Syrakus

Cicero schrieb: die größte und schönste aller griechischen Städte.

Syrakus, Sizilien

Ein außergewöhnliches Zeugnis der Entwicklung der Zivilisation über mehr als drei Jahrtausende.

So schreibt heute die UNESCO nicht zu unrecht über eine sizilianische Stadt, die weit mehr Beachtung verdient, als die, die sie heute bereits erfährt. Denn Syrakus (ital. Siracusa) konzentriert wie in einem Brennglas die Geschichte ganz Siziliens und weit darüber hinaus. Siracusa war ein frühes Zentrum griechischer Kultur, früher noch als die Glanzzeiten Athens künden.

Vom Festland und der Neustadt aus erreichen Sie Ortygia (Ortigia), so heißt die berühmte Halbinsel mit der Altstadt, über die Brücke Ponte Nuovo. Nördlich sehen Sie den Porto piccolo (kleiner Hafen), südlich den Porto grande (großer Hafen), der zu griechischen und römischen Zeiten der einzige große Naturhafen mit Tiefgang war. Heute sieht man nicht selten im großen Hafen Mittelmeerfähren und Frachtschiffe liegen, wo an gleicher Stelle 413 v. Chr. die für Syrakus erfolgreiche Seeschlacht gegen Athen stattfand.

Syrakus, SizilienIn der Antike war Syrakus über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten die größte und mächtigste Stadt Siziliens und kulturelles Zentrum der Insel. So berühmte Dichter wie Aischylos, Pindar, Bakchylides und Simonides versammelten sich am Hof der Stadt, kein Geringerer als Platon lehrte hier jahrelang Philosophie und der Mathematiker Archimedes entwickelte Kriegsmaschinen zur Verteidigung der Stadt gegen Rom.

Schon 734 v.Chr. gründeten griechische Siedler aus Korinth auf der Halbinsel Ortygia die Stadt Syrakusai (Συρακοῦσαι), wo vorher die Sikelen siedelten und sie wegen der Sümpfe Syrakka (Sumpf) nannten.

Mehr als fünfhundert Jahre dauerte es, bis 212 v.Chr. während des 2. Punischen Krieges die Römer die Stadt einnahmen und Archimedes, obwohl er unter dem Schutz des römischen Feldherrn Marcellus stand, von einem Soldaten umgebracht wurde. Dann endete auch endgültig die Epoche des Helenismus auf Sizilien, das römische Provinz wurde.

Nach den Römern regierten hier ab 450 n.Chr. die Vandalen, aus Karthago kommend, bis 535 n.Chr. Syrakus für über drei Jahrhunderte an das Oströmische Reich fiel. Unter Kaiser Konstans II. wurde Syrakus an Stelle Konstantinopels von 660 bis 668 sogar dessen Regierungssitz.

Im 9. Jhd. eroberten Araber Sizilien und bauten Palermo zur neuen Hauptstadt aus. Damit verlor Syrakus nach und nach seine Vormachtstellung bis sie 878 n.Chr. von arabischen Truppen eingenommen wurde. Sie blieb bis ins 11. Jhd. ein Zentrum des Islams in Italien.

1038 fiel Syrakus unter die Herrschaft des byzantinischen Generals Georg Maniakes, ab 1086 unter die Herrschaft der Normannen, ab 1221 unter die Herrschaft von Kaiser Friederich II. aus dem Haus der Staufer. In den folgenden Jahrhunderten bestimmten Anjou, Aragon, Savoyen, die Habsburger und die spanischen Bourbonen die Geschichte der Stadt (Wikipedia).

Fonte Arethusa, Syrakus, SizilienGehen Sie weiter in südlicher Richtung über den Domplatz hinaus finden Sie am westlichen Ufer die Fonte Arethusa, wo auch die Strandpromenade Foro Vittorio Emanuele II. beginnt.

Hier an dieser Süßwasserquelle entstand die Stadt der Sage nach, als der Flussgott Alpheios der griechischen Nymphe Arethusa lüstern nachstellte, diese seine stürmische Liebe aber verweigerte, weil die radikale Urfeministin von Männern nichts wissen wollte.

Der lüsterne Spanner Alpheios wird schier verrückt, als er die nackte Schönheit beim Baden beobachtet, stellt ihr nach, rückt ihr auf den Leib, worauf Arethusa sich mit Hilfe der Göttin Diana in eine Quelle verwandelte, was ihr aber wenig nutzte.

