Wernigerode – Die bunte Stadt am Harz.
Wernigerode ist eine Stadt von historischer Bedeutung, insofern sie als vielleicht die Grafenstadt schlechthin gilt und ihr Name mit zahlreichen Grafen, angefangen vom Graf von Werningerode, eng verbunden ist. 1121 erstmals urkundlich erwähnt lebten und regierten hier einige Vögte, meist adelige Beamte und Nachfahren des Grafen, denen hauptsächlich die Gerichtsbarkeit unterlag.
Erstmals im Jahr 1213 wird die Burg Wernigerode als „castrum“ erwähnt. Am 17. April 1229 wurde der Siedlung das Stadtrecht nach dem Vorbild von Goslar verliehen, trotzdem aber wurden die Geschicke der Stadt stark von der Grafenfamilie durch das gesamte Mittelalter hindurch bestimmt. Es fehlen also die großen Anstrengungen aus dem Volk, aus den Ständen und Stadträten, die Feudalherrschaft einzuschränken.
Trotz Münz- (um 1200) und Stadtrecht (1229) blieb die Gerichtsbarkeit Wernigerodes in der Hand der Grafen, die jedoch seit 1324 Bürger als Stadtvögte und damit als Stadtrichter einsetzten. 1279 wird ein Rat der Stadt genannt, ein Bürgermeister erst 1388.
Das Schicksal von Werningerode als Grafenstadt wurde quasi biologisch bestimmt, als nach dem Aussterben der Grafen von Wernigerode in männlicher Linie durch den Tod des Grafen Heinrich 1429 Wernigerode Sitz der Grafen zu Stolberg wurde, die hier über Jahrhunderte die Oberherrschaft ausübten, ging also der Feudalismus nahtlos über von einer in einen andere biologische Linie. Stände hatten hier nichts zu melden.
Im Bauernkrieg 1525 wurden mehrere umliegende Klöster geplündert und teilweise zerstört, so insbesondere das Kloster Himmelpforten – auch Himmelpforte genannt – im heutigen Stadtteil Hasserode, von dem aber kaum noch etwas für Touristen übrig ist.
Etwa 20 Menschen wurden in Wernigerode in Hexenprozessen von 1521 bis 1608 zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Aber weder kann man aus heutiger Sicht davon sprechen, dass es in der Stadt eine eher milde oder besonders strenge Rechtsprechung im Vergleich etwa mit Bamberg gab.
Heute ist Wernigerode – wie Hermann Löns beschrieb – eine bunte Stadt, ein Stadt mit hohem Besucheraufkommen, die die gut erhaltene Alstadt mit den vielen historischen Gebäuden ebenso genieße wie die kleinen, diskreten und verschwiegenen Gassen mit ihren einkehrfreundlichen Cafes und Restaurants. Und nicht zuletzt ihre Nähe zum Harz und zum Brocken, den man schon aus dem Zentrum der Altstadt heraus vor Augen hat. Am Treppenaufgang des Brockengebäudes ist folgendes Zitat aus Goethes Faust Teil I, eingemeißelt, welches auch auf vielen Postkarten zu finden ist:
Die Hexen zu dem Brocken ziehn,
Die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.
Dort sammelt sich der große Hauf,
Herr Urian sitzt oben auf.
Dass die Intelligenzbrocken der DDR sich bei Goethe bedienten und eine der beiden Abhörstationen auf dem Brocken “ Urian“ nannten, legt unmissverständlich Zeugnis ab von deren zutiefst profanem Denkvermögen.
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Wiedenbrück – In Giebel geschnitzte Geschichte
Die Geschichte von Wiedenbrück wurde buchstäblich vom Handwerk geschrieben. Der Text ihrer handwerklichen Geschichte kann aus den zahlreichen Giebeln der Stadthäuser herausgelesen werden; Handwerk wurd in der Stadt stets großgeschrieben. König Otto I. erteilte im Jahr 952 dem Osnabrücker Bischof das Markt-, Münz- und Zollrecht für Wiedenbrück, das belegt eine in Wiedenbrück ausgestellte Urkunde von Otto III aus dem Jahr 985, die zugleich als Gründungsurkunde für das Kloster in Meschede bekannt ist. Einige Historiker vermuten, dass es hier zu dieser Zeit einen Königshof gegeben hat, was aber bislang nicht belegt werden konnte.
