Oman – Rundreise Teil 3

Nizwa – Jebel-al-Akhdar – Bahla – Misfah

Nizwa - Oman8. Die lange Fahrt nach Norden – Nizwa (26./27.11.)

900 km sind von Salalah nach Nizwa zu bezwingen. Ganz pünktlich um 6 Uhr verlassen wir das Hotel ohne Frühstück und finden ohne Probleme den Weg zur richtigen Straße, den wir allerdings vorher ausgekundschaftet haben. Zunächst geht es durch das Dhofar-Gebirge, das Weihrauchland. Unerwartet für uns ist die starke Taubildung, die auch eine ganze Weile die aufgehende Sonne vernebelt.

In weiter Ferne sind Plantagen zu erkennen, wahrscheinlich Weihrauchbäume. Ab Thumrayt geht es dann immer fast schnurgerade durch eine gänzlich flache Wüste – mal Stein- mal Sandwüste, die ar-Rub al Khali, die sich bis nach Saudi-Arabien ausdehnt. Nur ab und an unterbrechen kleine Hügel oder Sanddünen die Eintönigkeit, noch nicht einmal Kamele säumen die Straße. Sehr schnell gerät man in die Situation, eine Fata-Morgana zu sehen: das Straßenschild oder der Hinweis auf die Tankstelle erweist sich z.B. als ein LKW, der in einiger Entfernung vor uns herfährt. Die Befürchtung, dass uns das Benzin ausgeht, bestätigt sich zum Glück nicht; es sind noch 13 Liter im Tank, als wir die Tankstelle endlich erreichen. Aber unser Plan, so früh wie möglich aufzubrechen, um Nizwa noch am Nachmittag zu erreichen, ist aufgegangen. Gegen 16 Uhr erreichen wir das Hotel Al Diyar, an zwei verkehrsreichen Hauptstraßen gelegen, aber immerhin mit Swimmingpool.

Am nächsten Vormittag besuchen wir den Tiermarkt in Nizwa. Das Wagen- und Tiergetümmel vor dem Eingang des Souqs ist so bedenklich, dass wir hier die Parkplatzsuche schnell aufgeben und auf der anderen Seite der Straße parken. Insgesamt ist die Altstadt mit den Ladengassen und dem Fort aus Lehm sehr schön angelegt. Auf dem Tiermarkt werden die Ziegen, die Rinder und die Kamele im Kreise herumgeführt, so dass die möglichen Käufer Gelegenheit haben, die Tiere in Bewegung zu betrachten.

Nach unserem Besuch auf dem Fort schlendern wir durch die Ladengassen, halten nach unbekannten Gemüsesorten Ausschau (finden auch Okra), kaufen Dattelsirup und eine hübsche blaue Schale. Ein bisschen außerhalb der Ladengassen laufen wir an Lehmhäusern vorbei, die auch noch z.T. bewohnt sind. Besonders prächtig sind die Gärten mit den Dattelpalmen. Am Nachmittag besichtigen wir Al-Faiqain und Manah, zwei Lehmbausiedlungen, die aber leider verlassen und weitgehend dem Verfall preisgegeben sind. Lediglich ein Lehmturm ist restauriert, aber nicht zu besichtigen. Das Abendessen im Hotel trifft genau unseren Geschmack und ist zudem auch noch recht günstig.

Die erste Etappe im Jebel-al-Akhdar (28./29.11.)

Jebel Akhdar, OmanAuf dieser Fahrt gelangen wir nun richtig ins Gebirge; nach einer steilen Auffahrt erreichen wir das Hotel Sahab, aus Naturstein gebaute Einzelpavillons mit einem fantastischen Blick auf die Berge und die tiefer gelegenen Täler. Dieses Panorama wird jedoch noch übertroffen von dem höher gelegenen Alila-Hotel; das Hauptgebäude und die einzelnen Villen, von außen mit Schieferstein belegt, passen sich exakt in die Landschaft ein. Der Blick hinab in die Schluchten ist noch grandioser. Die Einrichtung im Hauptgebäude ist zurückhaltend, aber zugleich sehr ausgewählt. Ausgewählt sind auch die Preise: wir haben uns zwei Fruchtsäfte für 20 Euro gegönnt.

