Essen

Industriestandort in Nordrhein-Westfalen

Herzkammer der deutschen Montanindustrie

Folkwang Museum - Essen - Nordrhein-WestfalenWer nach Essen kommt, denkt nicht zuerst an Golf, obwohl im Umkreis von 15km elf und im Umkreis von 20km 21 Golfplätze zu finden sind – geben Sie die PLZ: 45127 in unseren Clubfinder ein und sehen sie selbst.

Essen, das ist Thyssen Krupp und die Villa Hügel. Das ist die Zeche Zollverein und die Zeche Carl, die Folkwang Universität und das Folkwang Museum, die Uni, die Gruga und jede Menge Konzernzentralen. Essen besitzt nicht nur eine weltbekannte Philharmonie und Oper, sondern ist auch berühmt durch seine Boulevard-Kunst und sein Kabarett mit dem unverwechselbaren Ruhrpott Witz.

Bis in 9.Jhd zurück reicht die Geschichte der Stadt, die noch um 1800 n.Chr. weniger als fünftausend Einwohner hatte. Geschichtsträchtig waren das Kloster Werden, ein Benediktiner-Kloster, und das Damenstift Essen, das von einer ganzen Reihe bemerkenswerter Damen geleitet wurde. Eine der bemerkenswertesten dieser Damen war die Äbtissin Mathilde, Enkelin des Kaisers Otto I., die die Leitung um 973 n. Chr. übernahm und für über 40 Jahre lang Stift und Ländereien ausgesprochen geschickt und übersichtlich leitete. Mathilde vermehrte den Kirchenschatz um seine wertvollsten Stücke, unter anderem die Goldene Madonna, die älteste vollplastische Madonnenfigur der Welt.

Schloss BorbeckFolkwang Museum - Essen - Nordrhein-WestfalenNach Mathilde übernahm Sophia die Stiftsleitung, Tochter Kaiser Ottos II. und auch die dritte Dame von königlichem Geblüt, Theophanu, eine Enkelin Ottos II., erhielt für das schon 1003 n. Chr. als Stadt erwähnte Essen das Marktrecht.

Mag sein, dass die Geschichte dieser Frauen auch auf die viel später, aber nicht weniger bemerkenswerte Frau mit Namen Berta Krupp und andere weibliche Vertreter der Familie Krupp einigen Einfluss hatte, für die Geschichte der Stadt aber haben auch die Krupp Frauen einiges geleistet.

Bis zur Montanstadt dauerte es noch lange. Die ersten Belege über bergmännische Tätigkeiten in Essen stammen schon aus dem 14. Jhd. und bereits 1349 erhielt die Fürstäbtissin, natürlich wieder eine Frau, das Recht, die Bodenschätze auf dem Gebiet der Stadt abzubauen. Nachgewiesen ist, dass um das Jahr 1354 Silber in größerem Stil abgebaut und der Abbau von Kohle 1371 zum ersten Mal erwähnt wurde. Das erste Kohlebergwerk findet seinen Nachweis im Jahr 1450 n. Chr.

LuftangriffFolkwang Museum - Essen - Nordrhein-WestfalenSchwer traft die Stadt der Dreßigjährige Krieg von 1618 bis 1648. Dort standen sich die evangelische Stadt und das erzkatholische Stift unversönlich gegenüber. Die damalige Äbtissin Maria Clara von Spaur, Pflaum und Vallier holte 1623 die katholischen Spanier zu Hilfe, um ihr in ihrem gegenreformatorischen Bestreben gegen die Stadt und deren allzu reformatorischen Ansichten beizustehen.

Die ebenso erzkatholischen Spanier kamen nur all zu gerne und brachten Essen wieder unter die Vorherrschaft der päpstlichen Kirche.
1624 wurde ein Rekatholisierungsgesetz für Essen erlassen, das bis dahin ging, dass der Kirchgang der Bürger minutiös kontrolliert wurde.

Der Stadt wurde auch noch alles mögliche an Kosten wie Kost und Logis der Besatzungstruppen auferlegt, was die Stadt nach Zerstörung und Unterwerfung auch finanziell an den Rand des Ruins brachte.