Anders als in vielen größeren Städten erhielt Wiedenbrück bereits im Jahr 1231 den Status einer Civitas, einer halbautonomen Verwaltungseinheit, hatte ein eigenes Siegel und einen, gewählte Schöffen für den Gerichtsstand. Im Jahre 1249 wurde die Neustadt gegründet, ein Jahr später erstmals die Burg Reckenberg dokumentiert.
1543 wurde Wiedenbrück durch Hermann Bonnus, einen Beauftragten des Bischofs Franz von Waldeck, reformiert und ab 1565 galt Wiedenbrück als überwiegend lutherisch. So wurde Wiedenbrück unbeabsichtigt in den Strudel der Geschichte gezogen, geriet in die jahrhunderte-lange Auseinandersetzung zwischen Reformation und Gegenreformation. Die Kräfte der Gegenreformation erhielten ersten Nachschub im Jahr 1624/25 und dann im Jahr 1626 im Dreßigjährigen Krieg und der erstmaligen Besetzung Wiedenbrücks durch die Dänen. Ab dem Jahr 1628 folgten die Kräfte der Gegenreformation dem Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, der seine Regierungszeit mit der Bekämpfung aller reformatorischen Bestrebungen in der Stadt ausfüllte. Ein nachhaltiger Sieg war ihm nicht vergönnt.
Zwischen 1637 und dem Jahr 1648 des Westfälischen Friedens entstanden in der Stadt eines der ältesten Gymnasien der Region wie auch das durch Bischof Franz Wilhelm gegründete Franziskanerkloster. Den Geist der Franziskaner übertrugen die in Wiuedenbrück traditionell angesiedelten Handwerken geschickt auf ihre Lebensgestalung, die nach denen des Ordens verweltlicht wurden. Man ebten in kleineren und größeren Hausgemeinschaften an verschiedenen Orten zusammen und ging seiner jeweiligen Arbeit nach.
So entstanden in dieser Zeit die große Zahl an typischen Handwerker-Wohnhäusern, die weder der Architektur von Hallenhäusern oder Ackerbürgerhäuser entsprachen. Hallen häuser nannte man im 13. bis 15. Jahrhundert aufgekommene Wohnstallhäuser der bäuerlichen Bevölkerung in Fachwerkbauweise. Ackerbürgerhaus ist ein unpraktikabler Begriff zur Bezeichnung von historische Gebäudestrukturen, die große Toreinfahrten besaßen und für einen Landwirtschaftsbetrieb geeignet waren. Die Häuser standen oft am Rand der Städte in der Nähe der Stadttore, damit die Ackerwagen nicht den allgemeinen Verkehr behinderten; oft wird auch der Begriff „Scheunenviertel“ genannt, die entlang der Ausfallstraßen vor den Toren einer Stadt zu finden waren.
Die Wiedenbrücker Handwerker-Häuser waren zunächst Einraumhäuser, später kamen Stubeneinbauten dazu. Das Vieh war, anders als im Bauernhaus, in eigenständigen Gebäuden auf dem rückwärtigen Grundstück untergebracht und quasi als Signatur der Bewohner hatten die Häuser im Inneren später schön gestaltete Diehlen und halboffene Zwischenetagen, außen teils aufwendige Schnitzereien.
Heute noch zu sehen:
Katthagen 2. Dreigeschossiges Giebelhaus mit beschnitzten Füllbrettern, bezeichnet 1624.
