Jahresabschlussfeier 2025

Senioren im Golfclub Hubbelrath

Golf Club Hubbelrath - DüsseldorGolf Club Hubbelrath - DüsseldorNicht ganz alltäglich.

Es war eigentlich wie immer. Viele waren gekommen, um dem Jahr einen würdigen Abschluss zu bereiten. Etwa die Hälfte aller Mitglieder der Seniorengruppe nebst Gattinnen, ein paar Witwen, ein paar Witwer und, ganz selten, auch ein paar Singles.

Das Bistro begrüßte mit Sekt am Empfang und mit einem prachtvollen Weihnachtsbaum, prachtvoll im Wuchs, dezent reduziert beim Schmuck. Die Küche servierte wie stets ein hervorragendes Menü, der Wein soll sehr gut gewesen sein, so sagte man mir.

Nach dem zwanglosen Begrüßungstrunk, der Vorspeise und dem Hauptgericht, trat Bernd ans Mikrofon zu seiner obligatorischen, alljährlichen Besinnungsrede, diesesmal zum Thema: Beschwerden.

Ein paar Sätze weiter, regten sich bei den ersten aus dem Auditorium schon Bedürfnisse nach derselben, kleine Laute des Unmutes ob der Redezeit, die einigen von der eigenen Lebenszeit zu viel zu verbrauchen schien, schwangen sich bald zu einem vielstimmigen Choral auf – es waren ja viele im fortgeschrittenen Alter hier und es war, als hätten einige ihre gute Kinderstube, so eine vorhanden gewesen, vergessen oder als wäre ihnen gerade in diesem Moment das Bild vom ablaufenden Stundenglas  in den Sinn gekommen; das Ur-Bild der Vergänglichkeit.

Golf Club Hubbelrath - DüsseldorGolf Club Hubbelrath - DüsseldorGolf Club Hubbelrath - DüsseldorBis auf dieses außerordentliche Ereignis verlief alles dann weiter wie immer. Die Siegerehrung mit den fast schon identisch wiederkehrenden Jahressiegern und dem obligatorisch höchsten aller Preisträger, der dann einen Teller mit zwanzig Einträgen seines Namens entgegennahm, die abschließenden Würdigungen der Küche und, dieses Mal neu, der Überreichung eines Dankes-Gutschein für die drei leitenden Personen der Seniorengruppe, der sie auf Kosten der Mitglieder zum Diner ins Prinzinger, natürlich in Begleitung der Gattinnen, führen wird. So weit fast wie immer.

Nur für mich war es nicht so. Denn dieser Jahresabschluss war für mich der letzte einer langen Reihe. Spontan kam mir beim Betreten des Bistros in diesem Jahr der Satz in den Sinn: wie doch die Zeit vergeht! Vor schon Jahrzenten mittlerweile war ich dem Club beigetreten, hatte die Altersstufen der Herrenmannschaften durchlaufen, bin also mit ihnen älter geworden und einigen von ihnen dann in den Seniorenkreis gefolgt. Wie die Zeit vergeht, spürt man nicht gleich mit aller Dramatik, aber der Schritt von den Herren zu den Senioren kündet schon an, was mehr und mehr einen beschäftigt: die Vergänglichkeit.

Sic transit gloria mundi.

Vanitas, wie der Lateiner sagt, ist eins der ältesten Motive der Literatur- und Kunstgeschichte, die Vergänglichkeit und Nichtigkeit alles Irdischen begegnet uns nicht nur als ein Thema zeitgenössischer Kunst, hier aber recht sinnfällig. Im Spätwerk von Jean Tinguelys ‚Mengele – Totentanz‘ wie bei Damien Hirst, der das Vanitas Thema mit seinen Werken Cow, Shark und anderen in Formaldehyd präparierten und in Riesentanks ausgestellten Tierkadavern zitiert, explizite natürlich mit Skull, dem zum börsentauglichen Glitzerschädel mutierten Totenkopf aus Platin und Diamanten, 75 Millionen US-Dollar gewertet, mehr als die meisten zu Lebenzeiten erreichen.

Monika M. Seibel - Kunstfotografin

Monika M. Seibel Fotografie

Oder Andy Warhol, dessen nichtige, serielle Kunst-Sujets gegen den überhöhten Wertanspruch der Kunst des 20. Jhd. antraten. Oder Prof. Lüpertz, dessen offen zur Schau gestellte Eitelkeit gleichsam als lebenszeitlange, kostenlose Dauerleihgabe zu seinen Werken vergänglicher Gottheiten imponiert. Es könnte endlos so weitergehen und dabei hätten wir nicht einmal die Literatur berührt.

Golf Club Hubbelrath - DüsseldorGolf Club Hubbelrath - DüsseldorGolf Club Hubbelrath - DüsseldorIch schaute mich um in dem sich füllenden Raum des Bistros und dachte bei mir: dich werde ich wohl eher nicht mehr sehen, dich vielleicht, dich sehr gerne wieder und folglich nurmehr als Gast, nicht als Mitglied mehr.

Unweigerlich musste ich an die denken, die die Seniorengruppe für immer schon verlassen haben, und jene, die um eine Widerkehr kämpfen; so wie ich, dessen Quittierung der Mitgliedschaft auf banale Gründe zurückführt: die Gesundheit. So banal auch die Gründe sein mögen, die Folgen sind es nicht.

War es zur Gewohnheit geworden, mittwochs zum Turnier und freitags zum Seniorentreff auf dem Westplatz zu erscheinen, so fällt dies nun der Zäsur zum Opfer. Wie auch die vielen kleineren und längeren Gespräche mit dem ein und dem anderen Mitglied, die vielen Lebensgeschichten, die mir begegnet sind, natürlich auch und zunehmend die Erkrankungen, Einschränkungen medizinischer und physiologischer Art.

An mancher Manifestation biologischer Vergänglichkeit hatte ich so meine Grenzen gefunden, wenn das Gedächtnis oder gleich das gesamte Bewusstsein plötzlich perdu gegangen war und der Mensch, der vor nicht allzu langer Zeit noch bei bester, geistiger Gesundheit war, nun sich aus dem Kreis der betagteren Golfer und Golferinnen verabschieden musste. So geht sie dahin, die Zeit, unmerklich aber leider und nicht selten mit erschreckenden, biologischen Manifestationen, manchmal geschieht der Abschied aber auch geräuschlos oder sehr leise.

Ein Gefühl der Dankbarkeit begleitete das letzte Händeschütteln am Abend, das letzte „Tschüß und ein schönes Wochenende“ gegenüber denen, die mir in den letzten Monaten gute Besserung gewünscht und Mut zugesprochen hatten. Ich hoffe, sie bald wiederzusehen, wenn auch nur als Gast. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, irgendwann in ein-zwei Jahren vielleicht doch wieder einen der beiden Plätze spielen zu können und freue mich schon auf den Flight und den Fight mit den Ehemaligen; ich wünsche euch alles Gute, beste Gesundheit und nehmt den Drive in die Büsche nicht gar so Ernst.

Golf Club Hubbelrath - Düsseldor

Frohe Weihnachten und einen guten Start in ein rundum glückliches und gelungenes neues Jahr 2026.
Franz

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