Nach Ovids Methamorphosen, die so auch besser in die Mittelstufen altsprachlicher, deutscher Gymnasien passt, sucht der Flussgott bis heute wohl nach der schönen Nackten. Anderen Versionen des Mythos nach verwandelte Alpheios sich daraufhin in einen Fluss, der unterhalb des Meeres verlief und es gelang ihm, gegen ihren Willen, quasi unter Einsatz von KO-Tropfen, unbemerkt sich mit Arethusa zu vereinen.

Das Pech der Nymphe war umgekehrt das Glück der Stadt, die Quelle ermöglichte überhaupt erst die Stadtgründung und den Widerstand gegen feindliche Belagerungen wie der der Römer, die immerhin über 2 Jahre dauerte, denn das Wasser der Fonte Arethusa fließt tatsächlich unter dem Meer unter der Hafenbucht hindurch.

Arethusa, die Geschändete, genoss wohl als Sühne in der Antike große Verehrung und wurde in Syrakus als Stadtgöttin verehrt. Ihren Kopf, meist umgeben von vier Delphinen, das Haar mit Schilfhalmen geschmückt, sah man schon im 5. Jhd. v. Chr. auf den Münzen der Stadt, die einige Jahrhunderte lang zu den wichtigsten Währungen der griechischen Welt und als vorbild für andere Münzprägungen zählten.

Tempel des Apollon, Syrakus, SizilienTempel des Apollon - Modell, Syrakus, SizilienDas erste, was man sieht, kommt man an den Anfang der Ortygia ist der Tempel des Apollon. Wegen dieses Tempels kommen die meisten der Besucher, erwartet man doch Großartiges von einem Bauwerk aus dem 6. Jhd. v.Chr. einem der wichtigsten Götter des antiken Griechenlands gewidmet.

Er ist einer der ersten großen dorischen Ringhallentempel Groß-Griechenlands und etwa zur gleichen Zeit entstanden wie der nicht ganz so prächtige Tempel von Korfu.

Leider haben in der langen Geschichte der Stadt auch andere den Tempel für sich entdeckt, wovon etwa Umbauten an den Stufen des Einganges und ein Einschnitt für ein Taufbecken hin deuten, dass der Tempel in byzantinischer Zeit zu einer christlichen Kirche umgebaut wurde.

Die Araber wandelten den zur Kirche umgebauten Tempel später in eine Moschee um, die dann erneut in einer späteren Epoche wieder zu der Basilika SS. Salvatore umgebaut wurde.

Die Kirche zerfiel, der spitzbogige Eingang ist übrig geblieben, wenig, um die Pracht und Bedeutung dieses Bauwerks noch zu erahnen.
Ein paar Bruchstücke der polychromen Mosaikverzierungen der Säulen, 6 quer, 17 längs je Seite, sind im Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi ausgestellt.

Ein wenig enttäuscht, aber voll der Erwartungen, was noch kommen mag, setzen sich dann die Busladungen an Bildungsbürger aus aller Herren Länder in Richtung zum Corso Giacomo Matteotti in Bewegung. Hier warten die Souvenirhändler auf ihre Opfer, Sie nehmen deshalb besser einen anderen Weg, vielleicht die Via Dione.

Syrakus, SizilienDurch herrlich alte, enge Gassen führt Sie der Weg zur Piazza Archimedes, die der Mittelpunkt der Altstadt ist. Eingefasst von alten Palästen aus dem 14. bis 16. Jhd. wie dem Uhrenpalast, dem Palazzo Montalto und der Palazzo Lanza, in der Mitte der im Jugendstil erbaute Artemisbrunnen mit der Darstellung der Verwandlung der Arethusa in eine Quelle, hier nicht nach Ovid (Diana), sondern mit Hilfe der Göttin Artemis.

Nicht weit mehr davon finden Sie die Piazza Duomo mit dem Dom von Syrakus und sollten sich hier unbedingt die Zeit nehmen, vor dem Besuch des Doms noch ein paar Schritte auf die Piazza Venetia zu machen.

Der Platz ist eine Augenweide, die Cafes und Restaurants hier ein wenig ruhiger und Sie sehen den Dom von hier von der Seite mit den alten Mauern aus der Zeit der Normannen.

Die Piazza Duomo ist einer der vielleicht schönsten Plätze Italiens, mit dem Dom im Mittelpunkt, dem Palazzo Vermexio aus dem 17. Jhd., in dem sich heute das Rathaus der Stadt befindet, und dem Palazzo Beneventano del Bosco.

