Jahresrückblick Kunst: Das war das Jahr 2017

Der Retter der Welt

Alles Banahne, nö?

Andy Weisner - BerlinEigentlich müssen wir nur kurz die 450 Mio. ansprechen, die ein ‚Kunstdieb‘ für den da Vinci im Jahr 2017 bezahlt hat. Dann haben wir über das Jahr 2017 eigentlich schon alles gesagt.

Ach so, noch eine kurze Bemerkung: ich habe mal durchgerechnet; wenn man den Titel: Salvator Mundi ernst nimmt und der Preis dem Titel entsprechen sollte, dann hätte der Dieb etwa das Hunderfache für das Bild hinlegen müssen und so ziemlich alle dringenden existenziellen Sorgen der ärmeren Hälfte der Menschheit wären gelöst.

Armut und Hunger wären besiegt. Und zwar auf Jahre hin.

Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017

Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Ach ja, warum eigentlich ‚Kunstdieb‘? Na klar, habt ihr euch schon gedacht; ein Kunstwerk, das für die Menschehit gemalt wurde in einem Tresor verschwinden zu lassen, es also der Menschehit vorzuenthalten, ist eine Form von Diebstahl.

Dazu muss ich noch etwas anmerken: wie man liest, will der Dieb das geraubte Kunstwerk gegen viel Geld an exklusiven Orten der Welt einem zahlungswilligen Publikum zur Verfügung stellen.

Also spielt das Werk in der Zukunft so eine Form von kultureller Leiharbeit, diesmal aber nicht bei Mindestlohn-Konditionen sondern eher im Gegenteil zu Höchstgagen für den Eigentümer, genauer gesagt, den Privateigentümer.

Wenn da die Museen wie bei Windeln auf Ebay gegen einander bieten müssen und das meistbietende den Zuschlag erhält; etwa so: Salvator Mundi in der Tate für 3,5 Stunden am 01.06.2018 und die Besucher dann an den Kassen ebenso für den Eintritt aus der Schlange meistbietend gegen einander antreten, dann macht mir die Rettung der Welt keine Sorgen mehr.

Natürlich nur, wenn die Preise und Eintrittsgelder komplett für die Rettung der Welt verwendet werden. Abzüglich natürlich n‘ Groschen für den Privatbesitzer, für Schnaps und Weiber; klaro.

Eine kleine Bemerkung dazu noch: nimmt man den 459 Mio. Deal genau unter die Lupe, dann hat der vermeintlich aus Arabien stammende ‚Dieb‘, der übrigens auch dieses wunderschöne Museum Louvre Abu Dhabi hat erbauen lassen, sich das Copyright auch noch für alle sonstigen Formen von Abbildungen des Werkes gesichert, was ja heutztage gang und gäbe ist. Jeder Sepp hat heute ein Copyright, was dazu führt, dass man kaum noch Bilder benutzen darf. Schreib mal über Malerei, ohne das Werk abzubilden.

Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Ach, da kommt mir in Erinnerung: In den sechziger Jahren fuhr man mit seinen Freunden in einer „Ente“ in die Stadt der Liebe.
Und dann, meistens am letzten Abend, hat einer der Freunde das Foto gemacht. Meine Freundin und ich romantisch vereint in einem Kuss unter dem Eifelturm zur Erinnerung an die junge Liebe, die ewig halten sollte, was sie leider nicht tat.

Das Foto aber blieb im Schuhkarton als Symbol der ewigen Liebe, als Symbol für die die Stadt, aus welchen Grund auch immer, aber nach wie vor steht.

Beim Eiffelturm sind alle Urheberfristen, also Copyrights abgelaufen. Kein Problem, ihn tagsüber zu fotografieren. Abends allerdings kann es ein Problem geben, denn die französische Firma, die die Licht-Installation entworfen hat, hat sich den nächtlich angestrahlten Eiffelturm schützen lassen.
Hier muss man aufpassen, welche Fotos man veröffentlicht.
Die Betreiberfirma SETE (Société d’Exploitation de la Tour Eiffel) beansprucht die Veröffentlichungsrechte an dem illuminierten Eiffelturm für sich, also auch an nächtliche Selfies mit Küsschens.

Hätten wir damals, als wir noch auf den Bäumen saßen, das Copyright in der heutigen Fassung gehabt, wir säßen immer noch da oben. Unsere gesamte kulturelle Entwicklung funktionierte nur, weil kulturelles Wissen in Form von Texten und Bildern Gemeingut und also frei zugänglich war. Und nach der Einführung des Buchdrucks und der Springer Presse zumindest recht preiswert. So ’ne Bild kaufte einer und es lassen sie zwanzig Mann auf der Betriebstoilette, wo man sie natürlich für den nächsten Drücker liegenließ.

