Monreale

Blick vom Monte Caputo auf Palermo.

Und vom Dach der berühmten Kathedrale.

Dom von Monreale, Sizilien

Monreale, SizilienMonreale liegt etwa 7km westlich von Palermo am Hang des Monte Caputo. In regelmäßigen Abständen fahren mehrmals täglich Busse vom Bahnhof Palermo hierhin; in der Haupttouristenzeit kann es also schon einmal recht voll werden.

Der Ort begrüßt einen mit einer geschäftigen Einkaufsstraße mit kleinen Läden und Cafes, in Gassen versteckten Restaurants und Trattorias.

Von all‘ den Gebäuden, die der sizilianische König Wilhelm II. nach 1172 hier errichten ließ, ist bis heute lediglich der Dom mit seinem berühmten Kreuzgang erhalten geblieben.

Der Dom bzw. die Kathedrale von Monreale, ist ein Normannenbau aus dem 12. Jahrhundert, berühmt für seine Stilmischung, die eine Symbiose ist aus arabischer, romanischer und byzantinischer Baukunst. Aus der romanischen Epoche stammt der Baukörper der Kathedrale, aus der arabischen Zeit sieht man noch die Blendbögen, die Intarsien an den Außenmauern und besonders den Apsiden und aus der byzantinischen Epoche sind herrliche Goldgrund-Mosaiken an den Innenwänden bis heute erhalten.

Dom von Monreale, SizilienDiese Art Stilmischung oder Stilsymbiose kennen wir schon aus Palermo, seinen Palästen und Kirchen und war zu damaliger Zeit in ganz Sizilien sehr verbreitet, was uns heute dieses einzigartigen Gelegenheiten der Einblicke in einen kunstgeschichtlich gleichsam archeologischen Stil- und Epochenmix erlaubt.

Wie Gesteinsschichten erdgeschichtlicher Ablagerungen liegen römische, arabische und byzantinische Kunst vor unseren Augen.

Mit über 6.300 m² Mosaikfläche aus dem 12. Jahrhundert ist die Kathedrale von Monreale eine der bekanntesten Kathedralen auf ganz Sizilien, über 100 Meter lang, 40 breit und 35 hoch.

Der linke Wehrturm ist unvollendet, den rechten hat ein Blitz im 16. Jhd. beschädigt. Zwei große Bronzetüren sind noch voll erhalten, an der Westseite die von Bonannus von Pisa, datiert auf 1186, zeigt 42 Darstellungen von Bibel-Szenen. Etwas älter ist die an der Nordseite von Barisanus von Trani aus dem Jahr 1179.

Besonders gut erhalten ist die ursprüngliche, sehr kunstvolle Gestaltung der Apsiden, an denen man spitzbögige Blendbögen erkennt, die mit intarsienähnlichen Einlegearbeiten aus verschiedenfarbigem Stein versehen sind.

 

Dom von Monreale, SizilienIm Inneren der Kathedrale fallen gleich die Säulen mit den korinthischen Kapitellen auf, die die Kirche in drei Schiffe unterteilt, bevor der Blick auf das alles beherrschende goldene Mosaik in der Hauptapsis mit der Darstellung Christus als Pantokrator, Weltenherrscher, fällt. Hier in der Kathedrale beherrscht dieses byzantinische Grundmotiv den gesamten Innenraum während in der Capella Palatina in Palermo gleichsam eine „intimere“ Variante auf den Gläubigen und die Besucher einwirkt.

Die Goldgrund-Mosaiken des Mittelschiffs der Kathedrale und deren Westwand zeigen Szenen aus dem Buch Genesis. In der oberen Reihe die Schöpfungsgeschichte von dem Sechstagewerk bis zur Vertreibung aus dem Paradies, in der unteren Reihe Szenen aus dem Leben der Stammväter Noach, Abraham, Isaak und Jakob.

Die Mosaiken des Chorraums und der Querschiffe (Zyklus des Lebens) stellen Szenen aus dem Leben Jesu dar von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt und der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten. An den Wänden der Seitenschiffe sind die Wunder Jesu dargestellt (Wikipedia).

Wer die Kathedrale von Monreale besucht, sollte unbedingt Zeit für einen Besuch des Kreuzgangs einplanen. Wer gut zu Fuß ist und wenig an Platzangst leidet, kann den schmalen Gang hinauf zum Dach des Doms benutzen, von wo aus man den Kreuzgang in seiner Gesamtheit sehen kann und mit lohnswerten Aussichten auf die umgebenden Berge sowie hinunter auf Palermo bis zum Mittelmeer hin belohnt wird.

Der Kreuzgang gehörte einst zum Benediktinerkloster, das ein Teil der von Willhelm II. angelegten Gebäudekomplexes war.
Er hat mißt 47 m x 47 m und an jeder der vier Seiten befinden sich 26 spitzbogige Arkaden, also insgesamt 104 Arkaden, die wiederum von Doppelsäulen getragen werden.

Kreuzgang, Dom von Monreale, SizilienAllein bei der genaueren Hinsicht auf die Doppelsäulen kann man Stunden verbringen, denn sie sind sehr unterschiedlich gestaltet, was man von oben vom Dach aus nicht erkennt.

Die einen sind glatt, andere haben schrauben- oder zickzackförmige Kanneluren (das sind Rillen bzw. senkrechte, konkav eingeschnittene Vertiefungen am Schaft einer Säule), wieder andere sind mit Einlegearbeiten aus Mosaik geschmückt.

Auch die Kapitelle sind alle unterschiedlich gestaltet und zeigen Szenen aus der Bibel sowie symbolische christliche und islamische Darstellungen.

In der nördlichen Ecke des Kreuzgangs befindet sich ein quadratischer Brunnenhof aus 3 x 3 Arkaden, in dessen Mitte auf einer Säule eine kreisförmige Brunnenschale ruht. Aus dieser Schale steigt eine weitere Säule auf, die mit zickzackförmigen Kanneluren versehen ist und in einer Kugelform endet, aus der Wasser an der Säule herunterrieselt.

Monreale, SizilienWenn Sie nicht gerade zur „Siestazeit“ in Monreale sind, lohnt sich auch ein Besuch des Rathauses, das aus dem 18. Jahrhundert stammt und einige wertvolle Gemälde ausstellt.

Sonst verweilen Sie einfach ein wenig auf dem kleinen Vorplatz mit seinen Cafes und Restaurants und seiner einnehmenden südlichen Stimmung.

Von hier sehen Sie die Bergkirche aus dem gleichen Jahrhundert und die auf einem achteckigen Grundriss aufgebaute Collegiata-Kirche aus dem 17. Jhd. in der Gemälde von Marco Benefial zu sehen sind.

Wenn Sie nicht gerade in den Touristenströmen versinken, sollten Sie mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die teils romatisch vertäumten Gassen der kleinen Stadt ihren Besuch abschließen.

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