In die Stadtteile von Lissabon

Sehenswert und ganz viel Flair

Nun wird Lissabon selbst entdeckt.

Fuhren früher von Lissabon die Karavellen aus, um die Welt zu entdecken, so strömen heute Menschen aus aller Welt in die Stadt, um sie zu entdecken. Ihre verschiedenen Stadtteile entsprechen weitgehend den modernen Bedürfnissen nach Abwechslung, Unterhaltung und kulturellem Angebot. Noch gibt es Stadtteile in Lissabon, die nicht allen Klischees perfekt entsprechen, aber der Tourismus arbeitet zur Zeit unermüdlich und hart daran, ihre rauhen Ecken und spröden Kanten den Bedürfnissen der Touristen immer mehr entsprechend rund zu schleifen.

Eine Orientierung in der Stadt ist nicht unbedingt schwer. Es gibt eine Oberstadt: das Barrio Alto und eine Unterstadt: die Baixa, die auch gleichzeitig das Geschäftsviertel ist. Rossio schließt nördlich daran an und die Altstadt, Alfama, im Osten.

Alfama – In die Altstadt von Lissabon

Castelo de São Jorge, LissabonDie Altstadt wurde vom Erdbeben nahezu verschont, was uns heute mit einer große Zahl an noch erhaltenen, historischen Bauten erfreut.

Die Bezeichnung stammt vermutlich vom arabischen Al-hamma, das in etwa „Quellen“ oder „Bäder“ bedeutet und bei einem Spaziergang durch die schmalen, steilen Gassen, den man unbedingt unternehmen sollte, auch wenn eine Straßenbahn einem das teils anstrengende Vergnügen leicht abnehmen kann, stößt man auf viele Hinweise auf die Zeit der Mauren, die unter anderem die Festung Castelo de Sao Jorge als Herrschaftssitz erbauten und in dem bis ins 16. Jahrhundert der portugiesische König residierte.
Weithin sichtbar thront die Burg über dem Stadtteil und von oben ist die Aussicht atemberaubend.

Catedral Sé Patriarcal, LissabonNur zu Fuß entdecken Sie die wunderschönen Azulejos, die von den Mauren auf die iberische Insel gebracht wurden, mit ihren herrlichen Mosaiken, die noch viele Gebäude schmücken.
Die Catedral Se Patriarcal, Lissabons älteste Kirche aus dem 12.Jhd. und Taufkirche des Schutzpatrons der Stadt, Antonius von Lissabon, finden Sie in der Alfama wie auch ganz in der Nähe des Miradouro de Santa Luzia  ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert, das heute das Museu de Artes Decorativas – Museum für dekorative Künste –  beherbergt.

Suchen Sie nach Schildern mit der Aufschrift: Miradouros. Das sind Aussichtspunkte, die es an verschiedenen Stellen der Alstadt gibt, von denen aus man pittoreske Aussichten auf den Tejo und die anderen Teile der Stadt hat.

Fahren Sie mit der Strassenbahn Linie 28, die die schönsten Gassen der Altstadt durchquert und ein wenig vom Flair vergangener Zeiten vermittelt, wenn ihnen Lissabons Kopfsteinpflaster und falsches Schuhwerk gar zu sehr das Gehen behindert.

Dann aber werden Sie vielleicht nie die zauberhaften, kleinen Winkel der Altstadt kennenlernen, die es zuhauf hier gibt und in denen man nicht selten winzige Restaurants findet, wo man bei tagesfrischen Sardinen mit frischem Salad und Vino Verde eine stimmungsvolle Pause einlegen kann.

Bairro Alto – In die Oberstadt von Lissabon.

Der Bairro Alto beginnt gleich an der Baixa, der Unterstadt, und blieb in weiten Teilen vom verheerenden Erdbeben 1775 verschont. Traditionell war es das Viertel der Handwerker und der einfachen Mittelschicht, bis es in unseren Tagen von Intellektuellen und jungen, erfolgreichen Menschen entdeckt worden ist. Mieten und Kaufpreise stiegen und so veränderte sich seine Sozialstruktur erheblich. Tagsüber ist es ein sehr ruhiges Viertel, da leidiglich Anwohner und Lieferanten eine Genehmigung erhalten, hier mit dem Auto fahren zu dürfen, ansonsten gilt allgemein Fahrverbot.

