Historische Städte in Deutschland - Seite 5

Aus dem Zwielicht der Geschichte

Duderstadt

Duderstadt - NiedersachsenDuderstadt - Niedersachsen

Was macht Duderstadt zu einer historischen Stadt in unseren Augen? Ihr fast schon unbedingter Lebenswille. Duderstadt hat viel durchgemacht, hat, wie Celle, die Welfen überlebt, war Spielball einiger Feudalherren, Front- und Schicksalsstadt in zahlreichen Kriegen und lokalen Scharmützeln. Heute versprüht die Stadt Ruhe, Stille, Abgeschiedenheit gar an einigen Stellen.

Nicht ihre bewegte Geschichte, sondern rund 600 Bürgerhäuser verschiedener Stilepochen, hauptsächlich Fachwerkhäusern prägen das Bild einer Stadt, die schwierige Zeiten ihr zuhause nennen musste. Prägend auch die beiden großen Stadtkirchen St. Cyriakus und St. Servatius mit ihren mächtigen Türmen, dem Westerturm mit seiner prägnant gedrehten Spitze, die schön restaurierte Stadtmauer und einige Bauwerke mehr, die sich den Besuchern heute wie ein schöner Schleier über die Geschichte legen, wie dicke Erdmassen über das einstig stolze Troja nmach seinem Untergang.

Bitte weiterlesen…

Goslar.

Goslar - Niedersachsen

gemeinfrei

Goslar ist im wahrsten Sinne des Wortes eine historische Stadt.Sie gehört zu den vielen Städten in Deutschland, die eindeutig zuviel der Geschichte abbekommen haben. Einst Bergbaustadt mit üppigen Erzvorkommen war Goslar seit der Römerzeit von historischer Bedeutung, also gehört Goslar auch hier in unsere Liste. Das Metall aus dem Harz und dessen Verarbeitung hat sich weit über die Grenzen des heutigen Niedersachsens hinaus verbreitet. Archäologische Funde aus England belegen, dass viele angelsächsische Grabbeigaben wie ein in London gefundenes Schwert aus Metall des Harzer Erzes gefertigt wurden. Die frühesten Nachweise für den Abbau und die Verhüttung von Rammelsberger Erz konnten dank der archäologischen Ausgrabungen am Herrensitz Düna auf das 3. Jahrhundert n. Chr. datiert werden.

Goslar - Niedersachsen

A.Savin, Wikipedia (Freie Kunst)

Goslar - Niedersachsen

A.Savin, Wikipedia (Freie Kunst)

Eisenerz und Waffen, Silber und Münze, Kupfer, Blei und erste Formen von Industrie ließen am Beginn des Mittelalters die Stadt prosperieren. Sie wurde Kaiserpfalz. Der ansässige sächsische Adel war nicht in jeder Hinsicht begeistert vom Machtanspruch des Kaisers, zudem sich gerne auch und in dessen Fahrwasser der Klerus aufschwang. Mit dem Erz wurden Waffen gefertig und meistens lag auch eine Münze am Ort, denn, wo Eisenerz da kommt nicht selten auch Silber vor. Wenig später entdeckte man auch die Möglichkeiten, die mit Kupfer und Blei verbunden sind und so war es auch kein Zufall, dass der Begrbauort Goslar bald schon zur Kasiserpfalz sich entwickelt hat.
Und wie auch andernortes folgten auf Bergbau, Münze, Kaiserpfalz die üblichen Neider aus dem Adel und dem Klerus um die Macht. Als „Blutpfingsten“ ist eine von vielen Streitereien bekannt geworden, die aber nur den Anfang im Jahr 1063 markierte und mit dem „Aufstand der Sachsen“ zehn Jahre später einen Höhepunkt fand.

Nicht selten ging es in den Fehden zwischen König und Feudalherren um Familienstreiterei Streitereien, um Macht zwischen Blutsverwandten, die oft in Blutbädern und Morden endeten; Ave Ceasar. Gegenkönige und Gegenparteien erfanden sich im Willen zur Macht und machten selbst vor eigenem Blut nicht halt, das war das dumpfe, stupide Credo mittelalterlicher Machtansprüche, das nach einem Ende bei den Untergebenen, beim Volke sucht und sich sehnte.

Goslar und der Rammelsberg blieben lange Spielball im Konflikt der Vettern und ihrem Voderen, dem Löwen der Sippschaft. Heinrich der Löwe ließ die Hütten und Gruben der Stadt zerstören, der Bergbau ruhte lange Jahre bis 1209 und die Bedeutung Goslars als Pfalz nahm ab.
Angriffe, Belagerungen, Zerstörungen folgten einander auf dem Fuße, begleitet von Seuchen und Krankheiten bis hin zu den Exzessen der Hexenverfolgung. Goslar aber blieb weit entfern von der Anzahl an Exzessen, wie sie Bamberg in seiner Geschichte angesammelt hat. Zwischen 1530, als der erste überlieferte Hexenprozess gegen Venne Richerdes stattfand, und 1657 fielen etwa 28 Menschen der Hexenverfolgung zum Opfer. Das sind zwar immer noch 28 zu viel, aber in Bamberg sprach man von über 1000 im gleichen Zeitraum.

