Zu schön, um wahr zu sein.
Über Heidelberg in historischer Hinsicht kann man kaum noch etwas Vernüftiges schreieb. Zu sehr haben die „Memories of Heidelberg“ alles Geschichtliche in den Abgrund banaler Romantik gezogen. Das Wirken von Dichtern wie Friedrich Hölderlin, Achim von Arnim, Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff, bekannt geworden als „Heidelberger Romantik“ blieb davon ebenso wenig unbeschadet wie die Sammlung deutscher Volkslieder, bekannt als „Des Knaben Wunderhorn“, der Verballhornung durch den deutschen Schlager und der darin benebelten Phantasie entkommen konnte.
So steht Heidelberg für eine romantisch ewig knutschende Studenschaft, wenn sie sich nicht gerade die Säbel über ihre Schädel zieht und den Burschenschaftsgedanken, der einmal einer der Freiheit war, in voller Coleur fast hirntod vom Saufen lauthals wieder einmal verabschiedet.
Was ist also von historischer Bedeutung und mit der Stadt Heidelberg verbunden? Ganz sicher ist die Verbindung der Stadt mit der Romantik in der Literatur. Die Heidelberger Romantik ist auch heute noch fester Bestandteil jedes Studium der Literaturwissenschaft in Deutschland und weit darüber hinaus an vielen Universitäten weltweit.
Heidelberg steht historisch auch für ein umfassendes Studienangebot und dies seit dem Jahrv 1386, dem Jahr in dem die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg gegründet worden ist. Sie gehört zu den bekanntesten und auch bedeutenderen Universitäten in Europa und ist die älteste Universität auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.
Ihr Campus ist aufgeteilt auf zwei Stadtgebiete sowie mehrere Einzelgebäude: In zahlreichen historischen Gebäuden in der Altstadt befinden sich die Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften. Die Naturwissenschaften und Medizin sind zum überwiegenden Teil auf dem neuen Campus im Neuenheimer Feld angesiedelt.
Berühmte Wissenschaftler und Nobelpreisträger kamen zwischen 1931 und zuletzt 2014 von hier, besonders aus den Fächern Chemie, Physik und Medizin; die Geisteswissenschaftengingen in dieser Hinsicht leer aus. Vielleicht mag es auch einen Einflass gehabt haben, dass gerade einer der bedeutendsten Vertreter der Philosophie in Deutschland, Martin Heidegger, in seiner Rede in der Universität Heidelberg am 30. Juni 1933 über „Die Universität im Geiste des Nationalsozialismus“ den Gesiteswissenschaften insgesamt aber besonders denen am Orte einen umrühmlichen Dienst erwiesen hat, wovon sich sich bis dato nicht wirklich erholen konnte, war die Rede auch mit vielen Mühen nach dem Krieg aus der Geschichte des Denkens in Deutschland zu jener Zeit nicht zu verleugnen.
Sätze wie:“Der Wille des Führers verkörpert das Sein“ blieben mit dem Philosophen und der Stadt seiner nationalsozialistischen Führer-Apothese verbunden, nachhallen seine Aufforderung an die Studenten der Stadt, sich selbst dazu zu verpflichten, einen Eid auf Hitler zu leisten.
Was dann doch sehr verwundert ist die Tatsache, dass Heidegger in den Analen der Stadt lediglich zu einer Randbemerkung reduziert worden ist wie auch die spätere, aufklärend kritische Auseinandersetzung mit ihm und dem Nationalsozialismus im Geiste, vor allem verbunden mit dem Namen Hannah Ahrendt, so geringen Raum im Geschichtsbuch der Stadt einnimmt.
Man ist etwas verwundert, wenn Heidegger wie Arendt nicht in besonderer Würdigung für die Geschichte der Stadt stehen, besonders aus dem strikten Gegensatz beider Geister, aber, wie es scheint, brauchte es doch eine ganze Weile, bis die Geisteswissenschaften sich von diesem Trauma einigermaßen erholen konnten und in den wissenschaftlichen Diskursen mit und über Max Weber und Karl Jaspers geistige Traumatherapie für die Stadt leisteten.
Und was in diesem Zusammenhang auf keinen Fall unerwähnt und unberücksichtigt bleiben sollte ist auch die Tatsache, dass im Vergleich zu Heideggers kurzer Gastrede doch einige, deutlich nachhaltigeren, geistigen wie technisch-technologischen Beiträhge aus den Reihen der Heidelberger Naturwissenschaften sich botmäßig auch für die Nazis gemacht haben. Aber darüber breitet sich in den Anlaler der Stadt weitgehend der Mantel des Schweigens aus.