Al Ayn, OmanAm frühen Nachmittag besuchen wir das Bergdorf Al Ayn. Die Gebäude, eng miteinander verbunden, schmiegen sich an den Berghang an, ebenso die kleinen Gärtchen. Bei unserem Rundgang können wir sehr gut die Anlage der landwirtschaftlichen Terrassen sowie das Bewässerungssystem beobachten. Überall wird gearbeitet, ein älteres Ehepaar trägt den Ernteertrag zusammen.

Die Arbeit an diesen Steilhängen muss sehr hart sein. Die Leute begrüßen uns freundlich und weisen uns den Weg. Die Fahrt in ein weiteres Dorf, in dem vor allem Granatäpfel angepflanzt werden, können wir nicht beenden, da die Piste zu schlecht (vor allem zu sandig) wird und der Weg dorthin doch noch sehr weit zu sein scheint. Kaum ist die Sonne verschwunden, wird es richtig kühl – im Zimmer und auch draußen. Zum Glück ist die Klimaanlage zugleich als Heizung zu benutzen, die wir dann auch die ganze Nacht laufen lassen. Das Abendessen im Hotel ist zwar lecker, aber leider überteuert. Zudem wird die abendliche Stimmung durch das ständige Geschrei kleiner Kinder gestört, die sich gegenüber ihren Eltern (zwei Familien aus Dubai) alles erlauben dürfen.

Am nächsten Tag besuchen wir das Wadi Bani Habib. Viele Stufen führen in das Wadi hinab, es ist sehr grün und wunderbar still. Dagegen wird in einem weiteren benachbarten Wadi gebaut; wir können nicht feststellen, leider auch nicht erfragen, ob es der Bau einer Wasser- oder Abwasserleitung ins Tal ist. An diesen zerklüfteten Hängen kann die Arbeit nicht mit Maschinen durchgeführt werden; wir sehen, dass Arbeiter schwere Säcke nach unten schleppen. Zugleich wird uns klar, dass der Einsatz von Maschinen nur zur Zerstörung des recht ursprünglichen Wadis führen würde.

OmanDanach besuchen wir noch zwei weitere Orte – al Manakhir und Sallut. Vor allem in al Manakhir wird deutlich, dass diese alten Orte behutsam restauriert werden. Fraglich ist jedoch, ob sie überleben können, denn wir treffen vorwiegend ältere Bevölkerung an. In Sallut treffen wir – nach rasant steiler Abfahrt – auf Kinder, die aus der Schule kommen. Sie zeigen uns ihre Hefte; auf den Versuch eines kleinen Gesprächs reagieren sie aber doch mit Scheu. Auch die Lehrerin schaut kurz vorbei.

Im Hotel zurückgekehrt nutzen wir das Warmwasserbecken in der schon recht kühlen Luft. Zum ersten Mal zeigen sich auch drohende dunkle Wolken am Himmel. Im Dorfrestaurant, das wir schon vorher ausgekundschaftet haben, bekommen wir Hühnchen, Dal des Tages, Reis und Fladenbrot, was uns richtig aufwärmt. Das Restaurant scheint beliebt zu sein; sowohl Gäste, die dort essen, wie auch solche, die das Essen nur abholen, geben sich die Klinke in die Hand. Im Hotel ist es uns am Abend zum ersten Mal auf dieser Reise zu kalt, so dass uns nichts weiter übrig bleibt als unter die Bettdecke zu kriechen. Auch am nächsten Morgen umfangen uns Kälte und Tau, die in das Zimmer „gekrochen“ sind.

10. „Geburtstagsfeier“ von Reinhard im Hotel „The View“ (30.11.)

