Hans-Jörg Holubitschka

Als hätte man Klarspüler reingekippt.

Neue Landschaften

Hands-Jörg Holubitschka: Toulon 1, 20021338299024_galerie_fellner_von_feldegg_krefeld_6_g436_toulon_iii_120_x_220_11_200_jpg_Was hier unter diesem ach so sachlichen Titel sich versammelt, ist nicht weniger als der Anspruch von Hans-Jörg Holubitschka, der alten Tradition der Landschaftsmalerei etwas neues hinzuzufügen.

Vergegenwärtigt man sich, dass Landschaftsmalerei auf eine enorm lange Geschichte und auf eine ellenlange Liste von Namen alter Meister zurückblickt, dann wird die Ambition dieses Unterfangens deutlich.

Aber Holubitschka ist ein Meister seines Fachs, ehemaliger Meisterschüler von Gerhard Richter an der Kunstakademie in Düsseldorf und das ist sicherlich auch Verpflichtung, sich an Großes zu wagen.

Seine Landschaften fallen sofort auf, sind geprägt durch große Farbintensität, wie sie sich auch bei den alten Meistern der Renaissance zeigte, aber auch von einer ganz individuellen Ausdruckskraft, die ihnen ihre Unverwechselbarkeit verleiht.

Auch für Holubitschka ist Farbe das gestaltende Element. Dabei überzieht er gerne die Farbigkeit, nicht um Nuancen, nicht um deutlicher zu machen, sondern aus Prinzip.

Einem Prinzip oder einer künstlerischen Haltung entsprechend, die an all zu ausgeprägter Harmonie zweifelt, ein Mißtrauen sich bewahrt, einer allzu gefälligen Ästhetik zu verfallen, gleichwohl ihn die Schönheit der Natur schon auch angeht. Aber sie überwältigt ihn nicht, er verfällt ihr nicht.

Hans-Jörg Holubitschka, VenedigHans-Jörg Holubitschka, Toledo, 1997Betrachtet man seine teilweise großen Bildwerke, so findet man oft irritierende Details, Dinge, die dort eigentlich nicht hingehören, die fremd sind, aber durchaus wichtig sein können, manchmal auch nur kleine Apercus, die einen zum Schmunzeln bringen.

Mir geht es fast immer so, wenn ich die hübschen Hütten mit ihren meist leuchtend roten Dächern in den unendlich weiten, grünen Landschaften sehe; wir kommen darauf später zurück.
„Ist das Kitsch?“, fragt Holubitschka in seinen Bildern nachhaltig provozierend. Wie eingangs schon erwähnt, geht Hans-Jörg Holubitschka immer an die Grenzen. Das Gelb der Felder, das Grün der Wiesen, oder das Rot des abendlichen Himmels leuchten durchdringend – „als hätte man Klarspüler reingekippt“.

Als man nach jahrelanger Restaurierung die Fresken der Sixtinischen Kapelle dem staunenden, teils erschrockenen Publikum wieder zugänglich gemacht hatte und Michelangelo, Sandro Botticelli, Pietro Perugino, Domenico Ghirlandaio, Cosimo Rosselli, Biagio d’Antonio und Luca Signorelli in den neuen, frischen Farben erstrahlten, war es, als hätten sich unter der Patina der Geschichte die alten Meister zu grellem Kitsch verwandelt.

Eine andere Werkreihe neueren Datums von Holubitschka zeigt berühmte Stadtbilder, bekannte Plätze, historische Gebäude und Burgen, sowie städtische Ensemble; allesamt Ziel millionenfacher Besuche, Orte der Sehnsucht und des Klischees.

Es wäre interessant und nicht ganz ohne Witz, würde man einmal untersuchen, ob nicht gerade jene Menschen, die bildungsbebürgert und -geführt solche Ort zu Hauf aufsuchen, nicht gleich beim ersten Blick auf ein Motiv von Holubitschka desgleichen Ortes entsetzt und laut ausriefen:“Mein Gott ist das ein Kitsch.“

Hans-Jörg Holubitschka, BrüggeNicht jede Betrachtung findet gleich die vielfältigen Brüche und Irritationen in den Bildern von Holbitschka; es zeichnet quasi diesen naiven Blick aus, sie nicht zu sehen. Ohne sie fehlt die Dramatik, fehlt der Geist der künstlerischen Auseinandersetzung mit dieser gigantischen Tradition der Landschaftsmalerei, deren große Vertreter sich nie gedankenlos dem locus amoenus einfach hingegeben haben. Für diese Betrachter malt Holubitschka nicht.

Bilder von Hans-Jörg Holubitschka erzielen mittlerweile überdurchschnittliche Preise, sind bei Sammlern zeitgenössischer Kunst aus dem In- und Ausland zunehmend nachgefragt und in mehreren privaten wie öffentlichen Sammlungen zu sehen.

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