Köln – Was ist bloß aus den Ubiern geworden?

Ein Aspekt von Geschichte.

CCAA, Archäologisches Museum, Köln

Von den rheinischen Germanen zu den rheinischen Partysippen.

Köln, Nordrhein-Westfalen, DeutschlandIm Jahr 50 n.Chr. ließ die römische Kaiserin Agrippina, Gattin von Claudius, das Oppidum Ubiorum zur Stadt erheben. Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) trat ein in die Geschichte Europas. Die Ubier waren ein westgermanisches Volk, einer der ersten germanischen Stämme, die sich auf regen Handel mit den Römern einließen und von Caesar als bereits zivilisiert beschrieben wurden. Sie stellten dem Kaiser meist Reiter zur Unterdrückung anderer Germanenstämme zur Verfügung, was ihnen Misstrauen, Neid und Hass von Nachbarn einbrachte.

Franken kamen und mischten sich in die lateinische Vergangenheit der Stadt. Wikinger plünderten ein paar mal. Im Mittelalter errang Köln unter der Führung bedeutender und auch politisch versierter Erzbischöfe einen unangefochtenen Rang als geistliches Zentrum, wurde im Hochmittelalter größte Stadt im deutschsprachigen Raum und mehrfach ausgebaut zum hillige Coellen.

Stadtmauer, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hahnentor, Köln, Nordrhein-Westfalen, DeutschlandIhre Stadtmauer war 1180 n. Chr. länger und gewaltiger als die in Paris. Die Anlage mit zwölf Toren, davon sieben gewaltige Doppelturmtorburgen, von denen das Eigelsteintor und Hahnentor bis heute erhalten sind, drei riesige Turmtorburgen, wovon man noch eine, das Severinstor besuchen kann, und zwei kleinere Doppelturmpforten wurden in die halbkreisförmige Stadtmauer integriert und sollten an das himmlische Jerusalem erinnern.

Köln erhob sich also zuerst als römischer Vasall, dann als christlichen Zentrum über die einst heidnischen Opferstätten der germanischen Ubier. Nur Köln führte ab dem 12. Jhd. neben Rom, Konstantinopel und Jerusalem die Bezeichnung Sancta im Stadtnamen. Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia – Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter; an dieser schweren Vorgabe arbeitet sich die Stadt bis heute ab.

Hl. Drei Köge Schrein, KölnNoch heute heißt Köln im Volksmund „et hillije Kölle“ und verweist stolz und geschäftstüchtig auf den Domschatz, zu dem die Reliquien der Heiligen Drei Könige zählen, die man mit Hilfe vom grausamen Barbarossa aus dem Mailänder Dom gestohlen hat. Will man Köln verstehen, muss man sich also dem Widerspruch aussetzen. Dem Widerspruch zwischen heidnisch und christlich, der aber in Köln eine jahrtausende alte Tradition einer gelebten Synthese in Anspruch nehmen darf.

So ist Köln die Hochburg des heidnisch rheinischen Karnevals ebenso wie die Stadt der tausend Kirchen. Wollte man nur die wichtigsten und ältesten Kirchen der Stadt besichtigen, bräuchte man wohl mehr als zwei Wochen; so lange dauert noch nicht einmal der Karneval – das meint nicht die Karnevalssession oder die „fünfte Jahreszeit“. Die wird offiziell am „Elften im Elften“, dem 11. November, um „Elf Uhr Elf“ auf dem Kölner Alter Markt gebührend mit Zehntausenden von „Bekloppten“ aus aller Welt eröffnet und endet im kollektiven Vollrausch am Aschermittwoch ein paar Monate später. Ja, drunter tut es der Kölner nicht.

Tanzmariechen, KölnDas Karnevalsgeschehen ist heute und war es auch schon hunderte Jahre vorher von Exzessen durchsetzt und offenbar schwer zu steuern. Bereits am 5. März 1341 beschloss der Stadtrat, aus der Stadtkasse kein Geld mehr „zu vastavende“ zu geben. Wiederholt verbot der Rat den „Mummenschanz“, so 1487 das „Vermomben, Verstuppen und Vermachen“ und im 17. Jahrhundert mehrfach „die Mummerey und Heidnische Tobung“.
1441 wurde ein Wirt bestraft, weil er die Persiflage einer kirchlichen Reliquienprozession aufführte; im 17. Jahrhundert wandte sich der Rat gegen „öffentlichen Unfug“ in geistlicher, Mönchs- oder Nonnenverkleidung (Wikipedia). Na und, was hat es gebracht?