Goslar - Niedersachsen

Goslar - NiedersachsenGoslar - Niedersachsen

Goslar - Niedersachsen

A.Savin, Wikipedia (Freie Kunst)

Der Freiheitsdrang der protestantischen Städte im Mittelalter endete auch in Goslar an ihrer mangelnden Verteidigungsfähigkeit. Unter welchen Schutz sie sich auch stellten, mal gehörten sie zu den Gewinnern, mal zu den Verlieren, aber immer wurde ein Stück Freiheit und Wohlstand verloren.
Jeder bediente sich und immer wieder wechselte der Rammelsberg seinen Besitzer, 1642 waren es die Welfen.

Spätere Zeiten brachten die Stadt zwischen die Froten der Hanoveraner und der Preussen und Goslar war nurmehr eine verarmte Provinzstadt mit einer kleinen Jägergarnison.
Über die geschundene Stadt fiel dann auch noch die nicht von sonderlich großer Geschichtskenntnis Zeugnis ablegende, bissige Ironie des Herrn Heine, der 1824 anlässlich seiner Harzreise sich hinriss zu: „Ich fand ein Nest mit meistens schmalen, labyrinthischen Straßen, […] und ein Pflaster, so holprig wie Berliner Hexameter. […] Das Rathaus zu Goslar ist eine weißangestrichene Wachtstube.“ (Zitiert nach: Heinrich Heine: Die Harzreise und andere Reisebilder. Deutsche Bibliothek Berlin o. J., S. 32.)

Nach dem Krieg von 1866 wieder preußisch, verlor Goslar vollends seine historische Bedeutung und wurde ein beliebter Alterswohnsitz für pensionierte Städter. Berliner, Hannoveraner und Braunschweiger ließen sich besonders im Boom der Gründerzeit Villen an Steinberg und Georgenberg bauen.

Dann kamen irgendwann Hitler und seine Nazis, trieben den Rammelsberg wieder an, eröffneten hier rüstungsrelevante Betriebe und Einrichtungen, insgesamt 61 Betriebe, bedienten sich während des Zweiten Weltkrieg an mehr als 5.000 meist Zwangsarbeiter und Insassen des Aussenlagers des KZ Buchenwald und des KZ Neugamme. Einen Monat früher als zum 08. Mai 1945 kapitulierte die Stadt und wurde an die US-Streitkräfte übergeben.

Die Stadt Goslar zeigt bis heute die Spuren ihrer wechselhaften Geschichte zwischen Freiheitsdrang, Eigenständigkeit und Unterdrückung und Fremdherrschaft. Man meint, nur Menschen könnten ihre Geschicht in der gemäßigten oder beschädigten Ambivalenz zwischen Trauma und Phantasma erleben, dem ist nicht so.

Immer wieder müssen wir lernen, dass Städte, Regionen, ganze Länder bzw. Staaten ihre Geschichte in einer eigenen Form der Zerissenheit zeigen. So mag das als Beispiel dafür stehen: Vom 20. bis 22. Oktober 1950 fand in Goslar der erste Bundesparteitag der CDU statt. Unter dem Motto „Einigkeit und Recht und Freiheit“ wurde dort die CDU Deutschlands gegründet; Konrad Adenauer wurde am 21. Oktober mit 302 von 335 Stimmen zum Parteivorsitzenden gewählt. Goslar hatte sich als Tagungsort gegen Berlin, Frankfurt und Heidelberg durchgesetzt.

Bemerkenswert war im Jahr 1953 die hohe Anteilnahme der Stadt Goslar an der Trauerfeier des ehemaligen NS-Reichsbauernführers Walther Darré auf dem Friedhof Hildesheimer Straße am 9. September 1953: Neben ehemaligen NS-Größen wie Hartwig von Rheden nahmen mehrere hundert Goslarer Bürger wie auch ihr Oberbürgermeister Alexander Grundner-Culemann mit Oberstadtdirektor Helmut Schneider an der Beerdigung teil. Die Stadt übernahm sogar die Begräbniskosten.

Bitte weiterlesen…

 

Das kalte Krematorium.

Landsberg am Lech - BayernLandsberg am Lech - Bayern

Landsberg am Lech ist wahrlich eine historische Stadt. Ihre Mauern umschließen nicht nur eine schöne, mittelalterliche und gut erhaltene Alstadt, sondern zwei Ereignisse, zwei historisch bedeutsame Phasen ihrer Geschichte, die wir hier zunächst ins Zentrum stellen möchten.