Der ursprünglich mittelalterliche Bau wurde nach 1778 im Stil des Barock umgebaut, ist noch heute im Besitz der Familie Beneventano und beherbergte so illustre Gäste wie Admiral Nelson und König Ferdinand IV. von Bourbon. Wenig besucht von der großen Menge befindet sich im erzbischöflichen Palast gegenüber dem Dom die Alagoniana-Bibliothek, die griechische, lateinische und arabische Handschriften sowie eine umfangreiche, für Numismatik-Interessierte äußerst lehrreiche Sammlung antiker Münzen zeigt.

Syrakus, SizilienAm südlichen Ende des Domplatzes steht die Barockkirche Santa Lucia alla Badia, neu erbaut zwischen 1695 und 1705 auf den Mauern eines ehemaligen Zisterzienserklosters, das beim großen Erdbeben völlig zerstört wurde.

Die Atmosphäre in ihrem einschiffigen Innenraum ist seltsam fremdartig, obwohl eigentlich wenig Interieur dafür verantwortlich zu sein scheint.

Vier barocke Altäre fallen auf wie über dem Presbyterium die Kuppelfresken, die den Triumph der Heiligen Lucia zeigen. In der Apsis hinter dem Hauptaltar befindet sich die Hauptsehenswürdigkeit, das Gemälde Begräbnis der Hl. Lucia von Caravaggio, das heute Teil der Sammlung des Museo Regionale di Palazzo Bellomo ist, dem größten Museum der Altstadt von Syrakus, das auch ein weiteres Meisterwerk von Antonello da Messina: L’Annunciazione, die Verkündigung, zu seinen Exponaten zählt.

Kastell Maniace, Syrakus, SizilienNun ist es nicht mehr weit bis zur Spitze der Halbinsel, wo Sie das Castello Maniace besichtigen können.

Es steht auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus, der von dem griechischstämmigen Georg Maniakes, der die Stadt für die Normannen eroberte und die arabischen Einwohner vertrieb, aufgebaut worden war und in seiner jetzigen Form im 13. Jhd. im Auftrag des Stauferkaisers und Königs von Sizilien Friedrich II. zu einem wehrhaften, prachtvollen Kastell umgebaut worden ist.

Bevor Sie Ortigia wieder verlassen, sollten Sie sich ausgiebig durch die wunderschönen Gassen der Stadt treiben lassen. Nutzen Sie die Gelegenheit, in die Hinterhöfe mit ihren verborgenen Cafes, Trattorien und Weinläden zu schauen und die einzigartige Atmosphäre der Altstadtviertel mit ihrem hinreißenden Charme und ihrem elan vital zu genießen.

Griechisches Theater, Syrakus, SizilienHieron II. Altar, Syrakus, SizilienEine weitere Hauptattraktion von Siracusa ist das berühmte Theatro Greco, das griechische Theater aus dem 6. Jhd. v.Chr. Zu dieser Zeit, unter Gelon, der zuerst Regent in der gleichnamigen Stadt Gelon, dann in Syrakus und sogar einmal Sieger im Wagenrennen bei den Olympischen Spielen war, erblühte und weitete sich Syrakus von Ortigia auf das Festland aus und hatte schließlich fünf große Stadtteile.

Auf dem Gebiet dieses antiken Stadtteils namens Neapolis, Neustadt, wurde im vorigen Jahrhundert der Parco Archeologico della Neapoli, was nichts mit Neapel zu tun hat, eingerichtet.

Das Theatro Greco, erbaut im 6. Jhd. v.Chr. und 300 Jahre später erweitert, ist mit einem Durchmesser von 138 m und Platz für 15.000 Zuschauer eines der größten griechischen Theater überhaupt. Von den 60 in den Fels geschlagenen Sitzreihen sind noch 42 erhalten.

Westlich des Theaters liegt der Opferaltar Hierons II. Der Altar misst beachtliche 198 Meter Länge, 22 Breite und ist über 10 Meter hoch.

Das römische Amphitheater aus dem 3. Jhd. n.Chr. ist 140 m lang und 119 m breit. Der Bühnenraum konnte mit Wasser geflutet werden, so dass hier auch Seeschlachten für das zahlreiche Publikum nachgestellt werden konnten.

Ein weiteres, ein wenig zweifelhaftes und eher der brillianten Vermarktungsgeschicklichkeiten der Sizilianer zuzuschreiben ist das sog. Ohr des Dionysios, eine künstliche, in den Fels gehauene Höhle mit beachtlichen 64 m Länge, 20 m Höhe und bis zu 11 m Breite und einer hervorragenden Akustik.

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