Sardinien: Wissenswertes

Aus der Geschichte der Insel

Sardiniens reiche Geschichte von der Steinzeit bis heute.

Dom, SardinienEs heißt, dass Gott, als er mit der Erschaffung der Welt fertig war, von jedem Erdteil das, was ihm am besten gefiel, nahm und es ins Mittelmeer warf.
Um dieses Konglomerat aus Schönheit zu festigen, trat er mit dem Fuß darauf und es entstand “Gottes Fußabdruck” – Sardinien. In der Tat macht es Sinn, Sardinien ist schön, wunderschön! Dieser eigene kleine Kontinent im Thyrrenischen Meer beherbergt die beeindruckendste und vielfältigste Natur des Mittelmeers. Es gibt so vieles zu entdecken und jedes mal ertrinkt man schier in der Schönheit des Erlebten. Ob es die Berge sind, oder die unglaubliche Küste – Sardinien ist keine Insel für 14 Tage Sommerferien. Sardinien ist eine Leidenschaft, ein Rausch an Farben, Erlebnissen und unwiederbringlichen Eindrücken, die einen fesseln und für lange Zeit nicht mehr loslassen.

Geschichte

Sardinien 4000 Jahre altes Zeugnis Sardischer Kultur. Durch die Abgeschlossenheit vom Festland hat Sardinien schon sehr früh eine Eigenständigkeit entwickelt, die erst durch die verschiedenen Eroberer, die übers Meer kamen, beeinflusst wurde. Der Umstand, dass Sardinien eine Insel ist, lässt natürlich darauf zurückschliessen, dass die ersten “Sarden” selbst übers Meer kamen.

Die ältesten Funde von Steinwerkzeugen werden auf etwa 170.000 Jahre v. Chr. datiert.
Jedoch lassen archäologische Funde in der Grotta Corbeddu bei Oliena, die etwa 35.000 Jahre alt sind, auf eine tatsächliche, altsteinzeitliche Besiedelung Sardiniens schließen. Zu dieser Zeit waren Korsika und Sardinien noch eine große Insel, die nur durch einen relativ schmalen Kanal von der toskanischen Küste getrennt war.

Bereits 4000 Jahre v. Chr. hatten die Sarden eine hohe, eigenständige Kultur erreicht. Funde von Keramiken, Grabbeigaben und Werkzeuge, die alle eine gleiche Auffassung von Stil aufweisen, belegen das eindrucksvoll.

Zu dieser Zeit bestattete man die Toten in einfachen Felsengräbern, den “Domus de Janas”, die man auf der ganzen Insel bewundern kann. Später wurden regelrechte Wohnungen aus den Felsen gehauen. Diese zum Teil reich verzierten Anlagen wurden bis zum Beginn der Nuraghenkultur im 2. Jahrtausend v. Chr. genutzt. Nuraghen sind über ganz Sardinien verstreut. Man streitet sich heute immer noch, wozu sie den Nuraghern dienten. Es gibt sie in verschiedenen Größen, von einzelnen kleinen Türmen, bis zu Nuraghenburgen mit Verbindungsmauern, die man vor allem in der Provinz Nuoro bestaunen kann.

Geschichtlicher Überblick.

