Golfreisen: Lanzarote

Mensch und Natur

Impressionen vom ewigen Wandel.

Spanien - Kanaren - LanzaroteSpanien - Kanaren - LanzaroteHeraklit (* um 520 v. Chr.; † um 460 v. Chr.) erkannte damals schon, dass der Wandel oder das Werden wie er dies begrifflich fasste, etwa ist, was Menschen nicht verstehen können, jedenfalls nicht so, wie das Werden sich selbst vollzieht.
Das war die bis heute noch wichtigste und folgenreichste Erkenntnis und die ist – kaum verwunderlich – bis heute nicht von allen Menschen ansatzweise verstanden worden.
Heraklit lebte in Ephesos, einer Stadt in der Landschaft Ionien (heute westliche Türkei) gelegen, die im Altertum eine der ältesten, größten und bedeutendsten Städte Kleinasiens war und mit dem Tempel der Artemis (Artemision) eines der Sieben Weltwunder beherbergte.

In der Antike lag die Stadt direkt am Meer; durch Sedimentation sowie klimatische und seismische Veränderungen verschob sich die Küstenlinie im Laufe der Zeit nach Westen, so dass sich die Reste der Stadt heute mehrere Kilometer landeinwärts befinden.

Spanien - Kanaren - LanzaroteDer geologische Wandel vollzog sich bereits vor der Geburt von Heraklit, dauerte sein Leben hindurch und ist wohl auch bis heute nicht abgeschlossen. Aber nichts davon war seiner oder ist unserer Erfahrung zugänglich, allein Heraklit dachte das Werden als Wandel oder Veränderung in der Zeit, ohne dass die mit den Sinnen von Menschen wahrgenommen werden kann.
Dann kam Aristoteles und brachte uns bei, das Werden zu denken, indem wir Zeit rationalisieren und erfand gewissermaßen eine „Uhr“ für unsere zu schwachen Sinne. Von da an bis heute denken wir Werden, Wandel und Veränderung in zeitlichen Einteilungen von „Vorher“ und „Nachher“ – und dazwischen klemmt mehr oder weniger ausgedehnt unser „Jetzt“, unsere Gegenwart. Alles ist entweder schon vorbei oder noch nicht und die Gegenwart geht in die Tausendstel Sekunde genauso schnell wie in die unendliche Langeweile. Langeweile ist die Zeit, in der scheinbar nichts passiert, ist das „Nichts“, insofern es von einem Menschen erfahren wird.

Spanien - Kanaren - LanzaroteSpanien - Kanaren - LanzaroteEs gibt wohl kaum einen Ort auf der Welt, außer auf Island, wo so wenig passiert wie im Nationalpark Timanfaya (auch als Montañas del Fuego -Feuerberge- bezeichnet) und wo zugleich die Erfahrung des ewigen Werdens in der Natur offensichtlicher wird, als dort auf Lanzarote, wo die Kräfte der Erde in ständiger Dynamik Leben und Landschaften schaffen und verändern.
Kaum kann man die Uhr einstellen und vor dem nächsten oder nach dem nächsten Ausbruch der Vulkane präzise berechnen; Vulkane, so sagt man nicht zufällig, sind unberechenbar.
Lava kann sich mit der Geschwindigkeit von 1 cm pro 100 Stunden ausbreiten, pyroklastische Stürme mit 400 km pro Stunde, also fast doppelt so schnell wie die Startgeschwindigkeit eines Airbus A 380. Niemand also kann wissen, was wirklich passiert auf Lanzarote, wann Lava ihren Weg wohin suchen wird.
Allein zu Beginn des zweiten Teils der vierten Hauptphase der vulkanischen Aktivitäten auf Lanzarote kam es ab dem 1. September 1730 zu so schweren Vulkanausbrüchen, dass sich auf einer Strecke von 18 Kilometern schließlich insgesamt 32 neue Vulkane bildeten. Nach etrwa fünf Jahren hatten Lava und feste Auswürfe rund ein Viertel der Insel unter sich begraben, darunter die fruchtbarsten Böden der Insel. Auch von den 1.077 Haushalten waren über 200 direkt betroffen, mehrere Gehöfte und Dörfer wie etwa Santa Catalina, Tingafa, Mancha Blanca und Chimanfaya (heute Timanfaya) wurden völlig zerstört, viele andere von den Auswürfen der Vulkane beschädigt, so San Bartolomé, Conil, Masdache und Montaña Blanca. Das Gebiet mit den zusammenhängend meisten Vulkanen erhielt daher nicht zufällig den Namen Montañas del Fuego, Feuerberge.