Nachgeholt hat man die Diskursversäumnisse und krassen Verleugnungen der vielfältigen Beteiligung der Heidelberger Intelligenzia am deutschen Nationalsozialismus durch die Gründung der Hochschule für Jüdische Studien im Jahr 1979, also ganze 34 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie verfügt über neun Teilbereiche der Religion und Kultur des Judentums und versucht eine Art Auseinandersetzung und Wiedergutmachung der Verbrechen an den Juden, die auch von Heidelberg in Wort und Tat ausgingen.
Grundsätzlich halten wir fest, dass die Wahlergebnisse der NSDAP in Heidelberg meist über dem Durchschnitt der Ergebnisse im Reich oder in Baden lagen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begann die organisierte Diskriminierung von Juden und anderen „Nichtariern“ auch in Heidelberg und bis 1939 verlor die Heidelberger Universität so mehr als ein Drittel ihres Lehrkörpers aus rassistischen oder politischen Gründen.
Erschrenkend für die Geschichte ist, dass die Judenverfolgung und die Begeisterung für die nationalsozialistische Rassenlehre in einer Stadt der Wissenschaften, wo nicht im Durchschnitt, sondern sogar darüber lag, und die kritische, aufgeklärte Intelligenz sich wahrlich nicht über die Stadt und die Region ausgebreitet hat; im Gegenteil.
Geschichte schrieb auch das Heidelberger Schloss. Hier sind sie verewigt; im Zwerchgiebel: Karl der Große, Otto von Wittelsbach, Ludwig der Kelheimer, Rudolf der Stammler.
Im obersten Vollgeschoss, vier gekrönte Wittelsbacher: Ludwig der Baier, Ruprecht I., Otto von Ungarn, Christoph von Dänemark.
Im mittleren Vollgeschoss, die Universitätsgründer Ruprecht I., Friedrich I., Friedrich der Weise, Ottheinrich und im unteren Geschoss: Friedrich der Fromme, Ludwig VI., Johann Casimir, Friedrich IV.
Adel, Klerus und die Wissenschaften.
Aber was ist vom Schloss und seinen Ruinen geblieben außer ein blühender Tourismus? Das Heidelberger Schloss ist eine der berühmtesten Ruinen Deutschlands und das Wahrzeichen der Stadt, ein festes Element in der Heidelberger Dichtung und zentral für die Wahrnehmung Heidelbergs als „romantische“ Stadt, wie sie beispielsweise von Friedrich Hölderlin oder Joseph von Eichendorff beschrieben wurde.
Während der Regierung Ludwigs V. besichtigte Martin Luther, der zu einer Verteidigung seiner Thesen in der berühmten „Heidelberger Disputation“ nach Heidelberg gekommen war, das Schloss und dieses Datum wurde fortan zum intellektuellen, vielbesungenen und bedichteten Markenkern weit über den Hügel am Kaiserstuhl hinaus.
Nicht nur in seiner Geschichte als wehrhafte Anlage wurde das Schloss berühmt. An seinem Ruhm dichteten, komponierten und malten viele Künstler über die Jahrhunderte mit. Schon vor 1800 erkannten Maler und Zeichner in der Schlossruine und der bergigen Flusslandschaft ein idealtypisches Ensemble. Den Höhepunkt bilden die Gemälde des Engländers William Turner, der sich zwischen 1817 und 1844 mehrfach in Heidelberg aufhielt und etliche Gemälde von Heidelberg und dem Schloss anfertigte. Das Schloss steht heute sinnbildlich für Heidelberg als Stadt der Wissenschaften und des Geistes, genaugenommen für deren beider Klischees. Bitte weiterlesen…
Nürnberg – Die missbrauchte Stadt.
In Nürnberg wurde wahrlich Geschichte geschrieben. Das kann man sagen, dass hier in Nürnberg eine ganze Geschichtsepoche geschrieben worden ist und zwar von Anfang bis Ende. Die Geschichte des deutschen Nationalsozialismus, des sogenannten „Dritten Reichs“, fand auf dem Reichparteitagsgelände mit den jährlichen Reichsparteitagen ihren politisch-ideologischen Anfang und dessen globale Wahrnehmung, und mit den Nürnberger Prozessen ihr strafrechtliches Ende in ebensolcher, globaler Beachtung.