Ich komme zum Schluss, das Copyright für Kunst, wie es heute existiert, macht dumm. Nicht den Einzelnen, nein, die komplette Menscheit. Und irgendwie merkt man das schon.

Da fällt mir noch ein, Kunstmuseen und so schicke Bauten wie die Elphie in Hamburg zahlen ja nicht die Künstler, sondern die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Wenn man aber seinen Freuden mal zeigen möchte, wo der ganze Schotter geblieben ist und wie toll die Burri-Ausstellung oder die nicht ganz so wertvolle von Sarazeno im K21 in Düsseldorf war, oder wie die Treppe zur Galerie in der Elbphilharmonie von innen aussieht, dann bekommt man in Düsseldorf überhaupt keine Genehmigung für ein Wackelfoto, weil das Copyright in ‚Guggenheim‘ oder bei irgend so einer Marketing- bzw. Managementgesellschft liegt und in Hamburg nur, wenn man die Treppe von außen fotografiert, wegen der eingeschränkten Panoramafreiheit; wie das gehen soll, hat keiner gesagt?

Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Noch ein Nachschlag: in Hamburg kann man heute in keinem Club mehr fotografien. Die Muckies vor dem Eingang kleben einem die Handy-Kamera mit runden Postits zu. Begründung: weil die Mädels auf den Tanzflächen am Ende mit verschmiertem Make Up im Netz z. B. bei Facebook – welch eine schöne, passende Verbindung – erscheinen und sie wirtschaftliche Nachteile als Food-Bloggerin oder so fürchten.

Also Leute, passt auf die verschmierten Lidschatten der Food-Bloggerinnen auf. Die dürft ihr auch auf keinen Fall auf der Staße zufällig ablichten, so zufällig im Hintergrund von Freundin mit Hündchen, oder gar beim Knutschen nachts unter’m Eifelturm. Das gibt Schadensersatzklage und gleich doppelt.

Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Von Christo’s Management bekam man ein ganzes Jahr lang überhaupt keine Antwort auf die Anfrage für ein Bild von The Floating Piers from Rocca di Monte Isola.
Dabei wäre es doch einzig interessant, die ersten Menschen bei ihrem Versuch zu sehen, es Christus (nicht Christo) gleich zu machen und über’s Wasser zu laufen.

OK, es braucht nach wie vor dazu einen Steeg, was ja weder eine neue Erfindung noch ein bahnbrechendes künstlerisches Thema ist, egal. Vielleicht wäre einem (oder noch viel besser einer, also einer Frau) der nachgewachsenen Neuzeitgötter nach dem Über-Wasser-Spazierrgang ja vielleicht gelungen, die Horde auf dem Steeg mit Getränken zu versorgen und hätte dazu Wasser in Wein verwandelt; das gehört ja nun mal dazu zu den göttlichen Leistungen, mindestens. Aber nix davon.
Ohne Steeg wären die einfach abgesoffen, also Wasser in den Lungen und kein Wein im Magen und trockene Füße auch nicht – was man bei dem Griechen auf dem Stand Up Paddel nicht sagen kann.

Also, muss man ja wohl abschließend sagen: Der Preis für die Rettung der Welt war deutlich zu niedrig. Und das Copyright verhindert die geistige und kulturelle Rettung der Menschheit vollends. Oder anders gesagt: was der Kunstmarkt nicht schafft, das erledigt dann endgültig das Copyright. Wir wollen keinen Diskus, das wäre ja noch schöner, über Kunst zu sprechen, Kunst zu verbreiten, am Ende noch, Kunst für alle zugänglich zu machen wie griechische Tragödien, Gedichte von Hölderlin, Musik von Beethoven, Wagner und Mahler etc. Das einzige, was zählt, ist der Kunstmarkt und das Kleingeld durch Copyrights.

Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017Man wird nur ausgetrickst und verarscht in schöner Landschaft am Iseosee und von Wein auf dem Steeg weit und breit nichts zu sehen. So klagt die große Kunst zudem über den durchgeknallten Kunstmarkt und bedauert zutiefst die exorbitanten Preise, als wäre der Markt ein von Gott gewolltes Ereignis und jenseits künstlerischer Entscheidung.

