Kreta: Iraklio

Herkulesstadt.

Haupstadt mit schöner Altstadt.

Iraklio ist die Hauptstadt der Insel, wiewohl Chania dies zu Zeiten der Venezier war und auch nach wie vor Rethymnon einige hauptstädtische Funktionen bzw. Administrationen beherbergt. Kreta ist also auch in diesem Punkt im wesentlichen uneinheitlich. Dies mag daran liegen, schweift man einmal ohne Hemmungen aus, dass unser Denken für minoische Zeitdimensionen recht spät, dafür aber nachhaltig von der Suche nach der Wahrheit als einer einzigen, ungeteilten Wahrheit bestimmt wurde. Vielleicht hat sich ja auf Kreta das Wissen bzw. die Erfahrung erhalten, dass es eine einzige Wahrheit wohl nicht gibt, wir mit einer ganzen Reihe nebeneinander bestehenden  „Warheiten“ leben müssen.

Iraklio, KretaIraklio entwickelt sich zunehmend zu einer recht sympathischen Mischung aus Hinterlassenschaften aller historischen Schichtungen, von der Antike bis zu den venezianischen Einflüssen, südlich-mediterranem Lebensgefühl und Moderne. Knossos liegt in unmittelbarer Nähe. Der bislang einzige, nennenswerte Golfplatz der Insel in angenehmer Reichweite. Regelmäßiger Fährbetrieb nach Santorini und zu vielen anderen Inseln der Ägäis. Eine beeindruckende Berglandschaft mit menschenleeren Hochebenen und eine Vielzahl von hochgradig interessanten, archäologischen Ausgrabungsstätten in erreichbarer Nachbarschaft. Ein recht schöner Strand in Amnisos in unmittelbarer Nähe zur Einflugschneise des in Sichtweite liegenden Flughafens, wobei der Fluglärm kaum das nachmittägliche Nickerchen stört.

Iraklio, KretaÜbernachten sollte man für einen empfehlenswerten Dreitage-Aufenthalt unbedingt im historischen Teil der Stadt. Dabei ist unbedingt auf vorhande Parkmöglichkeiten zu achten. Autofahren in der Altstadt ist nur nervenstarken Fahrern mit dem Talent zu feinsten Distanzschätzungen zu empfehlen. Im Kern hier ist sowieso nur fußläufig ans Ziel zu kommen. Restaurants und Bars sind reichlich vorhanden, Märkte aller Coleur ebenso. Versuchen Sie auch in Heraklion die etwas abseitig gelegen, kleinen Restaurants anstelle der hochfrequentierten Heerdenspeisungen; es lohnt sich.

Etwas überraschend für deutsche Besucher ist die ausgenommen große Freundlichkeit, mit der man uns begegnet. Auch nach den erheblichen Grausamkeiten im zweiten Weltkrieg und auch nach den jüngsten in der aktuellen Finanzkrise. Aber diese Gastfreundschaft beschränkt sich nicht nur auf die Haupstadt, im Gegenteil. Sie nimmt im Westen und Süden der Insel eher noch zu. Sogar in Souda und Umgebung waren keine Ressentiments unmittelbar zu spüren.

Wie funktioniert Kontinuität in der Geschichte?

Der Name der Stadt geht zurück auf  Herakleia, Herkulesstadt. So nannten sie die Dorer in Anspielung auf den Mythos, nach dem Herakles hier anlandete, um den kretischen Stier zu besiegen, und war in minoischer Zeit ein Hafen von Knossos. Ihr Schicksal ist verbunden mit einer Vielzahl an Grausamkeiten. Der Stier wurde bekanntlich getötet, 824 n. Chr. eroberten Araber die Insel, 960 n. Chr. vertrieben die Byzantiner die Araber wieder und ließen Wohlstand und Kultur aufblühen.

Lombarden, Venezianer, ein römisch-katholischer Erzbischof hielten Hof. Die Haupstadt der Insel wechselte zu Chania, die kretische Malschule mit El Greco als ihrem vielleicht bekanntestem Vertreter entstand, bis 1648 n. Chr. die Osamen das Zepter übernahmen. 1941 wurde die Stadt von den Deutschen zerstört und erst seit 1972 ist Iraklio mit ihren nunmehr 200.000 Einwohnern Regierungs- und Verwaltungszentrum der Insel.

Iraklio, KretaSehenswert sind eine ganze Reihe von Bauwerken, angefangen von der venezianischen Loggia, dem Morosini-Brunnen, beide in unmittelbarer Nachbarschaft in der Mitte der Altstadt. Beeindruckend die venezianische Hafenfestung Koules mit ihren gut erhaltenen Lagerhallen und über fünf Kilometer langen Festungsmauern, die immerhin einer Belagerung von über zwanzig Jahren durch die Türken standgehalten hat, bevor Iraklio fiel. Das Archäologische Museum (AM), das Historische und das Byzantinische Museum (BM) sollten unbedingt besucht werden, wenngleich zur Zeit nur drei Räume des AM freigegeben sind. Wer meint, hier könnten die Werke El Grecos bewundert werden wird enttäuscht. Im HM hängt lediglich eins seiner Bilder, das einzige auf Kreta. Beeindruckend ebenfalls die Ikonensammlung und die Fresken des BM in der Kirche Agia Ekaterini. Weniger geschichts- und kulturinteressierte Besucher finden alltäglich auf Plätzen und Straßen ein heiteres, mediterranes Leben mit einer ausgelassenen Szene für junge bzw. jugendliche und in einigen Nebenstraßen mit stillen Ruhezonen für besinnliche Menschen.

Sollten Sie sich für einen ersten, nicht immer exakt wissenschaftlichen Einblick in die Welt der Minoer interessieren, dann folgen Sie diesem Link in die Welt der Minoer. Bilder und Texte zu Knossos und zum Mythos vom Minotaurus finden Sie eben dort. 

Hier sehen Sie Bilder von derzeit ausgestellten Exponaten aus dem Archäologischen Museum von Iraklio. Große Teile der Sammlung sind der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich. Die meisten Fresken stammen aus dem Palast von Knossos.



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