite reiheM.

Weitere Informationen zur Hochschule für Musik und Tanz Köln finden Sie auf deren Webseite.
Weitere Informationen zum Angebot an freier Musik finden Sie auf der Webseite Musik in Köln.

 Ansichten eines Clowns für eine neue Generation – Literatur in Köln

Heinrich BöllAuf der Literaturliste der Stadt steht höchst wahrscheinlich ganz oben der Böll. Heinrich Böll ist ein richtiger Kölscher Jung gewesen, geboren in der Südstadt, Ecke Alteburger Straße/Teutoburger Straße, als die Südstadt aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs erwachte und noch nicht Wunschlocation für Trend-Bars und Boutiquen, der Pädagogen, Anwälte und sonstigen Mittelschicht der Stadt war.

Böll war Nobelpreisträger und Böll war wichtig für die Stadt und für’s Land.
„Geliebt, ja, im Ausland verehrt, gab er vielen Lesern und Zuhörern Orientierung und einen Begriff von Freiheit, der sich nicht auf die Marktwirtschaft beschränkte.“ (Günter Grass)

Die Ansichten eines Clowns und seine vielleicht berühmteste Erzählung: Die verlorene Ehre der Katharina Blum standen, gelesen, in fast jedem Bücherregal der 68ger Generation. Wanderer, kommst du nach Spa…, der Bölls Ruhm als Kurzgeschichtenautor begründete sowie später der Sammelband: Die Verwundung, gehören zum Fundus deutscher Nachkriegsliteratur bzw. als Kriegs-, Trümmer- und Heimkehrerliteratur und waren für viele, vor allem junge Deutsche, die einzige Auseinandersetzung – neben Borchard, Lenz etc. – mit dem Krieg, dem Nazitum und der Geschichte ihrer Väter und Mütter.

Weitere bekannte Literaten sind auch Günter Wallraff, Ralf Giordano, Frank Schätzing und der nicht immer wenig unmstrittene  Heinz G. Konsalik.

Heute zeigt Köln eine recht vielfältige Literaturlandschaft, deren modernste Aushängeschild vielleicht die lit-cologne ist, ein internationales Literaturfest, welches seit 2001 alljährlich in der Domstadt stattfindet und zu der mittlerweile tausende von Besuchern in die Stadt kommen. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite li-cologne.

Das Literaturhaus, gegründet 1996 auf Initiative von Kölner Bürgern, zählt heute mehr als 900 Mitglieder. Mehr als 100 Veranstaltungen im Jahr bieten Literatur einen Einblick in wichtige Trends und auch Themen, die die Gegenwartsliteratur prägen. Als eines der neuesten Projekte entstand der Literaturkalender für Köln als Initiative des Literaturhauses. Unter literaturkalender-koeln.de. können alle Autoren, Veranstalter, Verlage etc. aus Köln ihre Pubilkationen, Veranstaltungen eintragen lassen und so über ihr Schaffen informieren.
Weitere Informationen zum Literturhaus Köln finden Sie auf der Webseite li-cologne.
Lesung, Veranstaltungen, verschiedene Stammtische wie auch Bookcrossing, also Büchertausch, bietet das Literaturcafe Goldmund Köln.

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