1629 stürmten die Holländer die Stadt. Die Äbtissin Maria Clara floh unter Mitnahme des Kirchenschatzes am 4. November dieses Jahres ins katholische Köln, kam aber kurz darauf im Sommer 1631 im Gefolge einer bayerischen Garnison unter Gottfried Heinrich zu Pappenheim zurück. Ihr sprichwörtliches Geschick und Glück aber hatte sie bereits verlassen und so musste sie mit ihren erzkatholischen Baysern schon im Septemberdes Jahres wieder abziehen. Maria Clara starb 1644 in Köln. Es dauerte dann noch eine ganze Weile nach dem Westfälischen Frieden von 1648, bis Essen alle Besatzungstruppen wieder los war.

Dann, nach zwei Weltkriegen, Wiederaufbau, Kohlekrise Ende der fünfziger Jahre erlangte Essen und sein Umland, der Pott wie man hier sagt, weltweite Bedeutung durch Kohle und Stahl, die Montanindustrie, die aber nur kurze Zeit anhielt.

ThyssenKrupp - Essen - Nordrhein-WestfalenDie Demontage großer Industrieanlagen und der Aufbau neuer Industrien führten rasch dazu, dass in Essen kein Stahl mehr produziert und keine Kohle mehr gefördert wurde und nur noch die weiterverarbeitende Industrie Wachstum zeigte.

Dann siedelten, auch wegen der ausgezeichneten Bildungslandschaft und der vielen ansässigen Facharbeiter mehrere Dax gelistete Unternehmen hier an.
Konzerzentralen der RWE AG, E.ON AG und ThyssenKrupp stehen hier wie die weiterer Großunternehmen wie z. Bsp. Evonik Industries AG, Steag, Hochtief, Aldi-Nord, Karstadt, Deichmann, Medion, Schenker AG, Ferrostaal, eine Niederlassung der Siemens AG, Siemens Industry Software GmbH & Co. KG, Funke Mediengruppe (bis 2012 WAZ-Mediengruppe) sowie die NOWEDA.

Mehr als Hundert der umsatzstärksten Unternehmen des ganzen Landes findet man in dieser Stadt und näheren Region, dazu namhafte Unternehmen der Medien-, Handels- und Dienstleistungsbranche sowie aus den Bereichen Hightech, Energie und Medizin. Essen ist eins der Hightechzentren Deutschlands, Sitz großer Banken wie die National-Bank, die Sparkasse Essen, die Valovis Bank, sogar die Deutsche Bundesbank betreibt hier eine Filiale und auch einige der großen Immobilienbkonzerne wie die GAGFAH, die Allbau, Vivawest, Immeo Wohnen, RAG Montan Immobilien, ThyssenKrupp Real Estate, Kölbl Kruse, Hochtief Property Management und und weitere sorgen für ein sehr hohes Bruttoinlandprodukt nebst reicher Kaufkraft, was man schnell an der lebhaften Innenstad sehen kann und die nach Bonn die zweithöchste in NRW ist, höher also als die in Düsseldorf; wer hätte das gedacht?

U-Bahn - Essen - Nordrhein-WestfalenUnd trotzdem droht weiteres Ungemach, allein schon wegen der neuesten Energiewende, die vor allem RWE und E.ON hart getroffen hat. Die Arbeitslosenquote liegt seit langem bei über 13 Prozent (ca. 8% in NRW, ca. 6% bundesweit in 2016), der Anstieg konnte aber zwischenzeitlich gestoppt werden.

Erst 1896 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000 und Essen wurde zu einer Großstadt. 1962, also knapp 70 Jahre danach, hatte sie sich versiebenfacht, zählte man 749.193 Einwohner. Weitere 43 Jahre danach, also Ende 2005 betrug die Einwohnerzahlnur noch 585.430, also ein Rückgang um rund 20 Prozent in dieser kurzen Zeit. Seit 2012 verzeichnet die Stadt  wieder einen Bevölkerungszuwachs und nun wohnen knapp 600.000 Menschen wieder in Essen.

So wenig diese Statistik auch über die tatsächliche Entwicklung der Stadt aussagt, so viel ist sicher: der Strukturwandel im gesamten Ruhrgebiet ist noch voll im Gang und das sieht man in Essen am augenfälligen Unterschied in den einzelnen Stadtteilen, wobei die nördlich des Zentrums nach wie vor eher zu den ärmeren gehören.

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