Barrio Alto, LissabonZu erreichen ist das Bairro Alto aber mit der Metro (U-Bahnhof Baixa-Chiado), mit der Linie 28E der Eléctrico (Haltestelle Praça Luís de Camões) und mit dem Ascensor da Glória, einer der noch bestehenden, viel genutzten und oft fotografierten Standseilbahnen, überwindet man mühelos die 265 m zur Oberstadt, oder den Weg zurück ins Baixa.
Zu Fuß kann der Weg schon ordentlich beschwerlich sein. Einmal oben angekommen, sollten Sie den Weg zum Aussichtsturm Sao Pedro de Alcantara suchen und von dort einen wunderbaren Blick über Lissabon und den Tejo genießen.

Zahlreiche Designerläden und Boutiquen, die sich hauptsächlich in der Rua do Norte und der Rua da Rosa angesiedelt haben, prägen tagsüber das Stadtbild und ziehen täglich junges Publikum an.
Am Abend ist das Bairro Alto Treffpunkt für jeden, der in Feierlaune ist. Die Lissaboner gehen gerne und viel aus und starten einen Partyabend gerne hier in diesem Teil der Altstadt, der auch das Knbeipenviertel genannt wird. In den engen Gassen reihen sich verschiedenste Bars und Restaurants jeder Kategorie aneinander.

Traditionelle Tascas (Kneipen), in denen Fado für Touristen und Einheimische gespielt wird, schicke neue Clubs und Bars, alte und neue Kneipen, hippe Diskotheken, alles das findet man hier an jeder Ecke.  Bei schönem Wetter dringt die Musik bis tief in die Nacht durch die malerischen Gassen der Altstadt, denn Portugiesen lieben es durchaus, ihr Gläschen Porto oder einen Cafe curto vor dem Lokal auf der Strasse einzunehmen.

Baixa Pombalina – In das Viertel von Eleganz und Eitelkeit.

Arco da Rua Augusta, Lissabon

elvador dos santa justa, LissabonSein Aufstieg begann sprichwörtlich mit seinem Untergang. Das Stadtviertel Baixa wurde 1755 durch das Erdbeben so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass ein Wiederaufbau nach altem Maß nicht mehr möglich war. Der Markgraf von Pombal, Namensgeber und Organisator des Neuaufbaus des Viertles, vom König daselbst beauftragt, gewann die damals besten Architekten: Carlos Nardel, Manuel Da Maia und Eugenio Dos Santo für die Planung und Durchführung der riesigen Aufgabe.

Sie entwarfen ein für damalige Verhältnisse revolutionäres Schachbrettmuster mit neun Längs-und neun Querstrassen (dies diente unter vielen anderen auch New York City als Vorbild), verzichteten auf den Wiederaufbau der zerstörten Stadtmauer und konnten so viel breitere Strassen und prächtig angelegte, repräsentative Plätze entwerfen.

Heute betritt man durch den imposanten Triumphbogen, Arco Monumental oder Arco da Rua Augusta, dieses Stadtviertel und befindet sich gleich in der buntesten Einkaufsstrasse von Lissabon. Die Rua Augusta mit ihren zahllosen, unterschiedlichen Geschäften und Boutiquen hält mittlerweile mühelos mit den anderen berühmten Einkaufsstraßen europäischer Haupt- und Großstädte mit. Allein die Anzahl an Schuhgeschäften ist so hoch, dass ein Tag kaum ausreicht, nur deren Schaufenster kurz zu betrachten; Paradies für Frauen. Einige Strassenhändler kann man noch sehen, auch die obligatorischen „wilden Händler“ und Copyright-Brecher, zahllos auch die  Cafes und kleinen Bars hier auf der Augusta.

Rossio, Lissabon

Rossio, LissabonRossio, Lissabon

Ein besonders sehenswerter Ort ist der Rossio, einer der drei wichtigsten und bekanntesten Plätze Lissabons. Seit dem 19. Jh. heißt dieser Platz offiziell Praca de Dom Pedro IV. zu Ehren des brasilianischen Kaiser Pedro I., dessen hochaufragende Statue die Mitte des prächtigen Platzes besetzt.

