Jahresrück- und Ausblick 23/24 - Seite 2

Mit ökonomischen Absichten

Nullwachstum wird die neue Normalität.

Köln im Jahr 1945

Köln im Jahr 1945Köln im Jahr 1945Köln im Jahr 1945 Nun klagen wir, sind wir doch auch in dieser Angelegenheit Weltmarktführer. Unsere Wirtschaftsweisen und andere großen Geister starren weiter auf die Kennzahlen und konstatieren: Nach 1967, 1975, 1982, 1993, 2002, 2003, 2009 und 2020 war 2023 das neunte Jahr in der deutschen Nachkriegsgeschichte mit sinkender Wirtschaftsleistung. Sie müssen natürlich einräumen, dass eine statistische Dekade stets zuviel des Guten resp. Schlechten aussagt und konstatieren, dass die deutscheVolkswirtschaft solche gesamtwirtschaftlichen Verluste meist rasch aufholen konnte; selbst nachdem bislang stärksten Einbruch im Winter 2008/09. Infolge der Finanzkrise kam es nach dem tiefen Schock zu einer raschen Gegenbewegung, die schließlich in einem langen und beschäftigungsintensiven Aufschwung mündete.

Wie das? Waren wir doch gerade eben noch schockiert von einer sechzig-jährigen Rezession? Wie kommt es, dass dieselben Ökonomen, die gerne auf allen relevanten Feldern der Wirtschaft von Aufschwung und Rezession, also Schrumpfung der Wirtschaft sprechen, bei langanhaltender Schrumpfung dann von einer „goldenen Dekade“ sprechen, die 2018 gegendet haben soll? Da hatten wir ein Wachstum zwischen 3% und 4%, was ja recht ordentlich ist für ein entwickeltes Industrieland, gleichwohl aber in einer, auf Zahlenevidenz basierenden, empirisch genannten Blickrichtung im Strudel einer Abwärtsbewegung stattfand; was ist also nun?

John Maynard Keynes nannte das Konjunktur und meinte damit auch konjunkturelle Schwankungen, also Phasen von Wachstum und Schrumpfung; unvermeidliche Phasen, jeder Marktwirtschaft immanent. Was der große Engländer weniger betrachtete – was er eher ahnte als konsequent theoretisch und empirisch zugleich verfolgte – war, dass damals alles in der Ökonomie bereits ein anderes „Framing“ hatte und zuerst die Internationalisierung industrieller Prozesse meinte. Für Deutschland war ein Fenster in die USA, ein anderes, weit größeres, nach Europa geöffnet. Aber internationalisiert wurden nicht nur Produktions- und Beschaffungsprozesse, Energiehandel und Logistik, selbst der Tourismus war davon betroffen. Vor allem wurden Kapital und Arbeit internationalisiert. Jenes auf den internationalen Finanzmärkten, vornhemlich auf den Aktienmärkten, die Arbeit lernte Gastarbeiter kennen.

Dann kam die Phase der Globalisierung, was heißt, dass alle relevanten Felder der Wirtschaft in Form transnationaler Kooperationen funktionierten, sei es im globalen Austausch von industrieller Fertigung, Verlagerung von Massenproduktion und deren logistische Infrastrukturen ins Ausland, hauptsächlich in die Volksrepublik China (VRC). Nur die USA blieben unbeschadet auf der Arroganz ihre Selbstgenügsamkeit sitzen, reichte ihnen doch die Autarkie ihres Binnenmarktes.

China übernahm alles, produzierte fast alles, was auf der Werkbank der Welt Platz fand, und dies zu unschlagbaren Preisen und Mengen. Die VRC wuchs und mit ihr vornehmlich europäische Exportländer. Deutschland lieferte, was die VRC nicht hatte, aber brauchte: Autos, Maschinen, chemische Produkte und vor allem Automatisierungstechnik. China nahm dankend an und machte aus der Globalisierung der Wirtschaft ein ökonomisch überzeugendes Geschäftsmodell, dem die Kommunisten in der Partei gleich ein repressives Politik- und Gesellschaftsmodell anfügten. Aber damit nicht genug, die VRC meldete im lang anhalten Erfolg ihre Ambitionen an, sichtbar und laut vernehmlich am Projekt Seidenstraße und der Proklamation der militärischen Einverleibung Taiwans.

Köln im Jahr 1945In dieser Zeit also sank im Rest der Welt das BIP, wurde sie zunehmend abhängig vom Wachstum der VRC und den Energie- und Rohstoff Lieferanten, vornehmlich die Golfstaaten und die Sowjetunion – die gab es ja noch. Gleichzeitig mit der vermeintlichen Rezession stiegen die Aktien- und Finanzmärkte ins Unermessliche. Die City of London, die Walstreet in NYC und der weltgrößte Options- und Futures Markt der Welt in Chicago. Neben der Chicago Board of Trade, der weltgrößten Börse für Rohstoff-Futures und Optionen auf Rohstoffe (CBOT), beheimatet die Stadt am Michigan-See auch noch die „Chicago Board Options Exchange“ (CBOE) und die „Chicago Mercantile Exchange“ (CME); aber beiben wir in London, New York und bei der CBOT in Chicago. Heute in der CME Group zusammengefasst werden dort vor allem Futures und Optionen auf so unterschiedliche Commodities (Rohstoffe) wie z. B. Kupfer, Wolle, Zucker, Schweinebäuche, Rinder, Zinn, Aluminium und Holz gehandelt, aber auch Optionen und Futures auf Aktienindizes gehören mittlerweile hier zu den Commodities. Im September 1999 bot die CME auch erstmals Wetterfutures und Optionen auf Wetterfutures an und gehört damit zu den Vorreitern in diesem Börsensegment; uns schwandt dabei ein unvorstellbares Horrorszenario in naher Zukunft.

Bitte lesen Sie weiter auf Seite 3: Rettung in die Verschuldung.

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