In der Halle 2. 1567 errichtet, mit Utlucht und geschnitzten Fächerrosetten. 1963 umgebaut
In der Halle 4. Dreigeschossiges, 1513 d. Giebelhaus. Das Erdgeschoss z. T. massiv erneuert. Das Giebeldreieck und OG über Knaggen vorkragend
Kirchplatz 1. Mitte 16. Jh. Gebälk mit reichem Ornamentschmuck. Utlucht bezeichnet 1610.
Kirchstraße 10 (Fuchshöhle). 1686 nach dem großen Brand errichtet. Mit Utlucht und hübschem Barockportal.
Klingelbrink 25. 1582 bezeichnet, jedoch stark verändert. Mit reich verziertem Torbogen.
Mönchstraße 12. 1665.
Rietberger Straße 6, 8. Altes Künstlerhaus, mit aufwändigen Außenschnitzereien, Fachwerk. Dahinter, in der Hoetgergasse, das neue Wiedenbrücker Schule Museum in der Werkstatt des Künstlerhauses
In der Langen Straße finden sich zahlreiche gut erhaltene Fachwerkbauten des frühen 17. Jahrhunderts. Besonders schön ist die Baugruppe Nummern 27–35. An älteren Einzelbauten sind hervorzuheben:
Lange Straße 12. Giebelhaus mit Utlucht und Taubandknaggen von 1583.
Lange Strasse 27.(Pilgerhaus). Derzeit ältestes Fachwerkhaus Wiedenbrücks aus dem Jahr 1417. Mehrfach umgebaut. Großer Umbau im Jahr 1602. Gilt als das zweitälteste Fachwerkhaus in Westfalen.
Lange Straße 38. (Haus Ottens). Mächtiges Giebelhaus mit Speichergeschoss, errichtet 1635. Die Gefache waren mit einer Ziegel imitierenden Bemalung versehen. Nach einem Besitzerwechsel und auf Grund massiver Schäden wurde das höchste Fachwerkhaus der Altstadt von 2009 bis 2011 grundlegend und mit hohem Aufwand saniert.
Lange Straße 41. Der angeblich nach einem Umbau wieder eingefügte Torbogen ist mit 1598 bezeichnet.
Lange Straße 50 (ehemaliges Heimatmuseum). Giebelhaus mit reich beschnitztem Torbogen und figürlichen Knaggen, bezeichnet mit 1591. 1782 umgebaut
Lange Straße 55. Vierständerbau mit Auslucht, diese 1565 bezeichnet. Um 1980 völlig erneuert.
Lange Straße 60 (Ankervilla), das derzeit zweit-älteste bekannte Haus der Stadt wurde 1468 errichtet. Es dient jetzt als Café.
Lange Straße 72. Bezeichnet 1614. Die Gefache sind mit Backsteinen im Zierverband ausgefüllt.
Lange Straße 88. 1592 bezeichnet. Am Giebel Taubandknaggen, der Torbogen und die Schwelle mit Ranken beschnitzt.
Lange Straße 89. bezeichnet 1616.
Lange Straße 93. 1559 bezeichnet. Mit z. T. beschnitzten viertelkreisförmigen Fußbändern und Taubandknaggen.
Lange Straße 95. Bezeichnet 1607. (Siehe Wikipedia)
Weitere Informationen zur Stadt Rheda-Wiedenbrück finden Sie hier…
Seßlach – Die unbekannte Stadt im Brennpunkt der Geschichte.



Seßlach kennt niemand, weder im In- noch im Ausland. Es sei denn, man ist mit der Stadt verbunden, privat, geschäftlich oder aus historischem Interesse. Seßlach ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Coburg, hat ein außergewöhnlich gut erhaltenes mittelalterliches Stadtbild und wurde deshalb als historische Filmkulisse vielen Cineasten überregional bekannt; immerhin.
Wir nehmen Seßlach paradigmatisch als eine von sehr vielen Klein- und Kleinststädten auf deutschen Boden, in denen das wahr geworden ist, was wir meinen, wenn wir von Geschichte als einen Prozess von Irrungen und Wirrungen sprechen. Seßlach hatte von beidem genug. Seine Bürger erdultenten und wehrten sich auch gegen alle möglichen Formen der Herrschaft und Beherrschungen.