Bei den Lissabonern aber war und blieb er nur der „Rossio“, Treffpunkt für Einheimische und Besucher aus aller Welt, mit seinen beiden wunderschönen, französischen Bronze-Springbrunnen, dem weltbekannten Bodenmosaik in Wellenform und seinen historischen Häusern.

Ein schöner Brauch ist das alljährlich stattfindende Initiations- bzw. Taufritual bei den beiden Brunnen, bei dem, immer im Oktober, die Erstsemester der Universitäten in das Studentenleben aufgenommen werden; irgendwie putzig in so einer Weltstadt.

Belém – Leinen los! In den Stadteil, wo einst die Kravallen ablegten.

Kloster Jeronimos, Lissabon

Torre Belém, LissabonIn Lissabon liegen die interessantesten Stadtteile nicht alle nahe beieinander. Sieben Kilometer müssen Sie vom Zentrum Lissabons auf sich nehmen, um nach Belém zu kommen. Mit dem Auto ist vor allem die Avenida de India, die Hauptverkehrsader Richtung Estoril und Cascais gut zu fahren.

Im Zehn-Minutentakt fahren Vorortszüge der Relation Oeiras – Lissabon Cais do Sodré, günstig ist auch die Strassenbahn-Linie 15E der Richtung Praça do Comércio – Algés, die ebenso durch den Stadtteil führt, wie zahlreiche Buslinien.

Einige der Nahverkehrsmittel enden direkt oder in der Nähe des ehemaligen Verteidigungsturm Torre de Belém. Der Tum ist gewissermaßen der architektonische Klassiker des sogenannten manuelinischen Stils. In 35 m Höhe befindet sich eine

Seefahrer Denkmal, LissabonSeefahrer Denkmal, LissabonAussichtsplattform, die einen wunderbarem Rundumblick über Lissabon erlaubt. Die ursprüngliche Funktion des Turms war die eines Leuchtturms, um ankommenden Schiffen von seiner Position auf einen Felsen am Mündungstrichter des Tejo den weiteren Weg zum Hafen zu weisen. Im 19. Jahrhundert diente er als Gefängnis und Waffenlager, heute, nach Aufschüttungen nur noch wenige Meter vom Land entfernt und über einen kleinen Steg zu erreichen, hauptsächlich als Touristenattraktion.

Der Stadtteil Belém ist bei dem verheerenden Erdbeben im Jahre 1755 fast verschont geblieben und hat deshalb eine bemerkenswerte Anzahl an historischen Bauwerken. Das Hieronymuskloster – Mosteiro dos Jeronimos – wurde wurde im Auftrag König Manuels I. erbaut und war bis 1834 noch von Mönchen bewohnt. In den Kapellen des Klosters befinden sich die Grabmale zahlreicher königlicher Nachkommen Manuels, sowie das Grabmal des berühmten portugiesischen Dichters Luís de Camões auf der rechten Seite am Eingang. Auf der linken Seite steht der Sarkophag des Entdeckers und größten aller Seefahrer seiner Zeit, Vasco da Gama. Modernen Seefahrern und Nautikern bleiben Spuke und Atem weg in dem dem Kloster zugehörigen Gebäude des Museu de Marinha, wo man nicht nur historische Schiffsmodelle , sondern  auch zahlreiche Navigationsinstrumente, die von portugiesischen Seefahrern in den Entdeckerzeiten verwendet wurden, bestaunen kann.

In Belém steht auch das – Verzeihung; an jeder Schönheit und an Ingenium stark mangelnde Entdeckerdenkmal: der Padrao dos Descobrimentos, das 1960 von dem Bildhauer Leopolo de Almeido entworfen wurde, dieser Karavellenbug am Ufer des Tejo ist einfach platt und häßlich; die portugiesischen Seefahrer hätten wahrlich besseres verdient, nicht nur Heinrich der Seefahrer, der damit zu seinem 500.Todestag geehrt werden sollte. Eindrucksvoll ist der Kompass am Fuße des Monuments, ein Geschenk der Republik Südafrikas, anlässlich der 1960 stattfindenden Gedenkfeier.

