Von Heraklion über Gournia nach Elounda

Einst das St. Tropez von Kreta

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Von Heraklion aus geht ein Weg Richtung Osten auf der Nationalstraße 90 über Malia, Neapoli nach Agios Nikolaos und von dort Richtung Norden nach Elounda. Aber wenn Sie schon mal hier sind und Zeit haben, fahren Sie die Straße ruhig noch ein Stück weiter Richtung Pachia Amos und besuchen Gournia, eine kleine antike Hafenstadt aus minoischer Zeit.

Kreta - Doppelaxt - LabrysKreta - Doppelaxt - LabrysDer Hügel von Gournia wurde in der Frühminoischen Zeit (FM II A, um 2700 v. Chr.) erstmals besiedelt und blieb bis zur Spätminoischen Zeit (SM I B, um 1450 v. Chr.) kontinuierlich bewohnt. Die heute noch sichtbaren Grundmauern stammen vom Ende der Mittelminoischen bis zur Spätminoischen Zeit (MM III-SM I B, 1700–1450 v. Chr.).

Hier findet man die steinernen Überreste eines als Palast bezeichneten Herrenhauses, drei gepflasterte Straßen, die einzelne Wohn- und Werkstatt-Viertel und einen sog. Fürstenhof abgrenzen. Acht Viertel sind bereits ausgegraben, einige liegen noch unter der kretischen Erde.

Bei einer Wegkreuzung gelangt man zu einem aufrecht stehenden Stein, den man für einen Bätyle, also einen heiligen Stein hält. In dessen Nähe befindet sich noch ein Steinblock mit einem Doppelaxtsymbol.

Folgt man der Pflasterstraße nach Norden so gelangt man zu einem kleinen Platz, der am Westeingang des Palastes lag. Am nördlichen Ende des Palastes führt rechts ein Weg zu einem kleinen Heiligtum von etwa drei mal drei Metern.
Hier fand man verschiedene tönerne Kultstatuetten und weitere Opfergaben, die man neben vielen anderen, frühminoischen Steingefäßen aus den Gräbern von Gournia im Archäologischen Museum in Agios Nikolaos besichtigen kann.

Die Doppelaxt, Labrys, bisweilen auch Amazonenaxt genannt, datiert etwa 2000 v.Chr., also aus der frühen Bronzezeit und fand als Kultgegenstand oder Statussymbol Verwendung.
Der Name Labrys wird allein bei dem berühmten griechishen Geschichtsschreiber Plutarch überliefert und von ihm aus dem Lydischen hergeleitet:
„Die Lyder nennen die Doppelaxt (Pelekys, griech.) Labrys.“(Plutarch, moralia 302a)

Es ist anzunehmen, dass ihre Geschichte weiter zurück reicht und auch andere Verwendungen mit ihr verbunden waren, aber wie so vieles aus der Vorpalastzeit der minoischen Kultur bleibt auch dies im nebulösen Dunkel der Geschichte unklar, zumal die schriftlichen Aufzeichnungen aus dieser Zeit nur in der Linear A Schrift vorliegen, die bis dato nicht übersetzbar ist.

Durch die Wortverwandtheit mit dem minoischen Labyrinth wird vermutet, dass die Labrys zum Kulturbereich des minoischen Kreta gehört. Davon zeugen auch die vielzähligen Exponate von Labrys und deren Form in der Verwendung als goldgeschmiedete Schmuckstücke für die minoische Damenwelt.

Bei archäologischen Ausgrabungen im Palast von Knossos wurde das Symbol der Labrys häufig entdeckt. Nach den Funden war die Doppelaxt eine zeremonielle Waffe der Priesterinnen, ein Symbol der Fruchtbarkeit und eines der heiligsten Symbole der Minoer. Die minoische Bedeutung der Doppelaxt unterscheidet sich von anderen Kulturen, etwa Vorderasiens, in denen Waffen üblicherweise männliche Gottheiten repräsentieren, dagegen auf Kreta ausschließlich in der Hand von Frauen, seien es Priesterinnen oder Göttinnen, abgebildet werden.

