Wissenschaft und Kultur

Der wahre Reichtum Polens

Zur Hebung der Herzen.

Tuchhallen, Krakau, PolenTuchhallen, Krakau, PolenEs waren polnische Arbeiter, Intellektuelle und ein unbeugsamer christlicher Glaube, die das Ende der Sowjetherrschaft eingeläutet haben. Der Aufstand richtete sich gegen die Erhöhung der Brotpreise durch die Vasallenregierung in Warschau und gegen die Entlassung der Kranführerin Anna Walentynowicz, sehr bescheidene Anlässe im Vergleich zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, aber kaum weniger bedeutsam für Europa und die Welt.

Wie auch der Einsatz des polnischen Reiterheeres bei der Beendigung der Zweiten Wiener Türkenbelagerung in der Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 als ein deutsch-polnisches Entsatzheer unter der Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski die osmanische Armee schlug.
Diese Niederlage bedeutete auch den Anfang vom Ende der türkischen Hegemonialpolitik, gewissermaßen einer Vorläuferin der sowjetischen Versuche. Es war maßgeblich das polnische Reiterheer, das die Schlacht am zweiten Tag entschied, als die Kavallerie der durch König Johann III. Sobieski geführten polnischen Elitetruppe der Husaren (Hussaria) in einer Kavallerieattacke vom Berg herab die Elitetruppen der Sipahi und Janitscharen bezwang. Wien war gerettet, die Osmanen besiegt.

Marktplatz in Krakau, PolenSeit 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Union und eine nicht zu unterschätzende Wirtschaftskraft mit zunehmenden politschen Einfluss in Mitteleuropa. Begeistert sind die Besucher von Polens Kultur, von Wissenschaft und Kunst, beide nicht selten von wegweisender Dissidenz.

Bereits 1364 gründete Casimir der Große die Krakauer Universität, zweitälteste Alma Mater in Mitteleuropa, erste mit eigenständigen Lehrstühlen für Mathematik und Astronomie. Es war ihr Rektor Pawel Wlodkowic – einer der wichtigsten Völkerrechtler jener Zeit – der auf dem berühmten Konzil von Konstanz im Jahre 1415 die Auffassung vertrat, dass heidnische Völker ein Recht auf einen eigenen Staat hätten und nicht – wie damals durchaus üblich – mit dem Schwert christianisiert werden dürften.
Normalerweise hätte er wohl das Schicksal seines Prager Kollegen Jan Hus geteilt, der zeitweise Rektor der Karls-Universität Prag war, den weltlichen Besitz der Kirche, die Habsucht des Klerus und dessen Lasterleben kritisierte und für die Gewissensfreiheit und Reformation der Kirche eintrat und weil er während des Konzils seine Lehre nicht widerrufen wollte, auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Davor schützten Pawel Wlodkowic die zahlreichen polnischen Ritter, die beim Konzil anwesend waren; das nennt man Glück.

Ihre Blüte erreichte die Wissenschaft in Polen in der Zeit des Humanismus und ist mit dem Namen des Krakauer Studenten, Nikolaus Kopernikus, eng verbunden, der das heliozentrische Weltbild gegen ernsten Widerstand von Kirche und Papst einführte. Marie Sklodowska-Curie war maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Radiologie nach ihrer Entdeckung von Polonium und Radium. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, und gleichzeitig der erste Mensch dem zwei Nobelpreise in Physik und in Chemie verliehen wurden.

Schon 1850 entdeckte Ignacy Lukasiewicz eine Methode zur Destillation von Erdöl, Zygmunt Wróblewski und Karol Olszewski gelang es erstmals, Sauerstoff und Stickstoff zu verflüssigen.
Die moderne Endokrinologie geht auf polnische Wissenschaftler (Napoleon Cybulski und Wladyslaw Szymonowicz) zurück, wie der Arzt und Wissenschaftler Kazimierz Funk den Begriff der Vitamine begründete. Stefan Banach und Hugo Steinhaus begründeten die Funktionsalanalyse in der Mathematik und Eugeniusz Kwiatkowski entwickelte die polnischen Wirtschaftswissenschaften, die auch im restlichen Europa nicht ohne Einfluss waren.

Einer der wichtigsten Wissenschaftler, der gleichzeitig auch als einflussreicher Industrieller dieser Zeit galt, war Stanislaw Staszic, der um 1800 in Warschau eine Akademie der Wissenschaft ins Leben rief, aus der heraus bis 1817 die Warschauer Universität sich entwickelte.

Chopin, PolenDer Kampf der polnischen Künstler.

„Zur Hebung der Herzen“, mit diesem Schlachtruf unterstützten polnische Künstler den Kampf um die Unabhängigkeit Polens. Die bekanntesten Vertreter der Künste, die sich hierunter versammelten, waren sicherlich Adam Mickiewicz mit seinen Gedichte und Epen, der Literaturnobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz mit seinen bekannten Prosawerken, der Historienmaler Jan Matejko und nicht zuletzt Frédéric Chopin mit seinen Mazurkas, Polkas, Krakowiaks und Polonaisen.

Die weltweit mittlerweile sehr beachtete polnische Plakatmalerei und der polnische Film, für den solch illustre Namen wie die Regisseure Roman Polanski, Andrzej Wajda, Krzysztof Zanussi, Agnieszka Holland und Jerzy Hoffman stehen, gehört hierher wie der polnische Symbolismus in der Kunst.

Die Nähe der polnischen Kunst, vor allem der Malerei zum Symbolismus erschließt sich alleion schon aus der Geschichte des Landes. Neben den Motiven der antiken Mythologie und biblischen Allegorien dominieren von Traum und Ekstase durchtränkte Bildinhalte, aufgewühlte Gefühle, Krankheit, Tod, Sünde und Leidenschaft. In Epochen staatlicher Repression ist es nicht verwunderlich, wenn das Aufzeigen geistiger Wirklichkeiten, von Phantasie, Vision bis hin zu Halluzination einen großen Raum in der Beschäftigung einnimmt. Wo staatliches Handeln die praktische Entfaltung und Selbstbestimmung des Menschen verhindert, blühen nicht selten Meditation und Empfindung im künstlerischen Betrieb.

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