In den Venezuelanischen Anden

Kennen Sie Boconó?

Die Andenstadt Boconó.

Boconó ist eine Stadt mit ca. 80.000 Einwohnern im Südosten vom Bundesstaat Trujillo. Obwohl sie durchaus eine respektable Einwohnerzahl ausweist, ist Boconó doch eher eine ruhige Gemeinde und ein sehr guter Ausgangspunkt für einige spektakuläre Touren duch das sie umgebende Andengebiet.

Rückblick: Unsere Tour führte uns von Caracas über Barquisimeto nach Maracaibo und dann weiter nach Cartagena in Kolumbien und von dort zurück an der Westseite des Maracaibo Sees entlang nach San Cristobal über Mérida nach Bocono.

Die Gegend vor Barquisimeto ist überwiedend Argrargebiet, landschaftlich oft sehr schön mit hohen Tälern vor sanften Bergrücken und einer, damals ausgesprochen gastfreundlichen Bevölkerung.

„Den Wagen abschließen, warum?“ war oft die Frage der Einheimischen, wenn man zu einem Pabellón Criollo, vielleicht dem beliebtesten Nationalgericht, oder zu einem Ziegengericht,  sehr typisch für die Gegend um Barquisimeto, ausstieg.

Suchen Sie La Nova Grill oder ein anderes BBQ Restaurant auf. Verschiedene Fleichsorten und unzählige kleine Beilagen, Soßen und Würzen werden serviert. Dazu ein Polar und anschließend einen einheimischen Schnaps, der auf keiner Karte steht.

Spektakuläres Catatumbo Lightning am Maracaibo See

Catatumbo

Catatumbo MaracaiboMaracaibo und der See mit seinen Ölbohrtürmen, dem extrem trockenen Klima und Temperaturen, die in dieser heißesten aller venezuelanischen Städte mit ihren über 2 Millionen Einwohnern nie unter gefühlte 35 Grad sinkt, sind wahrlich keine Reise wert, es sei denn, es liegen seltsame intrinsische oder gewichtige Gründe für einen Besuch vor.

Aber wenn man schon mal da ist und man das Glück hat, das sagenhafte Naturschauspiel: Catatumbo Lightning zu erleben; das hat magische Momente – wenn über dem riesigen See nahe der Mündung des Catatumbo River unzählige Blitze den nächtlichen Himmel an fast jedem zweiten Abend in blau und violett erleuchten.

Viel zu kurzer Stopp im kolumbianischen Cartagena.

Cartagena KolumbienCartagena ist eine, vielleicht die schönste der südamerikanischen Kolonialstädte mit einem wunderschönen, komplett ummauerten alten Stadtzentrum mit Festungsring, dem berühmten Castillo San Felipe de Barajas, vielen Palästen, die im andalusischen Stil erbaut wurden und sehr gut erhalten sind.

Sehenswert das Viertel San Diego, auch Viertel der Händler genannt, und Bocogrande, ein Viertel auf einer Landzunge gelegen, wo sich die meisten Hotels der Stadt befinden.

Cartagena KolumbienLegendär das karibische Nachtleben in Cartagena de Indias und die Calle Arsenal mit schier unzähligen Bars und Diskotheken.

Ausprobieren sollten Sie auch die ganz spezielle touristische Erfindung, die rumba en chiva genannte Busparty, auf der meistens die für die Stadt typisch afrokaribische Musik der „Champeta“ gespielt wird; die ist aber auch über die ganze Altstadt verbreitet.

Getsemani, das Viertel der Handwerker, ist auch unbedingt einen Besuch wert. Und einfach durch die Stadt zu streifen ist, mal abgesehen von der weltweit verbreiteten Kleinkriminalität, die auch hier besonders in Form von Taschendienen zu finden ist, ohne größere Probleme möglich.

Leider war unsere Zeit in Cartagena sehr begrenzt; nehmen Sie mehr davon mit und bleiben ruhig eine ganze Woche dort.

Cartagena KolumbienMit besten Verbindungen nach ganz oben.

Angekommen in Boconó spät abends an einem Sonntag erfuhren wir gleich das Wesentliche, was das Leben in diesem Andenstädtchen ausmacht. Edicio, ein katholischer Priester, empfing uns umringt von einem Dutzend Novizen und einer ebensolchen Anzahl an Haushälterinnen, die gerade gemeisam eine Show im TV begeistert verfolgten, in der leicht bekleidete Tänzerinnen ziemlich elastisch in ihren nackten Beinen und Hüften ihr Können zum Besten gaben. Man lachte, scherzte, trank und war in echter ausgelassener Feierstimmung; na ja, war ja auch Sonntag.

Selbstverständlich übernahm Edicio die Organisation des Abendessens und zwar derart, dass er den Besitzer des besten Restaurants der Stadt, das natürlich schon geschlossen hatte, anrief und ihm drohte, ihn in die Hölle zu schicken, wenn er seine Gäste aus Deutschland nicht umgehend und gut bewirten würde. Desgleichen verfuhr er mit unserer Übernachtung im besten Hotel der Stadt, aber selbstverständlich diktierte er der Rezeption einen Preis, für den man selbst eher ein fensterloses Kellerzimmer in der schlechtesten Pension bekommen hätte.

Die Nacht im Restaurant wurde lang, die Kosten für essen und trinken für alle, also auch die gesamte Wohngemeinschaft von Edicio übernahm selbstverständlich der Restaurantbesitzer, der irgendwie glücklich aussah, ob wegen des Weins oder weil er durch die fraglose Befriedigung der priesterlichen Anforderungen dem Teufel noch einmal entkommen ist, haben wir nicht erfahren. Als wir nach einer Woche Boconó verließen, lehnte die Dame des Hotel, wahrscheinlich aus ähnlicher Motivation wie der Restaurantbesitzer natürlich auch ab, unser Geld entgegenzunehmen: Freunde von Edicio, oh, nein, die bezahlen hier nichts. Katholischer Priester in den Anden scheint kein schlechter Beruf zu sein.

 

 

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