Die heidnische Tobung wird immer schlimmer und der Kardinal bzw. Erzbischof nimmt demütig dann die Beichten der Sünderinnen und Sünder ab. Was soll er auch machen? Man stelle sich vor, die Jecken und Bekloppten würden allesamt – und da kommen locker mehr als eine Million zusammen – im Zustand der vollrauschenden Exzesse in die Hölle geschickt. Das hält kein Teufel aus.

 

Savoir vivre am Rhein

Party in Köln

Foto: Andy Weisner

1812 wurde der Stadt von den Franzosen der Titel einer Bonne ville de l’Empire français verliehen. Und nirgendwo in Deutschland gibt es heute so viele ausgezeichnete französische Restaurants und Bistros wie in Köln. Und überhaupt findet man hier noch viel vom einstigen Pariser Flair in den vielen Stadtteilen, den unzähligen, kleinen Bars und Restaurants, Geschäften und Buden.

Zweifellos ist Köln heutzutage ein sehr lebendiges, pulsierendes Pflaster für jede Form von Kreativität, Szenen, Kleinkunst und Kleinunternehmertum. Von teils winzigen, aber irre guten Modedesignern und – boutiquen, IT-Startups, experimenteller Musik, modernem Theater, Tanz und Gesang, einer unglaublich vielfältigen Party-Szene für jeden Geschmack und jedes Alter finden Sie hier, natürlich neben den zahlosen, etablierten Locations, alles, Sie sich nur erdenken können.

Schon an normalen Wochentagen ist halb Köln am Abend unterwegs, an Wochenenden und zur Sommerzeit kommen noch Touristen und „Immis“ dazu. Hauptanlaufpunkte für ein ausgedehntes Nachtleben sind dabei die Altstadt, das Studentenviertel, oder wie man in Köln sagt: Kwartier Latäng um die Zülpicher Straße, das Friesenviertel in der Nähe des Friesenplatzes, das Belgische Viertel und die Ringe zwischen Kaiser-Wilhelm-Ring und Rudolfplatz, sowie die Südstadt zwischen Chlodwigplatz und Alteburger Straße. Dort finden Sie an Sommerabenden kaum einen Stehplatz, geschweige denn spontan einen Platz in einer Bar, Restaurant, Kneipe oder Disko.

3000 Grad

Foto: Andy Weisner

3000 Grad

Foto: Andy Weisner

Hier nur eine kleine Auswahl an Clubs in Köln. Aber Vorsicht, könnte voll werden.
Ambulance – Trankgasse 50 – Webseite Ambulance.

Bootshaus – Auenweg 173 – Boys Noize, Moby oder Moguai haben hier aufgelegt, die legendären Loonyland Partys sind ein absolutes Muss für jeden Partygänger – Webseite Bootshaus.

Cent Club – Hohenstaufenring 25-27. Tolle Clubathmo und wie der Name schon sagt, recht preiswert. Cocktails den ganzen Abend ab 3 Euro und das ist nicht das einzige Schnäppchen – Webseite Cent Club.

Crystal Cologne – Hohenzollernring 79 – Stilvolles Design mit vielen Extras und spektakulären Visuals. Für trendbewusste Nachtschwärmer – Webseite Crystal Cologne.

Diamonds Club – Hohenzollernring 90 – Perfekte Partylocation, die auch für Incentives, Präsentationen, Filmaufnahmen, Fotoshootings, private Feiern, Tagungen oder Ausstellungen gemietet werden kann – Webseite Diamonds Club.

Gallery – Mittelstraße 12-14 – jeden Samstag finden diverse House/Electro Events statt. Freitags mit RNB, Studentenpartys o.a. – Webseite Gallery.

Nachtflug – Hohenzollernring 87 – Szenetreffpunkt und Treffpunkt der Stars vom 1. FC Köln, Rhine Energy und KEC – Webseite Nachtflug.

Privilege Cologne – Weyerstr. 79-83 – Tropfsteinhöhlen-Look, exklusive Ausstattung in Gold- und Krokodilleder-Optik sowie Barock-Tapeten und – Einrichtung – Webseite Privilege Cologne.

Triple A – An d´r Hahnepooz 8 – Avantgardistisch, atemberaubend, anders, jenseits zeitgeistlichen Mainstreams. Stern der Kölner Clubszene (Quelle:GQ) – Webseite Triple A.

Vanity Club Cologne – Hohenzollernring 16-18 – Internationale Acts wie Timbaland, DJ Antoine oder Mike Candys gastierten nicht ohne Grund regelmäßig im schönsten Club der Stadt, so sagt man – Webseite Vanity Club Cologne.

Strandpiraten

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