Seßlach hat an Jahren der Geschichte mehr sprichwörtlich auf dem Buckel, als so manch andere, so manch gößere Stadt. Bereits im 6. Jahrhundert wurden die Bistümer Würzburg und Bamberg zusammengelgt und Seßlach gegründet. Im Jahr 837 wurde in einer weiteren Urkunde von „Sezzilahono marca“ gesprochen, als Gaugraf Asis, ein Enkel Karls des Großen, seine Besitzungen ebenfalls der Abtei Fulda vermachte. Geht man also in die Geschichte Seßlachs weit zurück, dann blicken wir in jene Jahre, die bestimmt waren von einer Macht- und Gewaltpolitik, die mit Karl dem Großen begann und mit dem Schwert zum Kreuze geführt hatte. Zum Kreuze geführt von den katholischen Franken, den Merowingern, wurden zuerst die Sachsen, eine ganze Reihe von heidnischen Stämmen. Danach ritt Karl gegen die Langobarden und anderen nicht-katholischen Regionen mit dem Ziel, das West-Römische Reich wiederenstehen zu lassen.
Seit dem Krieg zwischen Russland und Afghanistan sprechen wir von asymetrischen Kriegen bei schlechtem Ausgang für die angreifenden Armeen. Aber waren nicht alle Krieg asymmetrisch? Der zwischen Karl und den Sachsenstämmen war es per definitionem. Die Franken jedenfalls waren Teil der Großmannssucht von Kaiser Karl und seinen Nachfahren über fünf Jahrhunderte lang. Frieden kannten sie nicht, Sicherheit nicht und keinen Wohlstand durch ihrer Hände Arbeit. Im Gegenteil. Die Zeiten wurden immer rauher.
Im Jahr 1399 schlossen sich die Seßlacher Bürger dem Elfstädtebund gegen das Würzburger Hochstift an. Die Städte versuchten damals, sich von der Abhängigkeit vom Hochstift zu lösen und den Status der Reichsunmittelbarkeit zu erlangen, also weg vom Klerus und hin zum Adel; keine gute Idee. Dieses Bündnis wurde 1400 in der Schlacht von Bergtheim zerschlagen. Maßgeblichen Anteil an der Niederlage des Städtebundes hatten die etwa 60 Ritter und Edelknechte aus den benachbarten Haßbergen.
Auch die Beteiligung der Bürgerschaft von Seßlach am Bauernkrieg von 1525 endete tragisch. Der Würzburger Bischof Konrad ließ fünf Rädelsführer auf dem Marktplatz enthaupten, nachdem er bereits am selben Tag im nahen Ebern elf Mann gerichtet hatte. Wohin immer die Geschichte Seßlach trieb, sie standen stets auf der falschen Seite, eine richtige Seite gab es in fast eintausend Jahren nicht.
Auch während des Dreißigjährigen Krieges kam es zur Besatzung, zu Zerstörung, mehreren Plünderungen und Brandschatzungen. Bei der Erstürmung der Stadt durch die kaiserlichen Truppen waren neben vielen Verletzten auch sechs Tote zu beklagen (1640). Zudem hatten die verbündeten Soldaten die Stadttore verschlossen vorgefunden, so tief war das Trauma des Kriegs in die Stadt bereits eingedrungen.
In der Zeit der Napoleonischen Kriege hatte Seßlach unter zahlreichen Einquartierungen und Truppenaushebungen zu leiden. 1802 wurde das Hochstift Würzburg säkularisiert. Seßlach kam über das Großherzogtum Würzburg schließlich 1810 zum Königreich Bayern.
Man kann sagen, das winzige Dorf Seßlach hat alles an Geschichte er-, durch- und überlebt. Im Jahr 1840 hatte Seßlach 665 Einwohner.
Mehr Informationen und ein paar nachdenkliche Reflexionen zur Geschichte von Macht lesen Sie bitte hier…


