Das Datum war das Jahr 1556, als Erzherzog Albrecht V. unter Beteiligung von Ferdinand I. den Landsberger Bund gründete. Das war ein Bund von überwiegend katholischen Territorien und Städten (Bayern, Ober- und Vorderösterreich, die seit 1525 lutherische Reichsstadt Nürnberg, Salzburg, den Hochstiften Augsburg, Bamberg und Würzburg, dem später auch Kurmainz und Kurtrier beitraten), um sich gegen die protestantischen Reichsstände, insbesondere Fürsten wie Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach, zu organisieren. Den katholischen Fürsten ging es darum, ein weiteres Vordringen des Protestantismus zu verhindern, vor allem, weil die Reformation und der Protestantismus im Schmalkaldischen Bund einen mächtigen Zusammenschluss gefunden hatte.

Landsberg am Lech - Bayern

Landsberg am Lech - BayernLandsberg am Lech - BayernHistorisch nicht ganz korrekt aber noch zulässig sprechen wir beim Dreißigjährigen Krieg, der als Religionskrieg begann, von einem Höhepunkt des Hegemonialanspruchs des Heiligen Römischen Reiches auf gesamt-europäischer Bühne.
Für Landsberg am Lech war der Dreißigjährig ein Desaster. Die Stadtverlebte ein regelrechtes Massaker in der Nacht vom 19. auf den 20. April 1633. Auf Befehl des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar stürmten die auf protestantischer Seite kämpfenden Truppen den Ort und metzelten in der Folge alle Bewohner bis auf 500 Rekruten nieder, die sich ihnen anschlossen. In den beiden letzten Jahren des 1618 begonnenen Kriegs sank die Einwohnerzahl von 650 auf 202.

Das zweite Datum, mit dem Landsberg sich in die Geschichtsbücher unauslöschlich eingetragen hat, liegt im Jahr 1924. Adolf Hitler verbüßte in der Landsberger Festung eine Haftstrafe und nutzte diese Zeit, „Mein Kampf“ zu schreiben. Hätte man doch nur seine niedergeschriebenen Gedanken zur Herrenrasse, zum Krieg, zur Judenvernichtung aufmerksam gelesen, wieviel Leid wäre Europa und Teilen der Welt erspart geblieben. Mitnichten, im Gegenteil, man nahm „Mein Kampf“ nicht zur Kenntnis.

Zwischen 1937 und 1945 stilisierte sich Landsberg am Lech mit der „Hitlerzelle“, neben München und Nürnberg, als dritte zentrale Stätte des Nationalsozialismus. Es wurde mit der Verleihung des höchst fragwürdigen Titels „Landsberg – Stadt der Jugend“ als Treffpunkt der Hitler-Jugend bekannt gemacht und steht als diese Stadt der nationalsozialistischen Bewegung im Buch der Geschichte und nicht als Zelle des Widerstands.

Landsberg am Lech - Bayern

United States Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C.

Erdbaracken Kaufering IV – Hurlach. (Aufnahme vom 28. April 1945 nach der Befreiung durch die US-Armee)

Landsberg am Lech - Bayern

Leichen ermordeter jüdischer KZ-Zwangsarbeiter liegen auf der Straße vor den schwelenden Ruinen von Baracken, die von der SS bei der Evakuierung von Hurlach (KZ-Außenlager Kaufering IV – Hurlach) dem Erdboden gleichgemacht wurden. (Foto 28. April 1945. National Archives and Records Administration, College Park)

Man errichtete KZ-Außenstellen bzw. -außenlager, tödliche Arbeitslager, die aufgrund von Hunger, Kälte und Krankheiten wie zum Beispiel Typhus, der rigorosen Ausbeutung der Arbeitskraft bis zur Vernichtung von den Häftlingen als „kalte Krematorien“ bezeichnet wurden.

Im April 1945 versuchte man, mit einem sogenannten Todesmarsch den Großteil der noch gehfähigen Häftlinge aus dem Vormarschbereich der Amerikaner zu „evakuieren“. Der Elendszug führte quer durch die Landsberger Altstadt und die Neue Bergstraße hinauf. Ein Gedenkstein im oberen Teil der Neuen Bergstraße erinnert an die zahllosen Opfer.
Nur etwa 15.000 Häftlinge überstanden die letzte Phase der Judenvernichtung und erlebten die Befreiung durch die US-Armee am 27. April 1945.
Bitte weiterlesen…

Bitte lesen Sie weiter auf Seite 6: Heidelberg – Nürnberg

Über Rieder

Oberbayer

Zeige alle Beiträge von Rieder

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.