Wuppertal

Schwebend durch die Geschichte

Die krass Unterschätzte.

Wuppertal - Nordrhein-Westfalen

Wuppertal - Nordrhein-WestfalenHier schwebt nicht nur ein Zug über das Tal der Wupper und die vielen, auf langer Strecke verteilten Stadtteile, hier ist sehr viel mehr in der Schwebe. Hier halten Kapital und Arbeit seit mehr als einhundertfünfzig Jahren die Schwebe, als Marx, der Revolutionär, und Friedrich Engels, das erste von neun Kindern des erfolgreichen Baumwollfabrikanten Friedrich Engels sen. und dessen Frau Elisabeth Franziska Mauritia Engels (geb. van Haar) sich begegneten.
Hier berühren sich das Bergische Land mit seiner reichhaltigen Geschichte traditioneller Manufakturen und im Norden das Ruhrgebiet mit seiner Geschichte von Kohle und Stahl.

Bis ins 19. Jahrhundert entwickelte sich die Region zu einem Zentrum der deutschen und europäischen Frühindustrialisierung; vor allem die Textilindustrie bescherte der Region Reichtum und Wachstum. In der Zeit des deutschen Nationalsozialismus war Wuppertal ein bedeutendes Zentrum der NSDAP aber zugleich auch eines oft übersehenen Widerstands gegen das Naziregime, der aus einer politischen wie einer gewerkschaftlichen Opposition entstand, wozu auch die ortsansässigen Kirchen beitrugen.

Wuppertal - Nordrhein-WestfalenWuppertal - Nordrhein-WestfalenHier schwebte Pina Bausch mit vielen anderen Tänzerinnen und Tänzer aus der ganzen Welt und prägte den Begriff Tanztheater von Wuppertal aus neu. In Wuppertal schuf Tony Cragg den Skulpturenpark Waldfrieden, trug das Von der Heydt-Museum Wesentliches zur bildenden Kunst bei und blieb eine aufsässige Kunst Bestandteil der Stadtgeschichte neben ihrer oft unterschätzten Industriegeschichte von europäischem Ausmaß.

Erste Spuren von menschlichen Siedlungen und Aufenthalten im Tal der Wupper gehen auf das Jahr 1000 v. Chr. zurück, ins 14. Jahrhundert zurück datiert der Beginn der protoindustriellen Eisen und Stahl-Bearbeitung, deren Spuren man entlang eines Industrie-Geschichtslehrpfads sieht mit teils gut erhaltenen Überresten früher Hammerwerke und Schleifkotten.

Urkunden belegen die ursprünglichen Vorgängersiedlungen der heutigen Stadt Wuppertal größtenteils etwa um die erste Jahrtausendwende. So wurden urkundlich erwähnt: Cronenberg 1050, Barmen 1070, Elberfeld 1161, Schöller 1182, Ronsdorf 1246, Beyenburg 1298 (einzelne Ortslagen bereits 1189), Langerfeld 1304, Dönberg 1355 und Vohwinkel 1356. 1101 wurde Adolf von Berg erstmals urkundlich als Graf erwähnt. Die Grafen und später Herzöge von Berg erwarben durch Kauf, Heirat, Erbschaft und Verpfändungen im Laufe der nächsten Jahrhunderte den größten Teil des heutigen Wuppertaler Stadtgebiets und verwalteten es durch die Burg Elberfeld und die Burg Beyenburg.

Die Konfessionspolitik der Landesherren des Herzogtums Berg war für damalige Zeiten verhältnismäßig liberal. In Elberfeld und Barmen konnte sich daher die reformierte Konfession etablieren und calvinistische Familien stellten im 18. Jahrhundert einen großen Teil der Unternehmerschaft. Sie zeichneten sich durch einen ausgeprägten Unternehmergeist aus, Unternehmerfamilien aus Elberfeld und Barmen suchten in ganz Europa nach neuen Herstellungstechniken, sicherten den Absatz ihrer Waren mit einem Netz von Handelsniederlassungen, während ihre Investitionen von einem sich entwickelnden heimischen Banksektor finanziert wurden, wobei das Bankhaus von der Heydt-Kersten & Söhne eine zentrale Stellung einnahm. Die Innovationsbereitschaft der Wuppertaler Unternehmer verschaffte der Region bis weit in das 19. Jahrhundert hinein einen Entwicklungsvorsprung in Deutschland, lange bevor sich bis zur Jahrhundertwende mit dem Ruhrgebiet, Sachsen, Berlin, Oberschlesien oder der Rheinschiene neue schwer-industrielle Zentren herausbildeten.

Wuppertal - Nordrhein-WestfalenWuppertal - Nordrhein-Westfalen

Die Region Wuppertal, mit Barmen und Elberfeld als Zentren, war Mitte des 19. Jahrhunderts eines der größten Wirtschaftszentren des europäischen Kontinents und eine der ersten Industrieregionen Deutschlands. Die Herstellung von Textilien und deren Bleichung ist im Tal der Wupper seit dem Jahr 1450 belegt.

Die frühe Industrialisierung basierte auf den vier in der Gegend vorkommenden Industriefaktoren Eisenerz, Kohle, Holz und Wasser. Wasserkraft wurde, nach Erwerb der Nutzungsrechte, als Antrieb für Textilmühlen, Blasebälge für Rennöfen und Schmiedefeuer, Hammerwerke, Klöppelmaschinen, Band- und Webstühlen oder sonstige Maschinen benutzt. Der Ruhrkohlebergbau begann im Mittelalter unweit nördlich der heutigen Stadtgrenze im Raum Sprockhövel, wo die Kohlenflöze an die Oberfläche traten.

Das Ruhrgebiet hat einen großen Teil seines Aufschwungs der Funktion als Rohstofflieferant der Wuppertaler Region zu verdanken und entwickelte sich erst später im 19. und 20. Jahrhundert. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch waren die Städte Barmen und Elberfeld bedeutender als Dortmund, Duisburg oder Düsseldorf.

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