Man verliert irgend wann die Kunst der Negativität, die doch nur ein kleines Wörtchen braucht: nein. Wenn man natürlich meint, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, dann kann es schon mal passieren, dass man Nein malt und das verdammte blöde Ding schon wieder ein paar Millionen kostet, FCK.

Ach ja, noch etwas: Der ganze fuck wird ja dramatisch noch an Fahrt aufnehmen im Zeitalter der Digitaliseirung. Das mag man auch daran schon erahnen, googelt man z.B. „zeitgenössische maler düsseldorf“, dann erscheinen (dynamisch, also meistens, nicht immer in der gleichen Reihenfolge) nach ein paar völlig irrelevanten Sniptes, also Ergebniseinträgen, die Malerinnen und Maler, Fotografinnen und Fotografen, die auf der OnGolf Community zu sehen sind, auf Seite 2 neben Jörg Immendorf, Thomas Ruch und Markus Lüpertz; mal darüber, mal darunter.

Das macht uns natürlich schier närrisch vor Freude aber auch bewusst, dass hier ja etwas nicht ganz stimmen kann, wie wohl ich diese Reihung den Künstlerinnen und Künstlern auf OnGolf durchaus gönne.

Die Relevanz von Google Ergebnissen kann man kritisieren wie man will. Aber für die große weite Welt da draußen ist das, was bei Google kommt und wo es steht, also auf welchem Platz, auf welcher Seite schon die Repräsentation von Relevanz im Diskurs über Kunst und Kultur etc.

Am Ende wird man zahlen müssen – heute schon in vielen Fällen – wenn man auf Google erscheinen möchte, viel bezahlen. So viel, dass man mit den Scheichs aus Abu Dabi und dem Christo-Management mithalten kann. Dann haben wir es wieder: Kunst ist dann aristrokratisch – eine Vorstufe von diktatorisch wie man weiß.

Süd-Afrika - JohannesburgNa gut, dahin mit der Aufklärung, dieser allseits verhassten, mühevollen, freiwilligen Anstrengung des Denkens und der Vernunft.
Gefeiert wird und zwar gleich mit Wein, fertig verwandelter Traubensaft vom Winzer.

Diese gottähnlichen Transformatoren nicht-alkoholischer Substanzen haben uns seit fast viertausend Jahren zum Jahreswechsel viel Freude bereitet; manchen auf dem Gaumen, einigen im Kopf.

Ob Christo mal so etwas Ähnliches an Transformation hin bekommt; wer weiß?

Aber sicher werden wir für ein Foto davon ordentlich in die Tasche greifen müssen. Bei dem paddelnden Griechen sieht es so aus, als käme er gerade vom Mittag und die Retransformation von Wein und Ouzo in seinem Magen hätte bereits begonnen; glücklicher Mann! Und wir haben ein Bild von diesem Wunder, ganz umsonst.

 Jahresrückblick OnGolf Kunst 2017

Viel Erfolg, viel Glück und beste Gesundheit im neuen Jahr 2018.

Und, vergesst nicht, eure Kunst und eure Ausstellungen zu verbreiten, indem ihr mir schöne JPEGs schickt. Sonst weiß nicht mal ich, was ihr so macht.

Süd-Afrika - JohannesburgA propos:

Bei einer ganzen Reihe von Suchbegriffen befinden sich (OnGolf) Künstlerinnen und Künstler im vorderen Ergebnis-Ranking bei Google. Sowohl bei „Bilder“ wie auch bei „Alle“. Etwa nach Eingabe von:

-zeitgenössische fotografie düsseldorf- Seite 2
-zeitgenössische kunst fotografie düsseldorf- Seite 2
-zeitgenössische malerei aus berlin – Bilder: Reihe 3
-zeitgenössische malerei aus deutschland: Bilder: Reihe 3
-zeitgenössische kunst aus deutschland – Bilder: Reihe 3
-zeitgenössische fotografie aus deutschland – Bilder: Reihe 46
-zeitgenössische landschaftsmalerei aus deutschland – Bilder: Viele auf dem ersten Screen

Außer bei Claudius Holzmann – Seite 2 – ergeben alle Namens-Sucheingaben OnGolf Seiten und Beiträge auf der ersten Ergebnisseite bei Google.

OnGolf intern: Siehe die aufgerufenen Seiten und Beiträge auf OnGolf der Häufigkeit nach rechts in der Sidebar.

Über Rieder

Oberbayer

Zeige alle Beiträge von Rieder

Ihr Kommentar

Ihre eMail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.