Sardinien1000 v. Chr. erreichen phönizische Siedler die Küste Sardiniens und gründen Siedlungen. Die nuraghische Urbevölkerung wird ins Landesinnere zurückgedrängt.
540 v. Chr. folgen die Punier und übernehmen die wichtigsten Häfen.
46 v. Chr. wird Sardinien römische Provinz. Aufstände der Nuragher wurden blutig niedergeschlagen.
330 n. Chr. treffen erste Missionare auf Sardinien ein.
455 n. Chr. läutet das Ende der römischen Herrschaft durch die Vandalen ein.
534 n. Chr. fällt Sardinien an Byzanz.
711 n. Chr. landen die ersten arabischen und sarazenischen Piratenschiffe an Sardiniens Küsten. Byzanz zieht sich im Jahre 900 n. Chr. zurück.
1015 n. Chr. gelingt es Sardinien, unterstützt durch die beiden Seerepubliken Pisa und Genua, die Vorherrschaft der Sarazenen zu beenden und sie von der Insel zu vertreiben.
11. Jh. n. Chr. Pisaner im Süden und Genuesen im Norden festigen ihren Einfluss auf Sardinien. Kirchenbauten dokumenttieren den Einfluss der beiden Festlandsmächte.
1297 n. Chr. Papst Bonifazius VIII. überträgt dem Spanier Jacob der II. von Aragon Sardinien als Lehen.
1323 n. Chr. beginnt die spanische Invasion der Insel. Unter spanischer Flagge wird Sardinien systematisch ausgebeutet und unterjocht.
1395 n. Chr. wird mit der “Carta de Logu” zum ersten Mal in sardischer Sprache ein Zivil- und Strafrechtsbuch verfasst. Für die Sarden ist dies der Beginn einer eigenständigen Identität.
1400 n. Chr. Krasse Gegensätze zwischen den städtischen Küstenorten und dem wilden Bergland lassen den “Banditismo” entstehen. Die Barbagia wird durch das Recht des Stärkeren verwaltet.
1718 n. Chr. setzt der spanische Erbfolgekrieg der mehr als 450jährigen spanischen Herrschaft Sardiniens ein Ende. Sardinien geht an die Herrschaft von Piemont-Savoyen über.
1814 n. Chr. wird Sardinien zum Savoyer Exil, nachdem Napoleon die Savoyer aus Turin vertrieb.
1861 n. Chr. Einigung Italiens unter Vittorio Emanuele II. von Sardinien-Piemont.
1914 -1918 n. Chr. Die sardischen Soldaten zeichnen sich als besonders tapfere Kämpfer im zweiten Weltkrieg aus und fordern die regionale Unabhängigkeit Sardiniens.
Sardinien1926 n. Chr. geht der Literatur-Nobelpreis zum ersten Mal an Italien. Die sardische Schriftstellerin Grazia Deledda bekommt ihn.
1930 n. Chr. wird Carbonia als Musterstadt der sardischen Kohleförderung von Mussolini aus dem Boden gestampft. Sie soll Italien von ausländischen Kohlelieferungen unabhängig machen.
1939 n. Chr. wird Sardinien mit Ausbruch des 2. Weltkrieges zum wichtigen Militärstützpunkt.
1943 n. Chr. zerstören Bombenangriffe der Alliierten 75% von Cagliari.
1948 n. Chr. wird Sardinien zusammen mit Südtirol zur autonomen Region Italiens erklärt.
1960 n. Chr. kauft der Ismaelitenprinz Karim, Sohn des Aga Khan zusammen mit einem Konsortium Großindustrieller 5000 ha Land im Norden Sardiniens, um hier die Idee des Nobeltourismus zu verwirklichen.
1969 n. Chr. verhindern Bauern und Hirten um Orgosolo den Bau eines Natostützpunktes auf dem Pratobello.
1974 n. Chr. Oristano wird Provinzhauptstadt.
1977 n. Chr. wird der sardische Autonomiestatus, vor allem im kulturellen Bereich, erweitert.
1989 n. Chr. schränkt ein Gesetz des sardischen Parlaments die ausufernde Küstenbebauung ein.
2004 n. Chr. Der Gründer des Telekommunikationskonzerns Tiscali, Renato Sorgu des Mitte-Links-Bündnisses “Sardegna Insieme” gewinnt die Regionalwahlen. Er erlässt mehrere Gesetze zum Schutz der Insel. U.a. wird beschlossen, dass alle Bauvorhaben in einem 2km breiten Streifen um die Küste gestoppt werden und keine neuen Genehmigungen mehr erteilt werden.
2005 n. Chr. wird bei den Provinzwahlen die Einrichtung der vier neuen Provinzen Olbia-Tempio (OT), Ogliastra (OG), Carbonia-Iglesias (CI) und Media-Campidano (MD) von der Bevölkerung angenommen. Damit ist die Insel jetzt in vier statt, vorher in acht Provinzen unterteilt.
(Quelle: Polyglott Sardinien, Wolftraud de Concini u. Dr. Reiner Pauli.)

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