Bernard Lokai

Was vielleicht noch so aussieht wie Landschaft.

„Konkrete Räume engen ein“

Lokai

Ist Landschaftsmalerei heute noch möglich? Während täglich Millionen Landschaftsbilder in Digitalkameras entstehen? Ist Malerei als eine, durch den Künstler authentisch gewordene Auseinandersetzung und Verabeitung von Natur überhaupt noch möglich?

Sicher, Lokai schaut hinter die „Ideologie“, hinter unsere mentalen und perzeptorischen Gewohnheinten, aber so einfach macht er uns das nicht, dass dort dahinter ein ideologiefreier Raum, eine wahre Natur, ein klischee-enthülltes Motiv wäre, das der Künstler qua Authentizität vermag, uns sehen zu lassen.
„Quatsch“, würde Bernard Lokai sagen.

Aber diese Maßgabe käme, engstirnig und nachhaltig gedacht, mithin einem Bilder-, ja einem Malverbot gleich. Wie also kann man Landschaften malen, wenn es keine Landschaften mehr gibt? Wie kann man malen, wenn Malerei grundsätzlich auf dem Prüfstand steht? Oder in einem ganz anderen Kontext sagte Adorno: Nach Auschwitz sind keine Gedichte mehr möglich.“
Wenn also so viel der Auseinandersetzung mit unseren Vorstellungen von der Natur geschehen ist, wenn Technik Natur nur noch unter Produktivitätsmaßgaben kennt, wenn menschliche Geschichte auch vor abgrundtiefster Gewalt und Verachtung des Lebens keinen Einhalt findet, gibt es dann noch ein unbeschädigtes Wesen, eine wahre Idee der Natur?

Wer sich mit Bernard Lokai auseinandersetzt, kommt um solche Fragen nicht herum. Mehr noch, er kommt um das Fehlen distinkter Antworten nicht herum, was erheblich schwerer wiegt. Lokai malt daher auch keine Landschaften, sondern stellt Landschaften her. Mit Farbe, Farbverläufen und gelegtlich Schwarz als zähmendes bis beherrschendes Element.

So entstehen Gebilde, die uns annehmen lassen, dort auf der Leinwand ist eine Landschaft zu sehen. Meist geht sein Mißtrauen gegenüber den eigenen Gebilden sehr weit. Der Prozeß seiner Malerei wird zum eigenständigen Prozess des Übermalens und Übermalens, bis etwas dasteht, „was vielleicht noch so aussieht wie Landschaft, aber etwas davon Losgelöstes ist.“ (B. Lokai). Und dabei meint er keinesfalls eine wahre Idee von Natur, ein Bild, das der geniale Künstler in sich trägt und dann hervorbringt; oh no!

Bernard Lokai, Ehre an GianbattistaUnd so geht er auch mit Licht und Weite um. Licht ist wie Weite, ist wie Leere und alle seine, von den vertrauten empirischen Dimensionen losgelösten Thematiken entstanden. Indem Lokai die Abstraktionen in Verlaufe seiner Auseinandersetzung durch eine Phase der monchromen Gegenstandslosigkeit in eine neue Dimension übertragen hat, dahin, wo wir noch die Schönheit des Lichts, die Grenzenlosigkeit von Weite simulieren, uns solcher Illusionen hingeben können, aber auch die Verlorenheit des Menschen in seiner undurchdringlichen, ihm verschlossenen Welt, erkennen wir vielleicht noch durch die Sehnsucht und den Verlust unsere Metaphysik von Wahrheit und Schönheit.

Bernard Lokai. Bitte weiterlesen auf Seite 2.

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