Tatsächlich markieren die Nürnberger Prozesse aber nicht nur das strafrechtliche Ende der Nazizeit, sondern auch einen globalen Neuanfang, den des Völkerstrafrechts. Seitdem kennt die Welt die Straftatbestände des Völkerrechts, das sind Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, allesamt heute wieder auf der Tagesordnung internationaler Gerichtsbarkeit.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Nürnberg von den Nationalsozialisten als „Stadt der Reichsparteitage“ zu einem der wichtigsten Orte nationalsozialistischer Propaganda. Die Nürnberger Gesetze, auch Nürnberger Rassegesetze genannt, wurden am 15. September 1935 vom Reichstag auf dem 7. Reichsparteitag der NSDAP (zynisch „Reichsparteitag der Freiheit“ betitelt) in Nürnberg einstimmig beschlossen. Diese sollten den Nationalsozialisten als Rechtsgrundlage zur Ausübung ihrer antijüdischen Gesinnung dienen.
Bemerkenswert bei alledem ist, dass in Nürnberg selbst die NSDAP bei Wahlen nie gewinnen konnte. Die Stadt wurde überwiegend von der liberalen DDP (Deutsche Demokratische Partei, eine linksliberale Partei) regiert.
Nürnberg hat, und das interessierte in den vergangenen Jahrzehnten eher weniger die Öffentlichkeit, auch über Reichsparteitage und Prozesse weit hinaus Geschichte geschrieben und gehört auf unerer Liste der historischen Städte Deutschlands nach ganz weit oben. Es ist die Geschichte von Verlierern und wie ein Land mit kollossalen Niederlagen und aller Missachtung von Völkerrecht und Menschlichkeit umgeht.
Niederlagen provozieren nicht selten Revisionismus, der dann schnurstracks in weitere Kriege münden kann; so geschehen nach dem Ersten Weltkrieg. Niederlagen nicht nur hinzunehmen, sondern die Gründe zu er- und verarbeiten gelingt nicht oft, eher sehr selten; das könnte man leicht am Kolonialismus und der Zeit nach der Befreiung von Ländern aus der kolonialen Umklammerung studieren.
Die Analyse der Gründe von Niederlagen in Kriegen provoziert nicht selten eine endlose Reihe an Rechtfertigungsgründen; damals wie heute. Solche Rechfertigungsassoziationen legitimieren ante und post festum schnell einen Krieg als begründet und gerechtfertigt, sie verhindern in allen Fällen eine eindeutige Positionierung gegen das Faktum des Krieges schlechthin, insofern die kriegerische Handlung niemals gerechtfertigt ist, es sei denn als eine Form der Verteidigung. Eine andere Rechtsgrundlage für kriegerische Auseinadersetzungen gibt es nicht.
Nürnberg hat sich mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt, auseinandersetzen müssen. Das Erebnis dieser Auseinandersetzung liegt nicht primar – außer in zeitlicher Hinsicht – in den Urteilen der Nürnberger Prozesse, sondern in der Entwicklung des Völkerrechts und der Menschenrechte.
Die Selbstverpflichtung der Stadt, einen besonderen Beitrag zur Verwirklichung der Menschenrechte zu leisten, steht dabei oben auf der politischen Agenda der Nachkriegszeit.
Sichtbare Zeichen im Stadtbild dafür sind unter anderem die Straße der Menschenrechte, ein Mahnmal für die Würde des Menschen sowie das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das über die Zeit des Nationalsozialismus in Nürnberg informiert.
Seit 1995 wird der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis an Personen verliehen, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen.
Das Nürnberger Menschenrechtszentrum, ein Verein, der sich für die Würde des Menschen einsetzt und das Nürnberger Menschenrechtsbüro wurden gegründet. Alle zwei Jahre wird der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis verliehen. Das Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte ist ein fester Bestandteil des Kulturprogramms der Stadt.
Die Stadt Nürnberg wurde am 10. Dezember 2000 in Paris mit dem UNESCO-Preis für Menschenrechtserziehung ausgezeichnet. Damit würdigte die UNESCO den kontinuierlichen Einsatz der Stadt Nürnberg für den Frieden und die Achtung der Menschenrechte. Darüber hinaus bewirbt sich Nürnberg um Aufnahme in die Weltkulturerbeliste der UNESCO mit dem Saal 600 im Justizgebäude, in welchem ab dem 20. November 1945 das Internationale Militärtribunal tagte.
Im Fall von Nürnberg kann man nicht sprechen von einer Verleugnung von Geschichte, von einer Geschichtsklitterung oder gar von Mystifikation historischer Grausamkeiten; im Gegenteil. Heute ist die Stadt Nürnberg ein gesamt-urbanes Mahnmal an die dunkeltste Zeit Deutschlands und der Menschenwürde im 20. Jahrhundert. Bitte weiterlesen…















