Die Alhambra

Europa begegnet Nordafrika

Sie gehört neben der Moschee in Cordoba zu den bedeutendsten maurischen Bauwerken in Andalusien. Die Alhambra – (arabisch) „die Rote“, Palast der letzten maurischen Herrscher  in Granada, der Nasriden (Banu l’Achmar). In den wesentlichen Teilen erbaut unter Abul Hachach Yussuf (1333-1353) und Mohammed V. (1353-1391). Ihre berühmten, teils sagenumwobenen Bereiche sind der Löwenhof, die Stalaktitenkuppeln, der Darascha-Erker, der Saal der Könige bzw. Gerechtigkeitssaal, der Botschaftersaal, die Kuppel im Saal der zwei Schwestern und deren geometrische Mosaikenwände, die Gärten des Partal in der Alhambra sowie die Rosengärten des Generalife.

Alhambra - Panorama mit Generalife

Den Nasriden-Palästen gegenüber trotzt die Burganlage mit ihren „roten“ Türmen ins Tal, wo Granada schutzlos zu Füßen liegt. Die „Kasbah“, die Stadtburg auf dem Sabikah-Hügel über der Stadt ist etwa 740 m lang und bis zu 220 m breit. Im Osten ist ihr der Sommerpalast Generalife vorgelagert. So viel der Daten.

Alhambra - LöwenpalastDer Löwenpalast.

Mohammed V., Nachfolger seines Vaters Jusuf I., begann dieses architektonische Meisterwerk, vor dem heute Menschen aus aller Welt und den verschiedensten Kulturen gleich staunend stehen: den Löwenpalast (Palacio de los Leones). Hier, zwischen den Bädern und dem Myrtenhof, waren die Privatgemächer der königlichen Familie untergebracht.

Dieser Teil der  Alhambra, wenn man überhaupt darin von Steigerungen sprechen kann, ist eine Meisterleistung der Nasridenkunst, die hier eine unvergleichliche Schönheit und Harmonie erreicht und die um so weiter trägt, als die ungegenständlichen, geometrischeren Dekorationsformen der vorangehenden Räume aus vorhergehenden Epochen hier in einen naturalistischeren Stil, der ohne Zweifel auf christlichen Einfluss zurückgeht, da Mohammed V. mit Peter I., dem Grausamen, zu jener Zeit christlicher Monarch, befreundet war, übergehen.
Wie auch in anderen Räumen erreichen im Löwenpalast das gekonnte Spiel mit Licht, minimalistischen Dekors und reduzierter Farbgebungen eine beeindruckende, sinnliche Aura, die mit dem sanften Rauschen feiner Wasserspiele ein einzigartiges Vergnügen der Sinne erreicht.

Der Palast hat einen zentralen Hof, der von Säulengängen im Stil des christlichen Kreuzganges umgeben ist und über die man zu weiteren, architektonisch verschiedenen Sälen kommt: im Westen zum Stalaktitensaal, im Osten zum Königssaal, im Norden zum Zwei-Schwestern-Saal, zum Ajimeces-Saal und zum Aussichtspunkt Daraxa sowie im Süden zum Abencerrajes-Saal und zum Harem.

Alhambra -Der Löwenhof

Der Patio de los Leones ist, denkt man an die Alhambra, meist der erste Einfall und der wohl bekannteste Ort der alten Kasbah. Den Namen verdankt er den zwölf Löwen, die den Sockel des Brunnens in der Hofmitte bilden.

Sie tragen ein großes, zwölfeckiges Becken und sind wie der gesamte Brunnen aus weißem Marmor und eines der bedeutendsten Beispiele der muslimischen Bildhauerkunst. In den Beckenrand ist ein Spruch von Ibn Zamrak eingemeißelt:
„Selig ist das Auge, das diesen Garten der Schönheit sieht“.
Anfang des 17. Jahrhunderts wurde ein weiteres Becken angebracht.

Mohammed V. ließ diesen Hof bauen. Er ist rechteckig und von einem Säulengang im Stil eines christlichen Kreuzganges umgeben, und hebt sich so architektonisch ab von typischen muslimisch-andalusischen Höfen. In der Alhambra findet dieses Bauelement im Myrtenhof seine Fortsetzung bestehend aus insgesamt 124 Säulen aus weißem Marmor. Im oberen Teil befindet sich ein würfelförmiges Kapitel sowie ein großer Abakus, der mit Inschriften und Arabesken verziert ist.

Alhambra -Unter dem geschnitzten Holzfries stehen Stelzbögen aus Gips, nur die Bögen der Pavillons und an den längeren Seiten sind mit Stalaktiten, die Spandrillen mit durchbrochenen Rautenmustern dekoriert.

Die mittigen Rundbögen der längeren Seiten sind höher als die seitlichen, ihre Archivolten (lat. arcus volutus „gewölbter Bogen“) sind mit Stalaktiten, die Spandrillen (dreiseitig begrenzte Fläche, meist zwischen Bögen) mit Arabesken geschmückt.

