
Begonnen haben diese in der Regierungszeit von Thaksin Shinawatra (2001–2006) als eine tiefe Polarisierung zwischen zwei Lagern, die bis heute mit den Farbcodes „gelb“ und „rot“ bezeichnet werden und in denen Gegensätze zwischen Stadt und Land, Zentrum und Peripherie oder Norden und Süden, unterschiedliche Konzepte von politischer Legitimität, Einfluss der zentralistischen Bürokratie, des Militärs und/oder des Palasts auf die Politik sowie Sorge der Mittelschicht vor Statusverlust polarisiert sind.
Die sogenannten „Gelbhemden“, die Volksallianz für Demokratie (PAD), rekrutierte sich aus Menschen- und Bürgerrechtlern, Gewerkschaften und Graswurzelbewegungen, aber auch Royalisten, Nationalisten und Religiöse fanden sich in der PAD zusammen.
Aushöhlung der Demokratie, Menschenrechtsverletzungen, Amtsmissbrauch und Korruption, Verrat an der Nation und mangelnden Respekt vor der Monarchie – bis hin zur Majestätsbeleidigung – waren die Vorwürfe des konservativ-monarchistischen und nationalistischen Elements in dieser Bewegung, das zunehmend die Überhand über die liberalen Vertreter gewann.
Ab 2008 äußerten führende Vertreter der PAD offene Ablehnung der repräsentativen Demokratie und des Mehrparteiensystems und bezogen aggressiv-nationalistische Positionen im Grenzstreit mit Kambodscha.
Die Anhängerschaft der PAD ging deutlich zurück. 2010 identifizierten sich noch 5,1 Prozent als „gelb“, weitere 5,2 Prozent als „eher gelb“. Die meisten „(eher) Gelben“ gab es in der Südregion (insgesamt 24 Prozent), die wenigsten im Norden (7 Prozent) und Nordosten (8 Prozent). 2013 löste sich die PAD auf, an ihre Stelle trat die „Volksarmee zum Sturz des Thaksin-Systems“ (Pefot), deren Anhänger aber nicht mehr an gelben Hemden erkennbar sind.
Auf der anderen Seite steht die Nationale Demokratische Allianz gegen Diktatur (UDD) der „Rothemden“. Ihre Erkennungsfarbe geht auf die Kampagne zur Ablehnung der unter Ägide des Militärs ausgearbeitete Verfassung zurück. Diese wurde im Referendum zwar mit landesweit 57,8 % (bei 57,6 % Wahlbeteiligung) angenommen, in mehreren Provinzen Nord- und Nordostthailands aber mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

Die meisten ihrer Anhänger kommen zwar aus der Provinz, gehören aber nicht zu den allerärmsten Landlosen, sondern zu einer wachsenden und zunehmend selbstbewussten und politisierten unteren Mittelschicht, sie können als „urbanisierte Dorfbewohner“ bezeichnet werden.
Die „Rothemden“ sind trotz ihres rhetorischen Eintretens für die angeblich unterprivilegierten Schichten keine sozialistische oder kapitalismuskritische Bewegung. Im Gegenteil: viele von ihnen sind (ehemalige) Bauern, die sich dank Thaksins Mikrokrediten selbstständig gemacht und kleine Unternehmen gegründet haben und so auch ihren Anteil an der ökonomischen Entwicklung Thailand haben und nicht zu Unrecht offensiv vertreten.
Auch diese Bewegung steht aber nur für eine Minderheit der Gesamtbevölkerung: 2010 nannten sich 6,6 % der befragten Thailänder „rot“, weitere 7 % „eher rot“.
Am stärksten waren die „(eher) Roten“ im Norden (insgesamt 20 %) und Nordosten (18 %), am schwächsten im Süden (3 %).
Im Großraum Bangkok (12 % rot, 11 % gelb) und der Zentralregion (9 % gelb, 8 % rot) hielten sich die beiden Lager ungefähr die Waage.
Dort gab es auch den größten Anteil sog. Neutraler (76 bzw. 80 Prozent). Wir erkennen, dass es sich bei den politischen Auseinandersetzungen um eine unklare und zersplitterte politsche Situation handelt, die aus unserer, ausländischen Sicht, schwer zu durchschauen ist, zumal hier Kultur und Politik, Religion und ökonomische Interessen auf undurchschaubare Weise ineinander verwoben scheinen.


