Chiado – Hier leben Kunst und Kommerz in friedlicher Koexistenz.

Rua do Carmo, LIssabonChiado: pfiffig bzw. verschlagen waren die beiden, der Dichter António Ribeiro und der Schankwirt Gaspar Dias im 16. Jh., so sehr und so bekannt, dass das Stadtviertel seinen Namen von den Eigenschaften der beiden Männer erhielt.

Die Nähe der dichtenden Kunst zur Schankwirtschaft und umgekehrt ist traditionell stark, so dass auch heute noch das Chiado in einigen, leider nur noch wenigen Winkeln und Cafes Treffpunkt von Literaten und Künstlern ist.
Manche setzen heute nur noch die elegante Einkaufsstraße Rua Garrett im Zentrum mit dem ganzen Viertel Chiado gleich, was aber nicht ganz stimmt. Gleichwohl sind hier in der westlichen Oberstadt, nahe dem Bairro Alto, alle namhaften Modedesigner vertreten, und die Garett gilt nicht zu Unrecht als eine der exklusivsten und teuersten Einkaufsmeilen Portugals.

Weite Teile des Viertels, vor allem die Rua do Carmo, fielen 1888 einer verheerenden Feuersbrunst zu Opfer. Beim Wiederaufbau des Viertels leitete die Idee der originalgetreuen Wiederherstellung des zerstörten Stadtteils unter weitestgehender Erhaltung der Außenfassaden und einer völligen Neugestaltung mit modernen Bauten die Stadtplanung und Durchführung der Arbeiten. Vieira, der damalige leitende Architekt, erhielt dafür international anerkannte Preise, das Viertel behielt einen Hauch seines Charmes und seiner einstigen Schönheit, in die heute wieder zunehmend mehr Vertreter des gestigen Lebens einziehen.

Chiado, Lissabon

Denkmal Camoes, LissabonIn Galerien und Buchläden treffen sich Kunstinteressierte, nach einem Theaterbesuch diskutiert man im Cafe a Brasileira mit seinen grossen Spiegelflächen und eleganten Möbel im Inneren.

Aber wie das so ist, trifft man dort tagsüber nicht mehr überwiegend Intellektuelle und Kunststudenten aus Lissabon, sondern zunehmend mehr Touristen, die der Tradition des Viertels kundig, dort ihre Bica und eine Pasteis de Nata, d.i. eine portugiesische Blätterteig-Spezialität mit Cremefüllung, geniessen.

Gleichwohl das Brasileira recht groß ist und in der aufwendigen Gestaltung seines Interieurs an die grossen Kaffeehäuser in Wien erinnert, sind Sitzplätze ohne Wartezeit in der Hauptsaison zu den üblichen Tageszeiten kaum noch zu bekommen.

Der einzige Stammplatz ist reserviert für den Schriftsteller Fernando Pessoa, dessen Bronzestatue vor dem Cafe bei einer Bica an seinem Tisch sitzt, den er zu Lebzeiten gerne mit den unterschiedlichsten Intellektuellen seiner Phanatsie, den Heteronymen, geteilt hat. Wie er seinen Platz und das geschäftige Umfeld heute fände, und ob in dem seine poetischen Freunde wohl  gedeihen würden, ist schwer vorzustellen. Belassen wir es mit seinen Worten: „I know not what tomorrow will bring.“

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Oberbayer

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2 Kommentare
  1. Astrid sagt:

    Hi mate,

    ein kleiner Tippfehler bei He(r)teronyme.
    Warum tust Du kein Photo von Pessoa ipse auf die Seite? Und statt des Sarkophags von Camoes ein Bild von der Stele von Pessoas Grab?

    Ciao bello

    • Rieder sagt:

      Hi mate,

      muito obrigado für deinen Kommentar. Ich werde die Bilder mal recherchieren, ob es welche gibt, die nicht gar so unverschämte Copyrights ausweisen; jedenfalls habe ich die bislang nicht in meinem Besitz.
      Camoes passt aber doch auch auf die Seite, oder?

      Bekommen die lieben Golferchen von dir noch ein paar Tipps zu Lissabon von deinem letzten Besuch dort? Mach doch mal, die freuen sich doch immer so niedlich, wenn sie etwas umsonst bekommen.

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