Münze mit Doppeölaxt, Zeus und Hera

Griechische Silbermünze mit Zeus/Hera und einer Labrys (100–70 v. Chr., mysische Insel Tenedos, heute Bozcaada)

Als Waffe wurde beispielsweise die persische Doppelaxt verwendet. Sie war auch bekannt bei den balkanischen Thrakern und den vorderasiatischen Karern und in der griechischen Mythologie homerischer Zeit kämpften vor allem nichtgriechische Gegner mit der Labrys. In späteren Mythen trugen die Amazonen eine „Amazonenaxt“ als Waffe.

Ab der sog. geometrischen Zeit (siehe Sidebar rechts) fungiert die Labrys bzw. Doppelaxt als religiöses Symbol der Heiligkeit bei Theseus, Herakles und Hephaistos.

In der Religion des afrikanischen Yoruba-Volkes sowie in der brasilianischen Candomblé-Religion trägt der Gott Shango eine Doppelaxt.

In der Neuzeit wurde sie als Symbol vom französischen Vichy-Regime und vom griechischem Faschismus benutzt. Heute ist die Labrys ein Sinnbild von Lesben, Feministen und Neuheiden, meist als Verkörperung der Weiblichkeit verstanden und in ihrer fortschreitenden  Profanisierung findet im Zusammenhang mit weiblichen Lebensformen und Sexualität die Doppelaxt neuerdings als Tätowierung oder als Schmuckstück ihre Verwendungen. Sie soll die Streitbarkeit der Amazonen und die Frauenbefreiung symbolisieren, natürlich keinen Verweis auf die faschistischen Konnotationen mehr enthalten. Im feministischen Zusammenhang steht die Doppelaxt für die krude Vorstellung einer matriarchalen Gesellschaft oder für den Glauben an eine Muttergöttin.

Kreta-Elounda

Kreta-EloundaWenn Sie nun wieder zurück nach Agios Nikolaos fahren, lohnt sich ein kurzer Stopp dort im Hafen, bevor es weiter geht nach Elounda. Elounda, die ehemals bedeutende Hafenstadt zählt heute knapp 2.000 Einwohner und besteht aus sieben Siedlungen, von denen Schisma mit 1.730 Einwohnern die größte ist und mit der Ortschaft meist identifiziert wird.

Bis 1997 war Elounda eine eigenständige Landgemeinde (kinotita) mit dem Sitz Schisma. Heutzutage ist Elounda ein Feriendomizil mit vielen noblen Unterkünften in der Umgebung, von denen einige aber auch schon den Glanz vergangener Tage verloren haben.

Ganz und gar unglänzend ist die Innenstadt heute, die sich zu einer lauten Touristenhochburg ausgewachsen hat mit allem, was an unangenehmen Nebeneffekten eines Massentourismus mitgegeben ist.

Spinalonga - Kalidon - Kreta

Kreta-EloundaGleichwohl die Landschaft auf dem Weg nach und um Elounda herum sehr schön ist, ist diese einstige Vorzeigeecke der Insel keine Empfehlung mehr. Von Elounda aus gelangt man per Boot zu der ehemaligen Leprainsel Spinalonga.
Obwohl die Insel 1954 wieder ihren antiken Namen Kalydon erhielt, ist die ehemalige Bezeichnung aus der venezianischen Zeit bis heute gebräuchlicher.

Auf dem Rückweg von Elounda empfiehlt sich ein Stopp am Havanna Beach, gleich hinter dem gleichnamigen Hotel. Also, wie auf der ganzen Insel; immer Badehose und Bikini ins Auto legen und ein entspanntes Bad nehmen an einem kleinen, aber sehr schönen Strand vor türkisfarbenem Wasser. Eine kleine Bar finden Sie auch dort.

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