Roms Plätze – Teil 3

Petersplatz – Engelsburg

Katholiken, Irrgläubige und Ungläubige: seid umarmt.

Petersplatz, Rom Dort wo der Circus des Kaisers Caligula das römische Volk unterhielt und die Dekadenz des Reiches spiegelte, etwa um das Jahr 64 n. Chr., soll der Apostel Petrus den Martyrertod gefunden haben. Warum sich, mit enorm viel Mühe errichtet, seit 1586 der vatikanische Obelisk, der einst Neros Circus schmückte, die Mitte des Petersplatzes einnimmt, ist eine der vielen Ungereimtheiten, die mit dem Patz und seinen Bauten konnotieren. Zwei Plätze machen den Petersplatz aus. Trapezförmig und von Michelangelo der eine, der kleinere vor der Maderno, der Fassade des Doms; elipsenförmig und mit den Kolonnaden gesäumt von Bernini der andere. Die Kolonnaden bilden symbolisch die ausgebreiteten Arme der Mutter aller Kirchen, um Gäubige sowohl als Irr- und Ungläubige in sich aufzunehmen. Der Katholizismus (wie auch der Islam) hat diesen Universalanspruch, was ein Miteinander mit anderen Religionen nicht unbedingt erleichtert; Buddhismus und Shintoismus unterscheiden sich an diesem Punkt erheblich vom katholischen Dogma.

Vatikanischer Obelisk, Petersplatz, RomNicht nur der Obelisk ist eine Amputation des antiken Stadtkörpers. Der Bau des Platzes und des Doms wurden in nicht unerheblichen Ausmaß mit Steinen aus dem Forum Romanum vollendet; keine Glanzleistung an Integration. Die Wege der Baugeschichte von Platz und Dom sind lang. Von der Zeit der Konstantinischen Basilika (Alt St. Peter) reicht die Geschichte bis heute, wo man die 367 Säulen und 140 Statuen gerade renoviert. Die meiste Zeit bis Berninis Neugestaltung Mitte des 17. Jhds. war der Platz eine riesige Baustelle und ein unansehliches Sammelsurium von unterschiedlichsten Stilen vergangener Epochen, architektonischen und liturgischen Auffassungen.


In aller Bescheidenheit. Papst-Audienz – hier an Dreikönige – auf dem Petersplatz.

Jeden Mittwoch hält der Papst vormittags eine Generalaudienz auf dem Petersplatz. In den Wintermonaten und bei schlechtem Wetter findet sie in der Vatikanischen Audienzhalle statt. Auf dem Petersplatz befinden sich insgesamt vier große Videoleinwände, auf denen die Menschen bei Generalaudienzen und anderen Veranstaltungen die Ereignisse mitverfolgen können (Wikipedia).

Ein ganz besonderes Datum dabei ist der 6. Januar, das Fest der Heiligen Drei Könige. Wer die Gelegenheit hat, an diesem Tag in Rom zu weilen, sollte sich dieses „Event“ nicht entgehen lassen. Dann nämlich feiert Rom das Fest: La Befana auf vielen Plätzen, in vielen Kirchen. Besonders auf der Piazza Navona und in der Kirche Santa Maria in Trastevere. Will man aber einmal die Bruchstelle zwischen der aus der heidnischen Geschichte der Befana in unsere Zeit reichenden Interpretation des Brauches und der katholischen Lesart erleben, dann lohnt es sich ungemein, dieses Fest an der Engelsburg zu beginnen und dann den knappen Kilometer bis zum Petersplatz zu spazieren. Der Kontrast könnte nicht größer sein.

Der Name La Befana stammt vom Fest Epiphanias, dem Fest der Erscheinung des Herren (Die Heiligen drei Könige: Balthasar, Melchior und Kaspar). Gefeiert wird das Fest in seiner ursprünglichen Art in Italien traditionell mit großen Straßenumzügen, die aber nicht mehr in allen Gegenden verbreitet sind. Die Menschen verkleiden sich in Lumpen, die Befana wird traditionell von einer kleinen Gruppen Musikanten begleitet. Sie ziehen durch die Straßen und rufen die Kinder aus den Häusern, die ein Liedchen vortragen, wozu die Befana tanzt. Wie unschwer in den Bildern oben zu erkennen ist, hat sich in Rom an der Tradition ein klein wenig verändert, wobei, wenn man die Entwicklung von den Bescheidenheit symbolisierenden Lumpen zu den exklusivsten Motorkutschen an der Engelsburg und den auf modernste, riesige Digital-Monitore übertragenen Prunksitzungen des Heiligen Vaters mit einander vergleicht, wird man unschwer den erkennen, wer den Prozeß der Transformation von der demütigen Bescheidenheit in moderne Event-Unterhaltung zur Zeit als „leader of the pack“ anführt.

Bitte lesen Sie weiter auf Seite 2: Und nicht wie gewohnt mehr scherzen wirst…Die Engelsburg.

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