Spanien - Kanaren - LanzaroteDann kam es zu sogenannten Sekundärfolgen der Vulkatätigkeit, von den wir wissen und auch nicht so richtig wissen, ob sie tatsächlich ursächlich allesamt waren.
Aber sie datieren ganz im Sinne der aristotelischen Uhr als vor und nach den Ausbrüchen und zeichnen ein historische Bild der Insel im Wandel.

So hatte vor dem Jahr 1730 Lanzarote nachweislich Weizen, Gerste und anderes Getreide in Überschuss produziert, es über Jahre hinweg eingelagert und damit als Kornkammer des Archipels andere kanarische Inseln versorgt.
Nun, nach den Ausbrüchen befürchtete die Inselführung, keine Arbeitskräfte mehr zur Verfügung zu haben, und so war es den Inselbewohnern anfangs unter Androhung von Strafe verboten, die Insel zu verlassen.

Bald aber reichte die Produktion selbst für die eigene Versorgung nicht mehr aus und es kam Ende 1731 erneut zu schweren Vulkanausbrüchen. Der Hälfte der Bevölkerung wurde es daher erlaubt, auf die Nachbarinseln Gran Canaria, Fuerteventura und Teneriffa auszuwandern.

1768 kam es zu einer Dürrekatastrophe, nachdem die Winterniederschläge mehrere Jahre lang ausblieben. Die Dürre forderte zahlreiche Tote, viele Bewohner wanderten auf die Nachbarinseln oder nach Kuba und Amerika aus; man sieht, die Vulkane haben Geschichte geschrieben.

Spanien - Kanaren - Lanzarote

Spanien - Kanaren - LanzaroteSpanien - Kanaren - LanzaroteGeschichte, sowohl auf der Insel als auch in der Kunst schrieb César Manrique (* 24. April 1919 in Arrecife, Lanzarote, Spanien; † 25. September 1992 in Tahíche, Lanzarote; vollständiger Name: César Manrique Cabrera). Er erreichte 1968 beim befreundeten Präsidenten der Inselverwaltung, Pepin Ramírez, dass kein Gebäude auf der Insel höher als drei Stockwerke – der Höhe einer ausgewachsenen Palme – gebaut werden durfte und setzte damit den Auswüchsen eines ungebremsten Massentourismus mit großen Bettenburgen auf Lanzarote klare Grenzen – die übringens danach von vielen anderen Touristen-Destinationen übernommen wurden. Lange Zeit gab es daher nur ein einziges Hochhaus in der Hauptstadt Arrecife, welches bereits stand, bevor die entsprechenden Gesetze griffen. Diese Entwicklung hat sich seit einigen Jahren zunehmend verändert, so dass in den Touristenhochburgen Costa Teguise, Puerto del Carmen und Playa Blanca in Richtung der Papagayo-Strände nun doch höhere Gebäude genehmigt wurden.
Manrique schlug auch für die Gestaltung der Häuser vor, sie generell weiß zu streichen und in Fischerorten deren Fensterläden, Türen und Gartenzäune blau und in landwirtschaftlichen Gegenden grün abzusetzen.
Was im ständigen Werden steckt, weiß man selten vorher und ergibt sich nicht selten aus einem Zufall. Als Manrique sich entschloss, an einer bestimmten Stelle in Tahiche sein Wohnhaus zu bauen, verzichteten die Besitzer des Landes auf eine Bezahlung, da sie es für wertlos hielten, baten Manrique sogar, sich so viel Land zu nehmen, wie er brauchte. Der Künstler entdeckte beim Bau des Hauses insgesamt fünf Lavahöhlen, die er ausbaute und zu verschiedenen Wohnräumen umgestaltete und hier wurde 1982 seine Stiftung gegründet.