Armin Baumgarten

Von der Malerei zur Skulptur zur Malerei zur Skulptur …

Kopf. Figur. Berg.

Armin Baumgarten Kopf-7Kopf und Figur, die beiden wichtigen Themen seiner bildnerischen Arbeit, ergänzen sich auf ganz neue, komplementäre Art, überraschend und doch wie selbstverständlich.

Unter der Maßgabe, dass Kopf und Figur in der menschlichen Gestalt eine Einheit bilden, ist der letzte Satz der schlichte Blödsinn.
Kopf und Figur aber folgen bei Armin Baumgarten einer gänzlich anderen Maßgabe; nicht der menschlichen Gestalt, sondern einer ganz und gar künstlerischen Maßgabe, nämlich der komplementären Beschäftigung mit skulpturalen und malerischen Mitteln.

Malen an der Grenze zur Skulptur.

Die Figur ist Bildfigur, die ihre malerische Wirklichkeit auf der Leinwand entfaltet, nicht als gemalte Aufnahme und Übersetzung eines Models, einer wirklichen Figur außerhalb der Leinwand.

Armin Baumgarten schichtet Farbe, fügt Schicht auf Schicht, Schichten an Schichten, nimmt von den aufgetragen Schichten wieder Material weg, bildet im wahrsten Sinne des Wortes Figuren aus Schichten, Schichten von Farbe. Charakteristisch der pastose, körperhafte Farbauftrag, regelrecht modelliert und in zahlreichen Schichten ineinander verwoben, aufgetragen und an bestimmten Stellen wieder abgetragen entsteht durch Farbe Kopf, Figur, Gestalt.

Verdichtete Antizipation.

Armin Baaumgarten, Figur und BergDie Farben sind überwiegend Primär- und Komplemetärfarben: Rot, Blau, Grün geben die Figur an, deren Dimension und damit deren Gestalt. Und oft haben Baumgartens Figuren oder Köpfe wahre Riesendimensionen, die aus den Leinwänden heraus uns gegenüber treten wie wirkliche Gestalten.

Baumgartens Köpfe in über zwei Quadratmeter Dimensionen hängend in einem Eingangsbereich eines privaten Wohnhauses – wohl, dem, dem der Architekt solche Dimensionen erlaubt hat – wirken wie heilige Gralshüter, zeitlose Hüter von Königsgräbern in Theben und Luxor. Wo sie heute in großen Dielen hängen wird sicherlich auch nicht so schnell eingebrochen und geklaut – leider hat sich diese Wirkung schon zu Zeiten der alten Ägypter als fälschlich erwiesen.

Schon in der Malerei antzipiert Armin Baumgarten seine Skulpturen aus Bronze. Sie erscheinen, als ob die in Öl geschichtete  Malerei sich ganz logisch und natürlich zur Skulptur verdichtetet hat. Wenn Baumgartens Malerei ihre Dimension ultimativ entwickelt, werden Skulpturen. Gemalte Köpfe und Figuren gehen ihren Weg aus der Leinwand heraus in eine neue Dimension.

Schichtung und Abtragung sind sowohl malerische wie skulpturelle bzw. plastische Prozesse der Gestaltung; die äußere Wirklichkeit ist nicht anders. Im Wesen wie im Nebensächlichen.

Dass Farbe die Bildfigur oder den Kopf solo konstituiert und der entstandenen Gestalt Kolorit verleiht, ist offensichtlich. Bei Armin Baumgarten aber bildet Farbe nicht allein Licht, Schatten und Dimension der Gestalt, sondern läßt die Gestalt vom Grunde der Leinwand herausleuchten; man wäre nicht verwundert, wenn Baumgartens Gestalten sich nach dem Besuch einer seiner Ausstellungen mit dem einen oder anderen von uns auf den Weg nach Hause, zu Freunden oder in die nächste Kneipe machen würden. Welch ein Vergnügen!

Armin Baumgarten, Berg 2004Dass das Thema Berg sich für Armin Baumgarten in dieser Folge logisch und künstlerisch aufdrängt, ist unschwer nachzuvollziehen. Auch hier sehen wir das gleiche Prinzip am Werk. Und dies meinen wir um so wörtlicher, da weniger der Künstler, als eben dieses Gestaltungsprinzip am Werk ist. Baumgarten konzeptioniert nicht, sondern nimmt sich hinter der plastischen Gestaltung zurück.

Seiner Malerei, wie auch seinen Skulpturen – wir gehen gleich näher darauf ein – inhärent sind diese Momente im Gestaltungs- bzw. Malprozess, die den Künstler immer wieder vor unvorhersehbare, plötzlich auftauchende, überraschende Einsichten stellt. Also geradezu das Gegenteil dessen ist, was man mit Konzeption bzw. Konzeptualität bezeichnet. Der Künstler ist also im wörtlichen Sinne vor seine eigene Arbeit gestellt. Die Arbeit selbst, der Prozess der Gestaltung führt weithin Regie, nicht die ideele Vorstellungskraft des Künstlers.

 

Armin Baumgarten. Bitte weiterlesen auf Seite 2.

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Ein Kommentar
  1. Armin Baumgarten sagt:

    Hallo Franz,
    ich habe keine Mailadresse von Dir, bitte melde Dich, (neue Termine Art Karlsruhe und Theartspace Düsseldorf)
    Herzliche Grüße,
    Armin
    (liege mit Grippe nieder, muß aber Di nach Karlsruhe)

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