 Da es in der Nacht geregnet hat, erleben wir zum ersten Mal, wenn Wadis mit Wasser angefüllt sind. Vor und hinter dem Wadi warten etwa jeweils fünf Wagen, da sie die Durchfahrt durch das Wasser nicht riskieren können. Mit unserem Riesenauto (Nissan Pathfinder) haben wir da zum Glück keine Probleme.

Unser nächstes Ziel, das Fort (ebenfalls aus Lehm gebaut) hat ziemlich große Ausmaße und beherbergt in seinem Inneren viele kleine Gebäude mit verwinkelten Zimmern, Gängen und Treppen; im Schatten und dort, wo die Luft durchstreift, ist es angenehm kühl im Gegensatz zu den sonnenbeschienenen Außenanlagen. Vom Fort geht es weiter zum Schloss Jabrin. Auch hier durchstreifen wir die verwinkelten Säle, Zimmerchen, Treppen, Küchen etc. Die Ausstattung lässt uns ein bisschen das ehemalige Leben in der Bibliothek, den Festsälen, den Frauengemächern und in der Moschee erahnen.

Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Weg zur nächsten Hoteletappe. Man kann die Hotelanlage schon von weit unten im Tal sehen, denn sie ist hoch oben an einer langen, gut einsehbaren Bergwand angelegt – sie sieht aus wie angeklebt. Auch hier wohnen wir wieder in einem kleinen, recht gut eingerichteten Pavillon. Der Blick ins Tal und auf die gegenüberliegenden Berge ist fantastisch, zumal da die Fenster über die gesamte Front des Hotelzimmers reichen, sogar vom Bad aus hat man die gleiche Aussicht. Trotz Wolken und kühlem Wetter nehmen wir ein Bad im Warmwasserbecken; es ist so angelegt, dass man den Eindruck hat, am Ende des Beckens direkt ins Tal zu fallen. Ein nettes Geburtstagsabendessen beschließt den Tag.

11. Zum höchsten Punkt unserer Reise (01.12.)

OmanNach einem ausführlichen Frühstück verlassen wir „The View“ und besuchen zunächst das Bergdorf Misfah. Auch dieses Dorf ist dicht am Hang gebaut. Die Lehm- und Natursteinhäuser sind ineinander verschachtelt. Für die Touristen hat man einen kleinen Rundweg angelegt. Auch hier können wir wieder das Bewässerungssystem bewundern. Die Wasserläufe sind von Palmen umstanden. Alles strömt Frische aus. Z.T. ist dieses Bergdorf schon restauriert; anhand des Parkplatzes weiter unten ahnt man, dass künftig mit mehr Touristen gerechnet wird.

Von Misfah aus machen wir uns auf den Weg zum Jebel Shams Resort unterhalb des 3000 m hohen Jebel Shams. Bereits auf der Asphalt-Strecke geht es sehr steil hinauf, die anschließende Piste ist mal mehr und mal weniger gut ausgebaut. Das letzte Stück zum Resort führt dann wieder über eine Asphalt-Straße. Die Felswände wie auch die tief eingeschnittenen Schluchten sind eindrucksvoll. Im Resort werden wahlweise Pavillons mit Feuerstelle für Großfamilien und kleine Pavillons aus Naturstein, aber auch Militärzelte bzw. Stellplätze für private Zelte angeboten. Wir sind zum Glück im Pavillon untergebracht, denn trotz Sonnenschein ist die Luft kühl; in der Nacht sind die Temperaturen einstellig.

Auf unserer kleinen Nachmittagstour schauen wir tief in das zerklüftete Canyon, der Blick in die Tiefe erinnert an einen Vulkan. Noch einmal „rumpeln“ wir über die Piste auf der Suche nach einem weiteren Aussichtspunkt, finden aber keinen, der so spektakulär ist wie derjenige nahe am Resort. Am Abend wärmt uns das leckere Essen von innen; der effektive Heizlüfter im Zimmer tut ein Übriges.

 

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