Diese Bögen verbinden den Hof mit dem Abencerrajes-Saal und dem Zwei-Schwestern-Saal. Über ihnen befinden sich die Zimmer der Frauen des Sultans. Jeweils in der Mitte der kürzeren Säulengänge gibt es Pavillons, die in den Hof hinein stehen. Ihre Grundfläche ist quadratisch, die Holzkuppel im Inneren halbkreisförmig.

In der Mitte des Hofes gab es einen tiefer gelegten Garten, der Boden des Säulengangs war einst aus weißem Marmor. Der Garten wurde im Laufe der Jahre oft umgestaltet und schließlich ganz entfernt, um Feuchtigkeit zu vermeiden, die früher Probleme bereitete.

Die Kanäle aus weißem Marmor verlaufen von den Pavillons und den beiden Sälen aus bis zum Brunnen in der Mitte und zeichnen somit ein Kreuz. An den Kanalenden sind Rohre, die den Brunnen mit Wasser versorgen.

Alhambra -Der Königssaal.

Der Königssaal (Sala de los Reyes) trägt diesen Namen aufgrund des Gemäldes in der mittleren Kuppel. Er heißt ab dem 18. Jahrhundert auch Saal der Gerechtigkeit (Sala de la Justicia) oder Gerichtssaal (Sala del Tribunal).

Zugang zum Saal hat man an der Stirnseite des Löwenhofs durch die drei Portiken aus je drei, mit Stalaktiten und durchbrochenen Rautenmustern dekorierten Bögen, die sich auf dünne Säulen stützen.
Durch die Raumaufteilung und den Alkoven sowie den Dekor kommt das in den Saal eindringende Licht besonders gut zur Geltung und betont den Kontrast zwischen der Schwere der Bögen und der zarten Ornamentik der Wände, die mit Inschriften bedeckt sind. Einst war der untere Teil der Wände mit einem Fayencemosaik geschmückt, von dem heute nur noch zwei Fragmente übrig sind.

Alhambra - KönigssaalIm Saal gibt es drei elliptische, mit Leder überzogene Holzkuppeln, die bemalt sind. Das mittlere Bild zeigt die ersten zehn Könige der Nasridendynastie (außer den Usurpatoren Ismail I. und Mohammed VI., dem Roten). Die seitlichen zeigen Ritterszenen (vorwiegend Jagdszenen) sowie romantische Darstellungen, die wahrscheinlich Legenden und Abenteuer der muslimischen Könige erzählen. Trotzdem sind dies offensichtlich christliche Malereien, da die muslimischen Szenen nicht so fein und genau gemalt sind wie die christlichen. Die Malereien geben Anhaltspunkte, dass sie aus der Zeit von Mohammed VII. (1395-1410) oder Jusuf III. (1410-1424) stammen könnten.

Alhambra - Saal der zwei SchwesternSaal der Zwei Schwestern

Obwohl man vermuten könnte, dass dem Namen des Saals (Sala de dos Hermanas) eine Legende oder Begebenheit zugrunde liegt, kommt er von den beiden großen, gleich aussehenden Marmorplatten in der Mitte des Bodens.

Dieser Saal war der mittlere von mehreren Zimmern, in denen die Sultanin mit ihrer königlichen Familie lebte. Es ist bekannt, dass Boabdils Mutter hier mit ihren Söhnen wohnte, nachdem Muley Hassan sie verstoßen hatte.

Mohammed V. ließ diesen Saal quadratisch bauen und die Decke mit Flechtwerk ornamentieren. Die Alkoven sind mit den Gemächern Karls V. und über einen Balkon auch mit den Partal-Gärten verbunden. Den Saal betritt man durch einen gerillten Halbkreisbogen, dessen Holztüren noch original sind.
Ein schmaler Gang führt zu den oberen Zimmern, deren geschnitzte Decken aus dem 16. Jahrhundert sind. Zur Kammer des Aussichtsturmes gelangt man durch drei kleine Bögen, von denen die äußeren mit Stalaktiten geschmückt sind und der mittlere mit geschnitzten Spandrillen verziert ist. Durch die Fenster eröffnet sich der Blick auf den Löwenhof.

Alhambra -Auf dem Marmorboden steht ein kleiner Springbrunnen, vom dem aus ein schmaler Kanal Wasser in den Löwenhof führt. Am meisten beeindruckt durch ihre Schönheit und Perfektion die Stalaktitkuppel des Saals. Die Lichtbrechung ist so ausgefeilt, dass das durch die seitlichen kleinen Fenster fallende Licht die Kuppel wie eine wunderschöne Blüte anmuten lässt.

Ibn Zamrak hielt das in einem Gedicht fest. Davon sind noch Fragmente in dem Fliesenmosaik zu finden, das in metallenen Regenbogenfarben schimmert. Die Wände sind mit feinster Stuckarbeit in verschiedenen Mustern bedeckt. Hierin findet sich der Leitspruch der Nasriden:
„Es gibt keinen Sieger außer Gott“.

Alhambra -

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